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16.08.2011 - BZ

Eine Renaissance der sanften Töne

16.08.11 00:00
Eine Renaissance der sanften Töne
Die Freiburger Spielleyt boten eine ästhetisch feinsinnige, anmutige, sanfte und berührende Sicht auf Pilgerlieder aus Mittelalter und Renaissance. Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner
Die Freiburger Spielleyt brachten nach St. Blasien selten gehörte Instrumente mit.
ST. BLASIEN. Pilgerlieder aus Mittelalter und Renaissance boten die Freiburger Spielleyt in ihrem Domkonzert. "In Gottes Namen fahren wir" ist ein Lied, das die Pilger auf dem Weg nach Jerusalem beschreibt und das zahlreiche Text- und Melodievarianten vom Tristanroman Gottfrieds von Straßburg im 13., über die bekannten Renaissancekomponisten Thomas Stoltzer und Heinrich Fink, bis zur Mehrstimmigkeit des 16. Jahrhunderts erfuhr. Einen Teil dieses Weges zeichnete das Ensemble für alte Musik nach, der typische ruhig-andächtige Charakter dieses Wallfahrtslieds zog sich dabei durch alle Varianten hin. In der Version eines Anonymus aus dem 15. Jahrhundert begleiteten Bernd Maier und Albrecht Haaf Sopranistin Regina Kabis mit der näselnden Schalmei, Stoltzers kunstvoll gefügten mehrstimmigen Satz begleiteten Drehleier, Portativ, Harfe und Laute, und bei Finks Variante bestach Maria Ferré mit grazilem Lautenvorspiel. Überhaupt boten die Freiburger Spielleyt mit ihren ästhetisch feinsinnigen Interpretationen eine ausgesprochen anmutige, sanfte und berührende Sicht auf Mittelalter und Renaissance. Auch die Instrumentalstücke – ein munterer Saltarello aus dem Italien des 14. Jahrhunderts, rhythmisch prägnant vorgetragen mit Dudelsack, Trommeln und einer Einhandflöte, Stücke aus dem Buxheimer Orgelbuch oder "O voy", ein Stück aus dem spanischen Cancionero de palacio, wie das Buxheimer Orgelbuch dem 15. Jahrhundert zuzurechnen – waren voller Anmut und zarter Eleganz. Besonders Bernd Maier entlockte seiner Drehleier außerordentliche solistische Qualitäten, und Jutta Haafs gotische Harfe erfüllte den Dom mit sattem, anschmiegsam weichem Ton. Zwei Gesänge zu Ehren der Mutter Gottes aus dem Spanien des 13. Jahrhunderts, die eine Pilgergeschichte auf dem Jakobsweg erzählen, ließen unterschiedliche Stimmungen anklingen, einmal die Freude über die im Lied berichtete Heilung eines Kranken, zum anderen den bewegten Dank für die Fürsprache Mariens. Mit ausgedehnten Melismen kunstvoll verziert ließ sich der Pilger in einem vermutlich auf das Ziel Rom gemünzten italienischen Lied vernehmen, der um Almosen bat. Mit einem Choralsatz von Michael Praetorius stellte das Ensemble den sogenannten Jakobston vor, um danach eine beinahe swingende volkstümliche Version dieses Tones anzustimmen, die mit dem Gesang aller fünf Musiker, mit den Soloeinschüben von Harfe, Renaissancegitarre und Portativ sowie mit einem sanften Amen, am Ende das gesamte Konzert quasi nochmals zusammenfasste. Dem folgte zum Schluss noch das älteste Stück des Abends, ein Loblied der Pilger an den heiligen Jakobus in der Kathedrale von Santiago aus dem Codex Calixtinus des 12. Jahrhunderts. Dem geradezu meditativen A-cappella-Einstieg des wohltembrierten Soprans fügte sich harmonisch ein Glockenspiel an, und den musikalischen Bogen schloss die Laute gemeinsam mit der Singstimme. Diesen berückenden Blick auf ein Mittelalter und eine Renaissance der sanften Töne ergänzte das Ensemble in der Zugabe mit dem faszinierend weichen, abgedunkelten Klang eines französischen Jakobsliedes um 1600, in dem die Drehleier ihre Möglichkeiten als Fundamentgeber auskostete. Und schließlich fügte St. Blasiens Stadtpfarrer Pater Georg Kappeler dieser musikalischen Pilgerreise noch das wuchtige Erlebnis des Geläutes aller Domglocken beim Austritt aus dem Gotteshaus hinzu. Autor: Karin Steinebrunner
Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

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