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Das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe

30. Sonntag A, Exodus 22,20-26, Matthäus 22,34-40 Das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe, Josef Singer SJ

26.10.14 00:00
Das inhaltlich Neue ist, dass Jesus beide bestehenden Gebote, das der Gottes- und das der Nächstenliebe, direkt miteinander verknüpft, sie als gleich wichtig nebeneinander stellt und alle anderen Bestimmungen diesem Doppelgebot unterordnet.

Das Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe

Einer der Gesetzeslehrer will Jesus auf die Probe stellen. das erinnert an das Evangelium vom letzten Sonntag, wo Jesus mit der Steuerfrage eine politische Falle gestellt werden sollte: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen? Jetzt handelt es sich um eine religiöse Erprobung. Ist er rechtgläubig? Vielleicht wollten die Fragesteller ein solches Bekenntnis von ihm hören, um ihn dann der Gotteslästerung zu überführen. Der Vorwurf wurde ihm ja gemacht: „Du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.“ (Joh 10,33) Aber Jesus zitiert das Glaubensbekenntnis eines jeden Juden: Du sollst Gott lieben über alles – und er stellt der Gottesliebe die Nächstenliebe als gleichrangig an die Seite. Man kann nicht am Nächsten vorbei Gott lieben. Doch  das steht auch schon in der Schrift und ist für die Pharisäer nichts Neues. Die heutige Lesung aus dem Buch Exodus hat nichts an Aktualität verloren: Das Handeln aus dem Glauben an Gott oder aus Liebe zu Gott ist an den Nächsten gebunden. Im Umgang mit den Fremden und mit den Rechtlosen, Witwen und Waisen zeigt sich ob die Gottesliebe echt ist. Wer vorgibt, Gott zu lieben, der kann nicht zugleich Menschen ausnützen oder sich nicht um ihn zu kümmern.

Sie wollten Jesus auf die Probe stellen, doch Jesus gibt mit dem Verweis auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe eine Antwort, aus der man ihm keinen Strick drehen kann. Womit er aber seinen Anspruch, dass mit ihm das Reich Gottes angebrochen sei, aufrecht erhält. Denn wenn die Menschen nach diesem Gebot leben, Gott über alles zu lieben und den Nächsten wie sich selbst – dann bricht wirklich das Reich Gottes an. Mit Jesus von Nazareth ist dieser Anfang gemacht. Er ist wie kein anderer Mensch derjenige, der dieses Liebesgebot gelebt hat und dafür gestorben ist.

Das Evangelium lässt offen, ob der Fragesteller zufrieden ist mit der Antwort Jesu. Ob er versteht, dass Jesus die Frage beantwortet, nicht im Sinne der Richtigkeit, wofür es dann die Note 1 gibt, sondern dass er sie beantwortet mit seinem Leben, seiner ganzen Existenz. In ihm ist das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten erfüllt.

Damit gibt doch der Evangelist die Frage an uns weiter: Was meint ihr, was meinst Du dazu? Welches ist das größte Gebot? Kann man Gottes- und Nächstenliebe auseinanderdividieren? So wie die Juden damals Jesus gefragt haben nach dem Vorrang, so sind doch auch wir in der Gefahr, dieses Doppelgebot zu trennen.

Wie oft hört man von engagierten Christen, dass vor lauter Einsatz für die Menschen keine Zeit mehr für Gott, für Gottesdienstfeiern und Gebet bleibt. Andrerseits hören wir oft den Vorwurf: Schaut sie an die Katholiken: Sonntags springen sie in die Kirche,  im Alltag spielt Gott keine Rolle.

Wie ist Jesus mit dieser Gefahr umgegangen? Er weiß darum und kannte die Tora, in der das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe an unterschiedlicher Stelle aufgeführt werden. (Deuteronomiem 6,5 und Levitikus 19,18) Jesus setzt sich über die Enge der Fragestellung hinweg, indem er eine Doppelantwort gibt (Wieder ist er – wie schon am  letzten Sonntag mit der Steuermünze nicht in die Falle des Entweder-Oder / Gott oder Kaiser gegangen.)

Das inhaltlich Neue ist, dass Jesus beide bestehenden Gebote, das der Gottes- und das der Nächstenliebe, direkt miteinander verknüpft, sie als gleich wichtig nebeneinander stellt (freilich ohne dass eins das andere ersetzen kann) und alle anderen Bestimmungen diesem Doppelgebot unterordnet.

Wenn dem so ist, dann kann eine Heilung am Sabbat ebenso wenig als Verstoß gegen das Gesetz interpretiert werden wie der unbefangene Umgang und das Mahlhalten mit Außenseitern. Die rechte Gottesliebe misst sich nach Jesu Verständnis nicht am verbal geäußerten Glauben des Einzelnen, sondern an dessen von Herzen gelebten Nächstenliebe.

Jesus führt beide Gebote zusammen und schärft ein, dass beide gleich wichtig sind. Ohne Liebe zu Gott keine Liebe zu den Menschen, und ohne Liebe zu den Menschen keine Gottesliebe! Liebe ist nur „im Doppelpack“ zu haben, wen ich das so salopp formulieren darf.

Wie kann Jesus das?  Was befähigt ihn diese Einheit zu leben? Der Grund liegt in der Selbstliebe Jesu. Das mag seltsam klingen. Aber das Doppelgebot hat ja noch den Zusatz: du sollst Gott und den Nächsten lieben, wie dich selbst. Wie aber kann man sich selbst lieben ohne egoistisch zu sein? Die Annahme seiner selbst sei das A und O eines glücklichen Menschen, sagen uns Psychologen. Doch wer sagt mir, dass ich liebenswert bin?

„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt, sagt Jesus im Johannesevangelium.“ (15,9) Jesus weiß sich von seinem Vater von Ewigkeit her so geliebt, dass er sich selbst selbstlos lieben kann. Um Selbstliebe zu lernen, die kein Egoismus ist, müssen wir in die Schule Jesu gehen.

Das ist auch die beste Schule für unsere Sendung zu den Menschen, für die Mission, um noch kurz auf den Missionssonntag einzugehen. Mission hat man oft so verstanden, dass der Christ den Ungläubigen oder Andersgläubigen die rechte Lehre bringen muss. Das ist ja auch richtig. Doch wenn es nur bei der rechten Lehre bleibt, wird es falsch. Wenn wir bei Jesus in die Schule gehen, dann besteht die Mission zuallererst darin, Menschen dazu verhelfen, in sich zu entdecken, dass sie von Gott geliebt sind. Das werden sie am ehesten können, wenn wir, die Christen Zeugnis geben von unserer Erfahrung mit Jesus. In dem Maße wie wir von ihm gelernt haben, sich selbst, den Nächsten und Gott zu lieben, werden die Menschen auf unser Zeugnis aufmerksam. Mission ist Zeugnis geben von der Liebe zu Gott, der Liebe zum Nächsten, der Liebe zu sich selbst, dann bricht das Reich Gottes an jetzt und hier und weltweit.

Amen

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