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Mariä Himmelfahrt, P. Wolgang Bauer SJ

15.08.14 00:00
Papst Benedikt XVI hat das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel das Fest des Leibes genannt. Der Akzent liegt also darauf, daß nicht nur die Seele Marias sondern auch ihr Leib bei Gott seine Vollendung gefunden hat. Und dies gilt nicht nur für Maria, sondern das ist auch uns verheißen und deshalb glauben und hoffen auch wir, als ganze Menschen, mit Leib und Seele Heil und Vollendung zu finden bei Gott.

Liebe Schwestern und Brüder,

kein geringerer als Papst Benedikt XVI hat das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel das Fest des Leibes genannt.

Der Akzent liegt also darauf, daß nicht nur die Seele Marias sondern auch ihr Leib bei Gott seine Vollendung gefunden hat. Und dies gilt nicht nur für Maria, sondern das ist auch uns verheißen und deshalb glauben und hoffen auch wir, als ganze Menschen, mit Leib und Seele Heil und Vollendung zu finden bei Gott.

Liebe Schwestern und Brüder, das müssen wir uns erstmal sagen lassen, daß auch unser Leib bei Gott sein wird! Bis heute vermittelt doch die Kirche eher den Eindruck, als müßten wir uns für unseren Leib ent­schuldigen, als seien unsere körperlichen Bedürfnisse, unsere Sexualität, unsere Gefühle von minderer Qualität, mehr Gelegenheit zu sündigen als uns zu vervollkommnen. Sie vermittelte und vermittelt vielleicht bis heute, daß das, was den Menschen eigentlich auszeichnet, an ihm bewahrenswürdig ist,­­ Seele und Geist seien.

Zulange hat nachgewirkt - ich meine bis heute - die griechische Welt, die meinte, daß der Körper das Grab der Seele sei und es unsere Aufgabe wäre, uns schrittweise vom Leib zu verabschieden durch Aszese, durch Unterdrückung der körperlichen Bedürfnisse, um so geistigen Höhen entgegenstreben zu können, um so zur himmlischen Heimat zu gelangen.

Liebe Gemeinde,

Wenn auch die Leibfeindlichkeit durch verschiedene Kanäle in unsere Glaubensverkündigung eingedrungen ist: gewiß ist, das Fest heute bestätigt es: Leibfeindlichkeit in jeder Form ist etwas zutiefst Un­christliches!

Hat nicht Jesus Fleisch, unseren Leib angenommen und ist Mensch geworden mit Fleisch und Blut? Und er hat sich wahrlich nicht nur in den Leib verirrt, um bei der Auferstehung sich siegreich von ihm zu verabschieden: Seine Menschwerdung hat unmißverständlich und unwiederruflich unseren Leib geheiligt.

Hatte er nicht die körperlichen Bedürfnisse der Menschen immer im Blick: bei der Hochzeit von Kanaa, den Speisungen, den vielen Krankenheilungen, hat er uns nicht in der Eucharistie Fleisc­h und Blut geschenkt als unsere Nah­rung? Für ihn gab es keine Seelsorge ohne Leibsorge, dem ganzen Men­schen dachte er Heil zu, nicht nur der Seele oder dem Geist.

Und dies meint der Theologe Ratzinger, wenn er vom heutigen Fest als einem Fest des Leibes spricht.

Doch wie sollen wir uns das vorstellen, die leibliche Aufnahme in den Himmel, die sich wie gesagt ja nicht nur an Maria vollzogen hat, sondern die auch uns verheißen ist, das ist unsere Schwierigkeit, da haben wir Not, das zu glauben, weil diese Botschaft unseren Vorstellungs-und Erfahrungsrahmen übersteigt. Weil sich der Mensch das eben nicht vorstellen kann, aber ohne Vorstellungen auch nicht denken und darüber reden kann, hat er sich in der Tradition Bilder ausgemalt, die wir zT nicht mehr nachvollziehen können, zB daß sich im Tod die Seele vom Körper trennt, der Leib wird bestattet und beim Letzten Gericht wird der verweste Leib wiederhergestellt und mit der Seele verbunden.

Dies hätte sich bei Maria gleich nach oder im Tode vollzogen, worauf der "normale Christ" bis zum letzten Gericht warten muß! Deshalb hat auch die fromme Legende das Grab Mariens leer gezeigt und es mit Rosen gefüllt!

Die Vorstellung, daß Gott am Jüngsten Tag die Verwesung des Leibes rückgängig machen wird und den wiederhergestellten Leib mit der Seele verbindet, ist nicht nachvollziebar, es sperrt sich etwas in uns, so zu denken. Aber wie dann sollen wir uns vorstellen, daran glauben, daß wir wie Maria mit Leib und Seele auferstehen werden, mit Leib und Seele erlöst sind zum ewigen Leben?

Nein, liebe Gemeinde, vorstellen können wir es uns wirklich nicht. Was wir tun können, ist, aus der Heiligen Schrift herauszulesen, was Gott an uns liebt und was Jesus erlöst hat und was deshalb von uns Bestand haben wird:

da heißt es:

-was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan, diese unsere Taten gehören zu uns und haben Bestand.

-die Menschen, mit denen wir in Liebe verbunden waren, gehören zu  uns, denn durch diese Liebe zueinander bleiben wir in Gottes Liebe, die ewig ist.

-auch die menschlichen Schwächen, Sünden, unsere Lebensgeschichte gehören zu uns: sie müssen geläutert und gereinigt werden in der Begegnung mit dem liebenden Gott wie das Gold im Feuer geläutert wird, denn was ihr dem Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan. Es ist unzweifelhafte Botschaft Jesu, daß wir uns vor Gott verantworten müssen für unsere Taten und Unterlassungen.

-unser Glaube, unsere Hoffnung, unser innerstes Fühlen und Trachten gehört zu uns. Was bleibt, sind Glaube Hoffnung und Liebe, diese drei schreibt Paulus im Brief an die Korinther.

Dies alles ist der Leib, das ist der Mensch, der mit Leib und Seele erlöst ist, von Gott geliebt ist und auferstehen wird. Ja Gott liebt uns mit unserer Geschichte, unseren Erfahrungen, unseren Beziehungen, ja er liebt dies mehr als die Atome unseres verweslichen Leibes.

Wenn wir das der Schrift folgend so sehen und glauben können, bleibt doch die Frage am heutigen Tag: was unterscheidet die Aufnahme Mariens in den Himmel, der Inhalt des heutigen Festgeheimnisses von unserer eigenen Vollendung mit Leib und Seele?

Das Leben Marias war mit Gottes Gnade so lauter, so von Hingabe und Glaube erfüllt, daß sie ohne Reue und Sch­merz dem liebenden Gott begegnen konnte, wir aber in dieser Begegnung unserer Unfähig­keit, Schuld, Lieblosigkeit schmerz­haft bewußt werden und geläutert werden müssen in die Liebe Gottes hinein.

So ist das Fest heute für uns Anlaß, unser Leben zu bedenken, es neu in Bewegung zu setzen, damit wir in die Liebe Gottes hineinwachsen hier und jetzt schon, immer mehr, weil nichts was wir tun oder lassen unwesentlich ist vor Gott. Amen.

Gottesdienste

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Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
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