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3. Fastensonntag B - P. Singer SJ

11.03.12 00:00
Exodus 20,1-17, Johannesevangelium 2,13-25

Die Szene, die Jesus hier macht, passt gar nicht in unser oft allzu liebliches Jesusbild. Er rastet hier richtig aus, möchte man sagen. Um diese Reaktion oder Überreaktion zu verstehen, ist wichtig zu wissen, was für einen gläubigen Juden der Tempel bedeutete: Er ist der Ort der Gottesbegegnung – in Erinnerung an das Stiftszelt, das auf der Wüstenwanderung Gottes Gegenwart mitten im Volk darstellte. Jesu handgreifliche Aktion richtet sich dagegen, dass am Ort der Gegenwart Gottes der Kommerz Überhand genommen hat. Der Tempel ist nicht mehr Ort der Begegnung mit Gott, sondern Zentrale für Ökonomie und Verwaltung. Jesus wallfahrtet zum Pessachfest nach Jerusalem, dem Fest der Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens und trifft nun diese geschäftige Treiben an. Vielleicht kann man sich nun eher vorstellen, warum er so heftig reagiert.

Doch die Geschichte geht weiter in dem Disput, der sich anschließt, offensichtlich mit den Tempelpriestern. Und im Laufe dieser Auseinandersetzung stellt sich heraus, dass der wahre Ort der Begegnung Gottes, nicht ein Haus aus Stein, sondern der Mensch Jesus selbst ist. „Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“ Damit sind Tempel und Kirchen nicht nebensächlich und unwichtig geworden, sonst hätte sich ja Jesus nicht aufregen müssen.

Nein, diese eindrucksvolle Szene stellt auch uns in Frage: Was und wo ist für uns der Ort der Gottesbegegnung?. Die Existenz des Tempels begleitet von Anfang an die Auseinandersetzung darum, wie der Tempel ein Zeichen für Gott sein kann und wo er das nicht ist. Jesu Auftritt zeigt die Spannung, weil der Ort des Tempels – wie auch die Kirche zu allen Zeiten – immer auch ein Ort mit weltlichen, ja wirtschaftlichen Interessen ist, - aber zugleich auch ein Ort für Gott sein soll.

Es liegt doch nahe, dass wir uns auch einmal in unserem prächtigen Gotteshaus, dem Dom, dieser Frage stellen.

DazueinemittelalterlicheGeschichte:BeimBaudesFreiburgerMünsters,soerzähltmansich,kommteinFremderandieriesigeBaustelleundfragteinenSteinmetz,:"Entschuldige,Meister,wasmachstDuda?"Derantwortetmissmutig,ohneinnezuhalten:"Waswerdeichwohltun?IchklopfeSteine!"DerWandererfragteinigeMeterweiterdennächstenArbeiter:"Darfichfragen,wasSiedatun?"Derhältkurzinneundantwortet: „Ichmussschuften,ummeineFamiliezuernähren.“ DerFremdegehtwiedereinpaarSchritteaufeinenanderenArbeiterzuundfragtnocheinmal,waserhiertue:DerGefragtehältkurzinneundsagt:-unddabeileuchtenseineAugen:"IchbaueeineKathedrale!"

IchmöchteeinenVergleichwagenunddasaufunserenDomanwenden:AufdieFrage:WasmachstDuda?würdevielleichtderfürdenFremdenverkehrVerantwortlichesagen:EsistmeinGeschäft,denDomvorteilhaftzuvermarkten.EinkulturbeflissenerBesucherantwortet:IchgenießedieKunstunddieMusik.Vielleichtgibtesauchjemand,dersagt:IchfindehiereinenOrt,wodieArchitekturetwasvonderGrößeGottesahnenlässt,woGlaubeundVernunftharmonierenundmichzumStaunenundAnbetenbringen....

Bewerten wir die Antworten nicht! Es ist sowohl das „Steineklopfen“, die Finanzierung, notwendig - als auch der Kunstgenuss nicht zu verachten. Wenn nur der letzte Sinn und Zweck des Domes gewahrt bleibt: Hier ist ein Ort der Gottesbegegnung, die letztlich nicht im Haus aus Steinen geschieht, sondern in der Feier des Gottesdienstes. Dafür sollte uns nichts zu schade und zu kostbar sein. Wir haben mit dem Dom ein einzigartiges Zeugnis des Glaubens, das es zu pflegen und bewahren gilt. Die Gefahr besteht, dass wir am Äußeren hängen bleiben und nicht mehr fragen: Wozu das Ganze?

Für Jesus stellt sich die Frage am Paschafest, bei der Erinnerung an Gottes große Tat der Befreiung aus der Sklaverei. Der Tempelbetrieb hatte diesen Ursprung verdunkelt, ja vergessen – der Betrieb lief weiter.

WerfenwirnocheinenBlickaufdieersteLesung,dennsieistmitdemEvangeliumverbundendadurch,dasssichGottderHerralsdereinführt,derdasVolkausderKnechtschaftherausgeführthat: „IchbinJahwe,deinGott,derdichausÄgyptengeführthat,ausdemSklavenhaus.“

Dieser Befreiungstat wurde am Paschafest im Tempel gedacht. Das ist die Brücke der beiden Lesungen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Die 10 Gebote kann man nur recht verstehen, wenn man sie als Antwort auf das befreiende Handeln Gottes an seinem Volk begreift. Nicht: „Du musst!... du sollst!“ steht an erster Stelle, sondern: Ich habe dich gerettet, Du kannst, Du wirst... keine Götter anbeten, nicht stehlen und morden, Vater und Mutter ehren. Warum? weil diese Lebensweise Dir und meinem Bund mit dir entspricht. Das ist etwas ganz anderes als wenn der Mensch nur pflichtgemäß moralisch lebt und die Gebote als auferlegt empfindet. Wer sich von Gott geliebt und befreit weiß, der kann gar nicht anders als selber dafür zu sorgen, dass der Mensch nicht neu in Unfreiheit fällt.

Die 10 Gebote wurden oft nur noch als Vorschriften und moralische Forderungen gesehen wurden, etwas von außen Auferlegtes. Jesus sagt dazu: „Trefflich hat Jesaia geweissagt: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.“

So sind die Gebote genauso wie der Tempelkult äußerlicher Leerlauf, wenn die Gebote und wenn der Tempel Herz und Sinn verloren haben, der darin bestünde, Ort der Gottesbegegnung, des Gebets zu sein.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir gehen auf Ostern zu. Die Lesungen und Evangelien, die Feier der Liturgie dieser Fastensonntage können uns helfen, wieder neu den Ursprung und Grund der Gebote, der Kirchenbauten, der Liturgie zu entdecken. Nicht der Buchstabe der Gebote, nicht das Kirchengebäude stellen in letzter Weise die Gegenwart Gottes dar. Sie sind nur Hilfsmittel, uns zur wahren Gottesbegegnung hinzuführen, die uns Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung eröffnet hat.

Amen

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!