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26. Sonntag im Jahreskreis A, Matthäus 21,28-32, P.Josef Singer

28.09.14 00:00
Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen
Die beiden Söhne, der Jasager und der Neinsager sind Teil meiner selbst. Wir sind immer beides. Das Bemühen, den Willen des Vaters zu erfüllen kann unser Nein zu einem geläuterten Ja wandeln.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Jesus erzählt den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes das Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen: vom Jasager und vom Neinsager. Wer sind sie, wer und was ist damit gemeint?

Es gibt die heilsgeschichtliche Auslegung, die bei den meisten Kirchenvätern bis zum Mittelalter vertreten wurde. Der Nein-Sager entspricht den Heiden, die das ihnen bekannte Naturgesetz nicht hielten, danach aber bei der Ankunft des Erlösers sich bekehrten. Der Ja-Sager entspricht den Juden, die das Gesetz bejahten, aber nicht befolgten.

Jesus richtet sich aber nicht an das Volk Israel insgesamt, er ist ja selbst Jude, sondern er kritisiert die Hohenpriester und Ältesten des Volkes. So einfach und schwarz weiß ist das also nicht zu haben.

Die andere Auslegung, die ethische, kritisiert den Jasager ebenfalls, meint aber nicht nur die Gruppe der religiösen Führer Israels, sondern alle falschen Autoritäten, die Wasser predigen und Wein trinken, und alle Scheinfrommen, die große Worte machen, um gut da zu stehen, aber das Versprochene nicht halten. Oder mit den Worten Jesu: „Sie reden nur, tun aber selbst nicht, was sie sagen.“ Und an anderer Stelle: „ Nicht wer zu mir sagt, Herr, Herr (Ja, Ja) wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut. (Mt 7,21) Der Nein-Sager dagegen weigert sich zunächst, verschließt sich dem Anruf des Vaters. Scheint es sich dann zu überlegen, geht in sich und kommt dem Wunsch des Vaters nach.

Wer von beiden nun den Willen des Vaters erfüllt hat, liegt auf der Hand: Der, der zunächst Nein sagt, in der ethischen Auslegung die Menschen, die moralisch versagen und sündigen, dann aber bereuen und umkehren.

Es sei dahingestellt welche Auslegung die richtige ist: die heilsgeschichtliche, die mit den beiden Söhnen Juden und Heiden gegenüberstellt oder die ethisch-moralische, die eher zwei Menschtypen meint. Beide haben wohl unter verschiedenen Perspektiven ihre Berechtigung.

Aber insgesamt birgt diese Art der Betrachtung die Gefahr, dass man Personengruppen ausfindig macht, die man dann in die Kategorie der Jasager oder der Neinsager einteilt. Und man wird immer genug Menschen finden, auf die der erste Typ zutrifft. Großsprecherisch, viel Fassade und nichts dahinter, viel Versprechungen und wenig Konsequenzen. Das sind selbstverständlich immer die andern.

Sich selbst sieht man eher in der positiven Nein-Sager-Rolle: Auch wenn ich nicht immer mit Begeisterung christlich handle (auch wenn ich geneigt bin, nein zu sagen), so versuche ich doch den inneren Schweinehund zu überwinden und meine Pflicht zu tun.

Doch gibt es nur diese Alternative: Ja-Sager, der nicht tut, was er sagt und Nein-Sager, der dann doch gut handelt? Ist in mir nicht auch ein Teil des echten Ja-Sagers, der ehrlich versucht recht zu leben, dem Mitmenschen gerecht zu werden, ja Gott und die Menschen zu lieben? Es ist ein Unterschied, ob ich das wirklich will, oder nur vorgebe es zu wollen.

Andrerseits bin ich auch in Gefahr Nein-Sager zu sein und zu bleiben, und eben nicht auf die Stimme des Vaters zu hören und umzukehren, sondern in der egoistischen Verweigerung zu verharren.

Wäre es da nicht hilfreich, die Perspektive zu wechseln und die ungleichen Brüder nicht versuchen draußen zu identifizieren, sondern in sich zu gehen und anzuerkennen: Die beiden ungleichen Brüder sind in mir, ich bin beides. „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“, das ist nicht nur ein geflügeltes Dichterwort, sondern die Realität. Paulus sagt es mit anderen Worten: „Denn nicht das Gute tue ich, das ich will. - Ich tue, was ich nicht will, das Böse.“ (Römer 7,19) Und in ehrlicher Anerkennung, dass er eben so konstituiert ist, sagt er offen und ungeschminkt: „Ich unglücklicher Mensch. wer wird mich erlösen aus diesem Todesleibe? Dank sei Gott: durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

Die beiden Söhne, der Jasager und der Neinsager, ein Teil von mir, von jedem von uns. Wie immer wir dieses Bild auch auslegen, ich meine es ist entscheidend, dass in dieser Geschichte der Vater mit ins Spiel kommt. Sonst bin ich mir überlassen und meiner Veranlagung, ob ich eher ein Typ bin, der Ja sagt und nein meint oder einer der sein Nein nicht absolut setzt, sondern sich zu einem Ja durchringt.

Es ist entscheidend, wer ruft, wer zu mir sagt, „Mein Sohn, geh und arbeite heute in meinen Weinberg.“, wenn ich ihn kenne, ihm vertraue, dann werde ich ihm ja sagen und beim ja bleiben – oder andersherum: wenn ich zum Neinsager veranlagt bin, dann werde ich dem Vater zuliebe das Nein überwinden. Ein Nein, das vielleicht zunächst mal notwendig ist, weil ich nicht ein verlogenes Ja sagen will -  wie mein leichtfertiger Bruder in mir.

Was den zweiten Sohn dazu bewegt, doch noch in den Weinberg zu gehen, lässt die Geschichte offen. „Später aber reute es ihn, und er ging doch.“ Ich glaube, es ist allein die Besinnung auf den Willen dessen, der ruft. „Den Willen des Vaters erfüllen“ - das geschieht nicht durch ein vollmundiges Ja ohne Folgen, das geschieht eher durch unser Nein, das wir aber immer wieder bereuen. So kann die stetige Suche nach dem Willen des Vaters unser Nein zu einem geläuterten Ja verwandeln. Amen

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