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Fest der Kreuzerhöhung, Johannes 3,13-17. P. Wolfgang Bauer SJ

14.09.14 00:00
Die Spannung zwischen Schmerz, Schändlichkeit und Triumph , Freude; Depression und Hoffnung findet ihren Ausdruck in der christlichen Sicht und Verehrung des Kreuzes Christi und in dieser Spannung verläuft auch unser christliches Leben.

Fest Kreuzerhöhung am 14.September 2014 Dom zu St.Blasien

Joh 3,13-17

Liebe Gemeinde,

in diesen Wochen geht ein Aufschrei um die Welt über die Nachricht, dass Extremisten , die im Irak den islamischen Staat ausgerufen haben, Christen und Jesiden, die zu ihrem Glauben stehen, enthaupten oder kreuzigen. Der Aufschrei, weil der Kreuzestod bis heute als der schändlichste Tod gilt. Schon in biblischer Zeit hieß es:  „Verflucht ist, wer am Kreuze hängt“.

Es gibt viele Darstellungen des Kreuzestodes Jesu, die diese Qualen und grausame Todesart darstellen. Denken Sie an den geschundenen gekreuzigten Jesus des Isenheimer Altars von Mathias  Grünewald. Umgekehrt werden Sie Darstellungen kennen, auf  denen Christus mit Königskrone am Kreuz dargestellt wird und wir wissen um den kostbarsten Schatzes des Klosters St.Blasien, das Adelheidkreuz, das heute in Kopie in der Haukapelle des Kollegs zu sehen ist, eine Kreuzreliquie enthaltend,  geschmückt mit wertvollen Edelsteinen und  gefertigt aus wertvollem Metall:, nicht  Ausdruck von Schändlichkeit und Schmerz sondern von Freude und Triumph.

Die Spannung zwischen Schmerz, Schändlichkeit und Triumph , Freude; Depression und Hoffnung findet ihren Ausdruck in der christlichen Sicht und Verehrung des Kreuzes Christi und in dieser Spannung verläuft auch unser christliches Leben und diese Spannung  vermittelt auch das Erleben der Apostel wie es im Neuen Testament dargestellt ist.

Vielleicht hilft uns diese ursprüngliche Erfahrung der Apostel unseren Zugang zum Kreuz Christi neu zu entdecken.

1.      Eines hatten die Jünger Jesu begriffen: Sein Leben war ein gutes Leben und sein Leben hat gut getan. Er hat die Menschen geliebt, war für sie da.  Er hat für uns gelebt und es ist gut, wenn man für andere lebt.

Am Karfreitag allerdings hatten sie noch etwas begreifen müssen: Genau so ein Leben will man hier nicht haben. Für Liebe und Wahrheit da zu sein, das ist Torheit. Das hat keine Zukunft. Solch ein Leben wird gekreuzigt. Und wer gekreuzigt ist, ist endgültig ausgeschaltet, "weg vom Fenster".  Er hat für uns gelebt, und genau dadurch hat er sein Leben verpfuscht. Das Kreuz ist das Zeichen dafür, für die Sinnlosigkeit dieses Lebens für andere. Er ist so gestorben, weil er so gelebt hat.

 Und damit wird alles ausradiert und durchgestrichen, was er getan und gelebt hat. Nichts mehr davon hat Sinn. Ihn kann man vergessen. Das Kreuz erwürgt alles, was er war und was von ihm ausging. Das haben die Jünger begriffen.

Und die Konsequenzen, die sie gezogen haben, kann man in der Schrift nachverfolgen: Die Jünger gehen heim, verlassen Jerusalem. Was sollen sie noch dort, die Männer aus Galiläa. Sie sind enttäuscht: Dieser war es nicht! Er ist tot. Er ist vernichtet. Von Gott vernichtet. Sie verstehen es nicht, es ist unendlich traurig, aber so ist es.

Man findet sie wieder am See Genesareth, eben dort, wo sie daheim waren. Sie üben wieder ihren Beruf aus, eben das, was sie gelernt haben: Man findet sie beim Fischen. Was sollten sie noch in Jerusalem. Das Kreuz ist das Symbol der Zerstreuung der Jünger.

2.       Nur, ziemlich genau am dritten Tag beginnt so etwas wie eine Gegenbewegung: Es ist historisch festzustellen: Diese Jünger finden sich wieder in Jerusalem ein. Sie sind von Galiläa wieder auf dem Weg, und gehen genau dorthin, von wo sie davongelaufen sind, noch vor drei Tagen. Sie sagen: Er lebt! Nicht irgendeiner lebt, sondern genau dieser Gekreuzigte lebt. Und damit widerrufen sie alles, was sie meinten begriffen zu haben: Nein, er ist nicht von Gott verflucht, wie bisher noch jeder Gekreuzigte, sondern er ist von Gott zu seiner Rechten erhöht. Damit geschieht etwas Ungeheueres: Das Kreuz, dieses Instrument des Todes, rückt in die Umgebung des Lebens, in die Nähe des Lebens Gottes, in die Nähe der Auferstehung.

Und alle Einsichten der Jünger kehren sich nocheinmal um:  Dann war es aber nicht umsonst, was er Gutes getan hat, nicht umsonst war seine Liebe, nicht umsonst sein Leben für andere.  Und bevor sie das theologisch formulieren können, fangen sie wieder an, das zu tun, was sie vorher getan hatten: Ein Ruck geht durch sie, Aufbruch ist angesagt. Ihre Gemeinschaft entsteht neu, sie versammeln sich wieder, Sonntag für Sonntag, sie erzählen sein Leben, sie versuchen zu leben, wie er gelebt hat: Ein Leben des Heilens, des Aufrichtens, des Miteinanders.

3.       Und so nach und nach lernen sie, dass das Kreuz selber etwas ganz anderes bedeutet, als sie gemeint hatten: Dass das Kreuz nicht mehr nur etwas mit dem Tod zu tun hat, mit Schmerz und Schändlichkeit, sondern mit dem Leben, mit Hoffnung und Triumph.

Etwas Aufregendes ist geschehen: Das Kreuz, dieses Instrument des Todes, wird geradezu ein Zeichen des Lebens: Dieses Zeichen der Sinnlosigkeit wird zum Zeichen der Fülle, des Aufbruchs zu neuen Zielen. Weil er gut war, weil er geheilt hat, aufgerichtet hat, geliebt hat, wird dieses Kreuz zum Zeichen des Heiles, zum Zeichen der Liebe! Zum Zeichen des Lebens. Er hat für uns gelebt. Er ist für uns gestorben: Crucifixus etiam pro nobis. Für uns ist er gekreuzigt worden!

Es ist mehr als kühn, das so zu sagen. Es ist mehr als kühn, mit diesem Zeichen den Tag zu beginnen, sich dieses Zeichen um den Hals zu hängen, dieses Zeichen auf die Berge zu stellen, es ist mehr als kühn, dieses Zeichen in sein Leben zu stellen. Es ist mehr als kühn, dass uns das Kreuz seither das Gegenteil von dem bedeutet, was es einmal bedeutet hat: Nicht mehr Ende, sondern Aufbruch, nicht mehr Tod, sondern Leben, nicht mehr Davonlaufen und Flucht, sondern Gemeinsamkeit der Glaubenden, nicht mehr Tod, sondern Leben.

„Im Kreuz ist Heil“, das bekennen und verehren wir heute. Amen

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

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Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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