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Ostermontag 2012 - P. L. Joos SJ

09.04.12 00:00
Ostermontag – die Erfahrung von Passion und Tod ist schon wieder einige Tage her – auch die merkwürdigen Erfahrungen vom leeren Grab sinken langsam ab … Nach einmal drüber Schlafen klingt vieles anders als im ersten Moment, bei Tageslicht betrachtet - im ruhigen Rückblick fügen sich die Dinge. Man beginnt die Erlebnisse einzuordnen, wir vergleichen mit anderen Erlebnissen. Und so tun es auch die Jünger Jesu.

Der Schrecken von Karfreitag steckt ihnen noch in den Knochen. Auch die Kunde vom leeren Grab und die Erscheinungen. Jetzt versuchen sie es in ihr Weltbild einzusortieren.

Aber es gelingt ihnen nicht.

Die Mosaiksteine passen nicht zusammen. Es gibt keinen Sinn. Es bleibt dunkel und was uns unverständlich bleibt, belastet.

Und so gehen die Jünger nach Hause. Jeder dorthin, wo er herkam. Von Petrus und seinen Brüdern lesen wir anderswo, dass sie zurück in ihr Fischerdorf gegangen sind.

Die beiden heute gehen nach Emmaus. Zurück in die Sicherheit des Gewohnten, zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“. Gar manches erinnert an den Zug Israels durch die Wüste.

„Wozu Gott, hast Du uns Jesus geschickt, um ihn uns wieder zu  nehmen? Wäre er doch nie gekommen. Wir wollen zurück in unseren sicheren Alltag. Zurück ins Bekannte. Was wir mit Jesus erlebt haben, bleibt uns rätselhaft.“

Jesus hatte sie ermutigt, ihr Leben hinzugeben. Wir hören noch die Worte der Jünger: „Wohin Du gehst, da wollen auch wir hingehen! Lieber werden wir sterben, als Dich zu verlassen.“

Aber jetzt ist alles sinnlos. Die Jünger resignieren … sie sind mutlos geworden. Ihr Eifer und ihre Bereitschaft, Jesus zu folgen, bei ihm zu sein, bei ihm zu bleiben … löst sich auf.

Sie konnten es auch nicht. Das steckt ihnen auch noch in den Knochen. Sie flohen ja schon, als Jesus gefangen gesetzt wurde. Da ist auch hoch so was wie ein schlechtes Gewissen. So etwas wie ein Unbehagen über die eigene Unfähigkeit, Jesus treu zu sein, als es brenzlig wurde.

Und jetzt ist Jesus tot – und sie wagen gar nicht daran zu denken, dass das nicht das Ende ist. Selbst wenn es eine Auferstehung von den Toten geben sollte. Selbst wenn es so etwas wie eine Wiedergeburt geben sollte.

Was bedeutet das noch für ihr Leben? Jesus ist nicht mehr in der gleichen Weise da. Sie wissen nicht, was sie jetzt noch mit ihm anfangen könnten.

Liebe Schwestern und Brüder – dieser Geisteszustand der Jünger ist reine TROSTLOSIGKEIT. Und das Wunder des heutigen Tages besteht darin, wie sie hier herausfinden: im Laufe der berühmten Emmauserzählung wandelt sich diese Trostlosigkeit nämlich in das, was wir AUFERSTEHUNGSHOFFNUNG nennen können.

Am Ende eilen die beiden Jünger zurück zu den anderen. Am Ende sind sie erfüllt von innerer Gewissheit und neuem Lebensmut.

Drei Dinge erscheinen mir in diesem Prozess bemerkenswert. Drei Dinge, die uns viel über den Glauben an Jesus Christus sagen.

  1. Die Art, wie Jesus den Jüngern in dieser Geschichte begegnet
  2. Die Veränderung in den Herzen der Jünger
  3. Der Glaube, der dabei ermöglicht wird.

Zu Jesus: In vielen Geschichten hören wir, wie der auferstandene Jesus zu den Menschen spricht. Offensichtlich ist die Auferstehungserfahrung bei den Jüngern als eine Erfahrung des Dialoges, des Gebetes, in Erinnerung. Aber mehr als in den anderen Geschichten ist Jesus hier ein hörender. Jesus lädt die Jünger ein, zu erzählen. Er lädt sie ein, sich selbst zu offenbaren mit ihrem Schmerz und mit ihren Sorgen.

Wir Menschen sind sehr unterschiedlich veranlagt. Manchen gelingt es sehr schnell, sich anderen zu offenbaren, anderen die Sorgen oder auch Freuden mitzuteilen. Andere sind eher schweigsam. Aber selbst wer eher schweigsam ist, weiß wie wichtig es ist, wenn andere einfach da sind und zuhören, selbst wenn man gar nicht viel sagt.

Bei Besinnungstagen am Kolleg ist das eine regelrechte geistliche Übung: der Emmausgang: einander über sich selbst erzählen. Das wichtigste dabei ist: dem anderen aufmerksam zuzuhören. Nicht selbst gleich mitreden wollen.

Wenn einer da ist, der zuhört, kann ich mich auf den Weg nach innen machen. Karl Rahner sagte einmal: „Die schwierigste Art der Fortbewegung ist „in sich zu gehen“ und wirklich bei sich selbst sein.

Man könnte meinen, das geht nur alleine. Aber das stimmt nicht, es geht am besten, wenn einer aufmerksam zuhört. Das tut Jesus.

Bis heute: Gespräche können unser Seelen heilen, denn man kann dabei in sich gehen. Das hat die Psychologie im letzten Jahrhundert neu entdeckt: einer hört zu, der andere geht in sich.

Dabei ist dieses Instrument viel älter: Geistliche Begleitung ist im wesentlichen aufmerksames ZUHÖREN. – Und auch das Gebet: Gott hört mir zu.

Zu den Jüngern: Sie erzählen, und beim Erzählen kommen sie an die wunden Punkte. Sie kommen nach innen, in ihre Trostlosigkeit. Aber durch die Hilfe des hörenden Jesus bleiben sie nicht dabei. Sie kreisen nicht um ihre Trostlosigkeit, sondern finden plötzlich mehr: Sie treffen auf eine offene Türe für Gott, einen Hoffnungsschimmer, ein „Brennen“ im Herzen, heißt es. Gibt es vielleicht doch einen tieferen Sinn? Gibt es doch Grund zur Hoffnung?

Und plötzlich dreht es sich. Sie werden wieder interessiert. Wie öffnen sich einer Dimension, die sie vorher nicht gesehen haben. Es ist ein langer Weg. Es wird schon Abend. Es geht nicht sofort.

Jetzt werden sie ganz zu Hörenden. Sie lassen sich von Jesus die Dinge neu zusammenfügen. Vielleicht haben sie alle Geschichten aus der Heiligen Schrift schon gekannt. Vermutlich. Aber jetzt hören sie sie neu. Im Rahmen dieses vertrauensvollen Gespräches mit Jesus entdecken sie plötzlich im Altbekanntem etwas Neues.

Und das kennen wir auch. Wir hören die Worte der Heiligen Schrift so oft. Und wir kennen viele Geschichten auswendig. Aber sie klingen heute anders als gestern und es ist erstaunlich, wie ich immer wieder alte Dinge neu entdecken und anders verstehen kann.

Und so komme ich zum letzten Punkt: Was ist das für ein Glaube, den wir hier antreffen, was ist das: Auferstehungsglaube:

Offensichtlich ist die Heilige Schrift nicht statisch – KEINE BOTSCHAFT EIN FÜR ALLE MAL GLEICHLAUTEND – Offensichtlich ist der Glaube an die Frohe Botschaft etwas, was sich immer wieder neu erschließt. Und dabei ist der Zusammenhang, in dem ich selbst stehe nicht egal.

Die Jünger verstehen die alten Geschichten neu, weil sie auf dem Weg sind, sie verstehen sie neu, weil sie in einem vertrauensvollen Gespräch darüber sind. Sie verstehen ihr Leben und ihre Erlebnisse neu, weil ihnen einer zuhört und weil sie selbst zu Lauschenden werden.

Und das NEUE heute ist nicht irgendwie NEU, sondern hat einen besonderen Charakter:

Es ist so etwas wie das ANKOMMEN Jesu in ihrem Herzen. Geschichten, die  vorher keinen besonderen Sinn gemacht haben, beginnen plötzlich ihr Herz zu bewegen und fügen sich zu einem inneren Sinn.

Damit wird die Geschichte, die sie neu hören zu einer wie eine Kraft, die sie tanken. Die Geschichte wird zur Nahrungsquelle. Und so wendet sich auch die Geschichte mit Jesus zur Mahlfeier:

Beim Brechen des Brotes wird aus dem Brennen der Herzen ein inneres „AHA“, ja so etwas wie eine tiefe innere Gewissheit.

Eine Gewissheit, dass Jesu Tod eben doch nicht das letzte ist. Aber das auch die Erzählungen von der Auferstehung nicht das letzte sind. Es ist eine Gewissheit, … ja … ist ein innere Klarheit, dass alles, was da war und ist einen tiefen Sinn hat. Das meine Erlebnisse mit Jesus, aber nicht nur mit Jesus, sondern überhaupt, das meine Lebensereignisse einen tiefern Sinn haben, der von Gott kommt.

Es ist eine Erfahrung der Geborgenheit in Sinn. Es ist eine Erfahrung von Geborgenheit in einem Sinn, der mir geschenkt wird, eine Geborgenheit in den Armen Gottes. Eine Erfahrung der Liebeskraft Gottes.

Es ist eine Erfahrung, die mir geschenkt wird. Ich kann sie nicht selbst machen. Mein Grübeln kann sie nicht vollbringen. Es ist eine Erfahrung des Hörens, der eine Erfahrung des Gehörtwerdens vorausgeht.

Und damit verbindet sich die Auferstehungserfahrung mit einer Selbsterfahrung, als Erfahrung des Angenommenseins mit allem, was da ist und war.

Mein eigenes Leben erfährt einen neuen, einen sehr tiefen Sinn durch diese Begegnung mit Jesus auf dem Weg.

Der Glaube an Christus ist der Glaube an die Begegnung mit Gott, der nicht nur das Leben Jesu annimmt, sondern unsere eigene Lebenserfahrung mit Sinn und neuem Leben erfüllt.

Und deshalb ist das untrügliche Zeichen und Charakteristikum des christlichen Auferstehungsglaubens das Wort „TROST“: Denn die Glaubenserfahrung der Jünger wendet die Resignation in Geborgenheit, in Hoffnung, in Mut zu neuem Leben.

Glaube ist im Kern Mut zur Annahme des Lebens. Man könnte auch sagen: Glauben an Christus ist Mut zu Lieben. „Liebesmut“.

Und so feiner wir diesen Ostermontag – bei allem, was uns entmutigen mag als das Fest des neuen Mutes, unser eigenen Leben anzunehmen. Als Fest des neuen Mutes, uns selbst und andere Menschen zu lieben. Als Fest des Liebesmutes Gottes, der in Jesus sichtbar geworden ist und der auf alle abfärbt, die sich ihm öffnen.

Liebesmut – Trost, der uns Menschen befähigt und Kraft gibt, mit ganzem Herzen zu leben und zu lieben. AMEN

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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