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Predigt zum 5. Fastensonntag, Misereor Sonntag

25.03.12 00:00
Johannes 12,27
nach Bischof Dr. Karl Heinz Wiesemann, Speyer

„Jetzt ist meine Seele erschüttert, was soll ich sagen?“

Liebe Schwestern und Brüder! Mit diesen ergreifenden Worten führt uns Jesus in die Stunde seiner Entscheidung. Es ist seine letzte öffentliche Rede und Jesus weiß, dass er wie ein Weizenkorn sein Leben hingeben muss, damit es Frucht bringt für die Menschen. Jesus ist erschüttert. Und in der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief hörten wir gar: „Er hat mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte.“ So habe er Gehorsam lernen müssen. Gehorsam lernen heißt nicht, sich ins Schicksal ergeben. Vielmehr ist damit gemeint, auf Gott und seinen  Willen hören lernen. Je mehr ein Mensch dies tut, desto mehr wird er erschüttert sein, wenn er mit unverfälschten Blick auf die Welt schaut. Auch wir sind immer wieder erschüttert, wenn uns Nachrichten und Bilder vom Leid so vieler Menschen auf unserer Erde erreichen und die Ungerechtigkeit himmelschreiend wird. So führt es uns MISEREOR auch in dieser Fastenzeit vor Augen: etwa in den Megacitys unserer einen Welt, in denen unvorstellbarer Reichtum und unvorstellbare Armut unmittelbar beieinander liegen. Hier finden wir spiegelverglaste Wolkenkratzer und riesige, mit Stacheldraht abgeschirmte Anwesen und direkt daneben winzige Bretterverschläge dicht aneinandergereiht, ohne Strom- und Wasseranschluss. Kein Platz für die Intimsphäre, im ganzen Viertel Gestank, ein Überlebenskampf um das tägliche Brot. Auf der einen Seite herrscht Überfluss, auf der anderen können Kinder und Jugendlich noch nicht einmal eine Grundschulausbildung absolvieren, müssen körperlich hart Arbeit verrichten und haben damit kaum eine Chance, diesem Teufelskreis zu entrinnen.

 

„Jetzt ist meine Seele erschüttert, was soll ich sagen?“ Und was sind die Folgen?

Manchmal scheint angesichts der verheerenden Tatsachen und der Ohnmacht, die wir spüren, nur das Schweigen zu bleiben. Und vielleicht ist es zuweilen auch gut zu schweigen, um nicht vorschnell Antworten zu geben, die nicht tragen; und so einfach die Erschütterung Jesu angesichts der heutigen Welt zu teilen – und er ist ja der gegenwärtige Herr, er ist heute erschüttert.

Aber Jesus Christus – weiß auch er nicht mehr zu sagen? Seine Antwort lautet: „Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt. Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Eigenartig, Jesus weiß, dass die gegen ihn gerichtete Verschwörung sich hinter seinem Rücken zusammenbebraut hat. Er weiß, dass sein Erhöhung seine Kreuzigung sein wird. Er weiß, dann wird seine Lebensbotschaft vom Anbruch des Reiches Gottes öffentlich verspottet. „Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“ und doch spricht er davon, dass gerade in dieser Stunde das Gericht über die Welt ergeht und eine neue Ordnung anbricht, in der die Liebe sich letztlich durchsetzt. Die Ohnmacht der Liebe am Kreuz offenbart schonungslos die Grausamkeit und Ungerechtigkeit der Mächtigen.

 

„Jetzt ist meine Seele erschüttert, was soll ich sagen?“ Wir sind getauft auf Tod und Auferstehung Jesu Christi, einverleibt in die Macht seiner Liebe, die die Welt von innen her verändern kann. So sind wir auch ein Teil der Stimme Gottes in dieser Welt, die etwas zu sagen hat und nicht nur erschüttert schweigen darf. Diese Stimme Gottes wird konkret in der Option für die Armen, wie sie Johannes Paul II. klar formuliert hat. In der Kirche gibt es keine Gleichgültigkeit für das Geschick des Nächsten. In der Nachfolge Jesu sind wir aufgerufen, uns der Benachteiligten und Schwachen in besonderer Weise anzunehmen, hier bei uns in unserer westlichen Heimat, aber genau so auch global in den Südkontinenten, Afrika, Asien und Lateinamerika.

 

Und wie können wir unsere Stimme erheben und unseren Einsatz sichtbar machen? Da steht an erster Stelle, dass wir uns einbinden lassen in die große Solidargemeinschaft der Kirche. Was für eine Kraft kann in diesem Bewusstsein das Gebet füreinander, die Verbundenheit in dem einen Glauben und der daraus wachsenden Hoffnung entfalten! Was für eine Würde kann es uns gegenseitig schenken, wenn wir unsere Gaben austauschen: wenn wir in unserer spirituellen Armut von der Glaubensfreude derer, die nur wenig besitzen, weltkirchlich lernen und inspirieren lassen von ihrem Lebensmut – und wenn wir nicht zuletzt durch eine großzügige Spende für MISEREOR ein Hoffnungszeichen für so viele im Schatten dieser Welt setzen. Wir können und müssen aber auch unsere politische Stimme erheben für mehr Gerechtigkeit, damit nachhaltige, auf den Menschenwürde basierende Strukturen verwirklicht werden. Dazu müssen wir wohl auch unseren Lebensstil in Frage stellen und ändern.

„Jetzt bin ich erschüttert, was soll ich sagen.“ Jesus weist uns den Weg zum Anbruch des Reiches Gottes schon mitten in unserer Zeit. MISEREOR ermutigt uns, mit Christus deutlich unsere Stimme zu erheben für alle auf der Schattenseite unserer Welt, deren Stimme nicht gehört wird.

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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