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23. Sonntag im Jahreskreis, Matthäus 18,15-20, P. Wolfgang Bauer SJ

06.09.14 00:00
Die Anweisungen Jesu im heutigen Evangelium zeigen, dass Jesus nichts davon hält, Schuld und auftretende Meinungsverschiedenheiten unter den Teppich zu kehren oder den Mantel der christlichen Barmherzigkeit darüber zu decken. In der Hilflosigkeit, in der sich offensichtlich auch schon die Urgemeinde befand, sind Jesu Ratschläge hilfreich, zeigen einen humanen Weg auf.

23.Sonntag im Jahreskreis A St.Blasien 2014

Evangelium: Mt 18,15-20

Liebe Gemeinde,

wenn Kinder untereinander in Streit geraten, dann sagen wir, das gehört dazu. Einmischen soll man sich da nicht als Erwachsener, wohl aber darauf hinwirken, dass der Streit friedlich verläuft, es zu keinen Handgreiflichkeiten kommt.

Doch welche Vorbilder der Konfliktbewältigung, wenn einer am andern schuldig geworden ist, bieten wir Erwachsene?  Gerade in unseren Tagen  wird die Unfähigkeit, Konflikte friedlich zu lösen, auf nationaler  und internationaler Ebene uns erschreckend vor Augen geführt. Und jeder von uns kennt es aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, in der Ehe, im Betrieb, mit unseren Freunden Konflikte befriedigend zu lösen, so zu lösen, dass sich keiner gedemütigt fühlt und  am Ende ein versöhnter Neubeginn der Beziehungen möglich ist.

Wir haben große Schwierigkeiten, mit der eigenen und fremden Schuld umzugehen, am liebsten gingen wir der Konfrontation mit uns und anderen aus dem Weg.

Die Anweisungen Jesu im heutigen Evangelium zeigen, dass Jesus nichts davon hält, Schuld und auftretende Meinungsverschiedenheiten unter den Teppich zu kehren oder den Mantel der christlichen Barmherzigkeit darüber zu decken. In der Hilflosigkeit, in der sich offensichtlich auch schon die Urgemeinde befand, sind Jesu Ratschläge hilfreich, zeigen einen humanen Weg auf.

„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter 4 Augen zurecht!“ In diese und die folgenden Anweisungen  sind  wohl eine Menge menschlicher Erfahrungen eingegangen.

„Geh zu ihm hin“, hab den  Mut, den ersten Schritt zu machen, warte nicht ab, bis der andere zu dir kommt und vor allem , sprich zuerst mit ihm unter 4 Augen. Das erspart ihm, vor anderen gedemütigt zu werden, in seiner Umgebung in ein schlechtes Licht zu geraten. Wer die Fehler eines andern ohne Not weitersagt, sündigt, so stand es im Beichtspiegel und das mit gutem Grund. Allerdings spricht  die weitere Anweisung, nimm noch ein oder 2 Zeugen mit, wenn das 4 Augengespräch nicht zum Erfolg geführt hat, die Erfahrung  an, dass Außenstehende in einem Konflikt eine Sache objektiver sehen als die zwei, die subjektiv verwoben sind und so zu einer sachlichen Sicht verhelfen können.

Erst wenn diese Mittel ausgeschöpft sind, soll die Gemeinschaft einbezogen werden, die christliche Gemeinde, weil ja letztlich die Sünde des einen auch einen Gemeinschaftsbezug hat und die Atmosphäre vergiftet.

Bisher  sind alle Schritte geeignet, Versöhnung mit dem Schuldigen her- beizuführen, umso überraschend er ist die harte Konsequenz: wenn das alles nichts nützt, , dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner, also ausgeschlossen aus der christlichen Gemeinde.

Diese Bemerkung im heutigen Evangelium ist aber nicht als Aufruf zur Unbarmherzigkeit zu betrachten, sondern der Hinweis darauf, dass jede Versöhnung und Umkehr auf der Freiheit des Menschen beruht und nicht herbeigezwungen werden kann und es ist ein Hinweis auf den Ernst unserer Verpflichtung, Schuld einzugestehen, Schaden wieder gut zu machen und Schritte zur Versöhnung zu tun.. Mich erinnert das an die Rede im NT vom ewigen Feuer, auch dieses Bild will uns nicht die Existenz der Hölle beweisen, sondern uns den Ernst der Entscheidung vor  Augen führen und  an die Möglichkeit erinnern, dass wir in unserer Freiheit auch das Leben verfehlen können.

Liebe Schwestern und Brüder,

aber soll  der Ausschluss des Sünders, wenn alle Versöhnungsbemühungen gescheitert sind,  das letzte Wort sein? Und was ist an den Schritten, die Jesus anempfiehlt zur Versöhnung speziell christlich? Aus diesen Schritten spricht doch lediglich menschliche Erfahrung und Klugheit.

Das speziell Christliche lässt sich ermessen an dem Gleichniswort Jesu, das unserer Evangelienstelle vorausgeht und aus der Antwort, die Jesus im Anschluss an unser Evangelium gibt auf die Frage des Petrus: wie oft muss ich meinem Bruder vergeben.

Es ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf, mit dem Jesus ausdrückt, dass die Sorge des Christen vor allem  dem zu gelten hat, der sich verlaufen hat, ins Abseits geraten ist, sich von der Herde getrennt hat. Ja, die Sorge nimmt es sogar in kauf,  die 99 anderen zurückzulassen, um das eine Schaf  zu suchen und das Motiv ist, dass der himmlische Vater nicht will, dass einer verlorengeht.

Und Petrus wills natürlich wieder genau wissen, wie oft ich meine Bemühungen um einen Bruder, der sich verfehlt hat, fortsetzen muss, wie oft ich ihm vergeben muss. Siebenmal hielt Petrus für angemessen und meint damit, sicher sehr  großzügig zu sein. Doch die Antwort Jesu belehrt ihn eines Besseren. Nicht sieben Mal, sondern siebenmal siebzigmal: immer wieder, ohne nachzulassen, die geforderte Vergebungsbereitschaft kennt keinen Endpunkt.

Ja, wir haben Maß zu nehmen an der Verzeihungsbereitschaft Gottes, an seiner Barmherzigkeit, die keine Grenzen kennt. Weil Gott uns vergibt, die wir ja  immer wieder uns verfehlen, deswegen sollen auch wir der Vergebung keine Grenzen setzen.

Bitten wir Gott um die Kraft der Vergebung, denn leicht fällt uns Menschen dies nicht.  Amen

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Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
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