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Pfingstpredigt, Josef Singer SJ
Apostelgeschichte 2,1-13

27.05.12 00:00
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche. Der Bericht in der Apostelgeschichte schildert den Geburtstag, das Pfingstwunder, wie verängstigte Menschen,die sich verschanzt hatten, plötzlich mit großer Begeisterung auftreten, und in allen Sprachen verstanden werden.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Wem ich gratuliere? Ihnen, uns, der Kirche! Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche. Der Bericht in der Apostelgeschichte ( 2,1-13) schildert gleichsam den Geburtstag, das Pfingstwunder, wo verängstigte, verstörte Menschen, die sich hinter Mauern und Türen verschanzten, plötzlich mit großer Begeisterung auftreten, die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi frei verkünden, und in allen Sprachen verstanden werden – weil der Geist ihnen und den Zuhörern die Sprache der Liebe eingab. Daran erinnert uns das jährliche Pfingstfest. Wir können zurückblicken auf beinahe 2000 Jahre Kirche. Wahrhaftig ein Grund zum Feiern!

Doch fragen wir uns, wie dieser Geburtstag gefeiert wird und was er uns bedeutet!

Manche feiern das Geburtsfest der Kirche wie den Geburtstag einer altehrwürdigen Dame, der man pflichtgemäß einen Blumenstrauß oder eine Flasche Wein überreicht, deren Leben man würdigt und ehrfürchtig betrachtet. Oder wie das Jubiläum eines Vereins oder einer Firma für deren Produkte und Bilanzen man sich interessiert, die man wohlwollend oder kritisch betrachtet.

Da gibt es die Bewunderer der Kirche, sie loben sie und zeigen bisweilen sogar eine kindliche Anhänglichkeit. Sie bewundern ihre jahrhundertealte Beständigkeit, ihr Beharrungsvermögen inmitten der Weltstürme, sie schätzen ihr Autoritätsprinzip, das sie aufrechterhält.

Humanistisch gebildete Kreise preisen sie, weil sie in allen geistigen Wirren das antike Geistesgut in ihren Klöstern gerettet und weitergetragen hat, sie schätzen die Förderung der Künste, der Musik, die Schönheit und Erhabenheit ihrer Liturgie. Politiker schätzen die Kirche wegen ihrer erzieherischen Funktion für die Gesellschaft - als Bollwerk gegen den Werteverfall, ihre Bildungseinrichtungen und karitativen Institute. Das alles ist gut und schön, und es ist – Gott sei Dank – viel Wahres dran. Ist damit aber schon alles oder das Wesentliche über die Kirche gesagt?

Dann gibt es da die Gegner der Kirche. Sie zählen ihre Schwächen und Fehler auf: die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen, die Renaissancepäpste, die mit ihren Mätressen in Saus und Braus gelebt haben, den Ablasshandel und die Waffensegnungen. Und das zieht sich hin bis in die heutige Zeit, wenn die Kirche beschuldigt wird, die Frauen zu diskriminieren oder gegen die Menschenrechte zu verstoßen. Da werden die angeblich sündhaft teueren Reisen des Papstes zitiert und dass die Kirche es mit den Reichen und Mächtigen hält und sich nicht um die Armen kümmert. Man könnte die Litanei der Anschuldigungen endlos fortsetzen, und doch gilt, was Alois Glück der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken auf dem Katholikentag in Mannheim vor 10 Tagen gesagt hat: „Die Kirche ist mehr als die Summe ihrer Defizite.“

Beide, Gegner und Bewunderer der Kirche gehen am Wesentlichen der Kirche vorbei. Sie sehen nur die menschlichen Verdienste oder Schwächen der Kirche. Und sie stehen der Kirche gegenüber. Für beide Positionen ist sie ein Objekt - des Lobes - der Kritik. Sie sehen sie von außen, stellen sich über oder neben die Kirche. Kirche sind dann Andere: Kleriker, Amtsträger, Hauptamtliche... Kirche wird gesehen wie ein Verein, dem man beitreten oder wieder verlassen kann, wie eine Partei, der ich meine Stimme gebe, solange sie meine Interessen vertritt. Kirche wird auf ein Unternehmen von Menschen reduziert.

Pfingsten verkündet uns aber, dass Gottes Geist die Seele der Kirche ist. Alle Menschen, die dem Geist Gottes Raum geben, sich von ihm ergreifen lassen, sind Kirche: Wir alle sind die Kirche Jesu Christi!

Gewiss wir sind auch schwache Menschen, daraus resultieren die Fehler und Sünden der Kirche; und keiner kann sagen, dass er keine hätte und nicht mit dem eigenen Verfehlen der Kirche schade. Darum kann sie auch als sündige Kirche bezeichnet werden, die immer wieder der Umkehr und Erneuerung bedarf. Doch sie ist auch und vor allem die Heilige Kirche, weil der Geist Gottes sie ins Leben gerufen hat, in ihr wirkt und das Erlösungswerk Christi weiterführt, das Reich Gottes zur Vollendung bringt.

Kirche so verstanden ist der fortlebende Christus in der Geschichte. Wer nicht an dieses tiefste Geheimnis der Kirche glaubt, der mag leichtfertig Lob oder Tadel an die Kirche verteilen - doch er lobt und tadelt nur ihre menschlichen Verdienste und Fehler. Wer sich aber durch den Heiligen Geist als Glied der Kirche weiß, der lobt Gott in dem was die Kirche Großes vollbringt und leidet darunter, wenn sie in menschlicher Schwachheit versagt.

Auch der Gläubige mag und muss Kritik üben, sie wird bisweilen härter und schärfer ausfallen als bei den Kritikern von außen, doch diese Kritik ist vom Geist getragen und vom unerschütterlichen Glauben, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden.

Mit der Kirche ist es wie mit einem Menschen. Nur wer ihn nicht kennt und liebt, kann ihn kurzerhand qualifizieren und beurteilen. Wer einem andern jedoch nahe steht und ihn schätzt, der weiß, wie unangemessen jede endgültige Urteil über ihn ist - und wie nötig es ist, sich immer wieder neu einzufühlen in den Mitmenschen, mit ihm zu leben und sich je neu überraschen zu lassen vom Geheimnis seiner Person.

Mit der Kirche ist es ähnlich, nur wer sie liebt, wer mit ihr leidet und ihre Hoffnungen teilt, wer sich anrühren lässt von ihrem Geist, nur der kommt ihrem Wesen nahe und vermag zu ahnen, worin ihre Berufung besteht.

Die Kirche kann man nicht von außen kommend beschreiben oder definieren. Nur der versteht sie, der sich als einen Teil von ihr sieht, ein Glied am Leib Christi, ist.                  (1 Kor 12,12 f).

Die Kirche, das ist nicht eine Sache, eine Institution - natürlich gehört das auch dazu. Die Kirche, das sind die Menschen, die sich von Jesu Geist ergreifen lassen und die aus dieser Kraft ein neues Leben wagen und der Welt Zeugnis geben, damit einmal alle Menschen zur Erkenntnis Christi gelangen.

Wir feiern heute Geburtstag, wir feiern unseren Geburtstag als Kirche Jesu Christi. Bedenken wir was dies bedeutet: Geburtstag im menschlichen Sinn ist eine Rückerinnerung an die Geburt, an den Anfang. Je mehr Geburtstage man feiert, desto älter, schwächer wird man, desto näher kommt man dem Tod. Wir dürfen und sollen anders feiern! Der Anfang der Kirche war gewiss damals in Jerusalem, und sie mag menschlich gesprochen nach 2000 Jahren auch ziemliche Alterserscheinungen aufweisen. Doch der Geist Gottes altert nicht.

Bitten wir inständig um das Wirken des Geistes Gottes in uns, seiner Kirche, dann dürfen wir erfahren, dass Pfingsten heute so neu und lebendig ist wie am ersten Geburtstag.

AMEN

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