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32. Sonntag A (Matthäus 25,1-13, 1 Thessalonicher 4,13 ff) P.Josef Singer

09.11.14 00:00
Die Zukunft ist liegt in Gottes Hand. Er steht am Ende jedes Einzelschicksals und am Ende der gesamten Menschheit. Diese Glaubensgewissheit sagt uns keine Einzelheiten über das Wie und Was und Wann. Aber dieser Glaube könnte uns lehren neu zu fragen; nicht: Was kommt in der Zukunft oder im Jenseits? Sondern: Wer kommt?

Seid wachsam, ihr wisst weder den Tag noch die Stunde!

Die Schrifttexte der letzten Sonntage im Kirchenjahr sind ernst und mahnend. Sie lenken unseren Blick auf die Zukunft, das Ende des Lebens, der Welt und auf das Kommen des Herrn. sie drängen auf Entscheidung, fordern auf, wachsam zu sein. Sie appellieren an unsere Bereitschaft für die endgültige Begegnung mit Gott.

Das Evangelium von den klugen und törichten Brautjungfern stellt uns die schreckliche Möglichkeit vor Augen, dass es ein „zu spät“ geben kann, dass die Tür, die jetzt noch offen steht, verschlossen wird. Doch das Evangelium will uns nicht Angst machen, vielmehr fordert es uns zur Wachsamkeit und Bereitschaft auf. Auch Paulus hat in der Lesung die Ankunft Christi vor Augen; für ihn ist es eine tröstliche Botschaft: Habt keine Angst, wir werden immer beim Herrn sein.

Die ersten Christen lebten sehr stark aus der Erwartung, dass der Messias bald kommt auf den Wolken des Himmels mit Macht und Herrlichkeit. Maran ata, Komm Herr! war der übliche Ruf in der Liturgie. Und man erwartete noch zu Lebzeiten, dass das Reich Gottes sichtbar und greifbar für alle in dieser Welt anbricht, durch kosmische Ereignisse, Weltuntergang, Verwandlung der Welt oder wie auch immer. Es gab eine Reihe verschiedener Vorstellung dafür. („Apokalyptik“ nennt man diese Texte, wie auch das letzte Buch des Neuen Testaments Apokalypse heißt.)

Diese Naherwartung erfüllte sich nicht. Der jüngste Tag brach nicht an. Und diese Verzögerung war für die ersten  Christen-gemeinden ein großes Problem. Paulus geht darauf in der Lesung ein, wenn er sagt, dass es zwischen den Verstorbenen und den noch Lebenden beim Kommen des Herrn keinen Unterschied geben wird.

Und auch im heutigen Evangelium gibt es eine Verzögerung, der Bräutigam lässt auf sich warten. Die jungen Gemeinden haben das auf die Wiederkunft Christi gedeutet. Das Ausbleiben des Bräutigams ist eine große Versuchung, nachzulassen im Eifer christlichen Lebens. Sie waren in der Gefahr, sich hier in dieser Welt einzurichten, als ob sie für immer hier zu Hause wären, in der Gefahr, wieder die sündige, weltlich – heidnische Lebensführung zurückzufallen. Deswegen der mahnende Appell, wachsam zu sein und bereit zu sein, denn der Her kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet. Die ersten Christen mussten lernen, dass Gott sich nicht nach menschlichen Vorstellungen richtet, dass er anders da ist und anders kommt als wir erwarten.

Wie ist das heute? Nach 2000 Jahren ist der jüngste Tag immer noch nicht gekommen, auch wenn er von manchen Sekten immer wieder vorausgesagt wurde. Erwartet der heutige Mensch noch das Kommen Gottes in Macht und Herrlichkeit?

Oder ist er nicht weitgehend müde geworden und dieses Wartens überdrüssig? Er hat sich daran gemacht, sich gänzlich in dieser Welt einzurichten, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und zu machen.

 Doch damit stößt er nun an seine Grenzen. Vor wenigen Jahren beflügelte das Wort „Zukunft“ noch den Fortschrittsglauben. Heute verbindet sich damit immer mehr das Gefühl der Angst, die unsere Gegenwart überschattet und lähmt. 

Welche Entwicklung wird die Menschheit nehmen? Werden sich die Menschen ganz neue Lebensmöglichkeiten schaffen durch Technik und Elektronik. Dieser Optimismus ist heute gebrochen. Viel näher ist uns heute der Gedanke an die Vernichtung der Welt durch Krieg, Terror und Katastrophen, durch die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Menschen.

Wir Christen dürfen angesichts dieser katastrophalen Aussichten nicht sagen – wie es manche Kreise tun: Jetzt ist der Mensch mit seiner Weisheit am Ende, jetzt wird er wieder fromm und wendet sich Gott zu. Gott ist kein strafender Gott. Der Mensch straft sich höchstes selbst, wenn er nicht auf Gottes Wort und Weisung hört.

So verschieden die Situation der ersten Christengemeinden von der unseren auch sein mag; Es gibt auch Ähnlichkeiten, und die christliche Botschaft sagt heute dasselbe wie damals. Damals mussten die Christen lernen, das Reich Gottes kommt nicht so wie sie es erwarteten. Sie waren sehr verunsichert. Sie mussten neu auf Gottes Wort hören. Sie mussten sich auf die Worte Jesu besinnen: „Jenen Tag und die Stunde kennt niemand als der Vater allein.“

Und als Jesus gefragt wurde, wie denn das Reich Gottes komme, antwortet er: „Man kann nicht sagen, hier ist es, oder: dort ist es. Denn das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.“ (Lukas 17,20)

Könnte nicht auch heute die Ratlosigkeit und Angst vor der Zukunft uns wieder den Blick für den Glauben öffnen, der uns sagt: die Zukunft ist nicht vom Menschen machbar, sie liegt in Gottes Hand. Er steht am Ende jedes Einzelschicksals und am Ende der gesamten Menschheit. Diese Glaubensgewissheit sagt uns keine Einzelheiten über das wie und was und wann. Die Bibel befriedigt unsere Neugier nicht.

Aber dieser Glaube könnte uns lehren neu zu fragen; nicht: Was kommt in der Zukunft oder im Jenseits. Sondern: Wer kommt?

„Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch“, sagt Jesus. Jetzt in seiner verborgenen Gegenwart unter den Zeichen von Brot und Wein und in den Brüdern und Schwestern, - dann einmal offenbar, wenn wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht.

Amen

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