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28. Sonntag im Jahreskreis A, Jesaia 25,6-10a, Mt 22,1-14, Josef Singer

12.10.14 00:00
Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl ist eine massive Warnung, die Einladung zum Festmahl und das hochzeitliche Taufgewand zu verscherzen.

Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl

Ein „schrecklich Evangelium“ hat schon der Reformator Martin Luther das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl genannt. Mit dem Gleichnis will Jesus provozieren und aufrütteln. So kann die angebliche Frohe Botschaft leicht als Drohbotschaft bei den Hörern ankommen. Wie anders soll man diese Geschichte vom König, der die Hochzeit seines Sohnes ausrichtet, und auf das Ausbleiben der Gäste mit maßloser Gewalt antwortet, verstehen?

Allzuleicht empört, überhört man die Frohe Botschaft, dass Gott es ist, der zum Mahl lädt, er will Gemeinschaft, er will mit den Menschen ein Fest feiern. Dazu lädt er ein. Dieses Fest beschreibt die erste Lesung aus dem Buch Jesaia mit überschwänglichen Bildern: An jenem Tag wird der Herr der Heere für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit besten erlesenen Weinen. Der Anlass des Festes wird genannt: Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr die Tränen ab wischt von jedem Gesicht.

Dieses Motiv des Festes greift das Evangelium auf, es beschreibt dieses Festmahl als Hochzeitsmahl: Ein König lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Gott ist der König und Jesus der Bräutigam Israels. Aber die Gäste, Gottes Heilsvolk, kommen nicht. Nochmals lädt er ein, alles ist bereitet, wieder ein Abfuhr.

Ja die Boten werden sogar getötet. Der Zorn des Königs ist verständlich, die Zerstörung der Stadt erscheint uns aber unangemessen, ja barbarisch. Die Hörer damals aber dachten wohl an die furchtbare Zerstörung Jerusalems durch die Römer.

Dann folgt das zweite Bild: Wieder lädt der König ein, diesmal Hinz und Kunz, Leute von der Straße. Das heißt im Sinn des Neuen Testamentes: Geladen sind nun auch Nicht-Juden, auch die Heiden sind zum Heil berufen. So verstanden sich denn auch viel Christen damals: als die von Gott Geliebten und zum Heil Bestimmten, die an die Stelle des Bundesvolkes getreten sind.

Doch dann entdeckt der König einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhat, stellt ihn zur Rede, und lässt ihn hinauswerfen. Nochmals eine unverständliche, in unseren Augen völlig überzogene Reaktion. Und die Frage wird nicht beantwortet: Wo hatten denn die anderen so schnell das hochzeitliche Gewand her?

Als dieses Evangelium in der Urgemeinde gepredigt wurde, wussten die ersten Christen, wie es zu verstehen sei. Die Erstberufenen waren das Volk Israel. Die religiösen Führer sind der Einladung Gottes, die durch Jesus erging, nicht gefolgt. Gott beruft ein weiteres Mal, und diese Zweitberufenen sind nicht weniger als die ersten zur Hochzeit geladen.

Und nun spricht das Gleichnis nicht mehr über die Weigerung der jüdischen Führer der Einladung zu folgen. Jetzt hat das Gleichnis die Urgemeinde selbst im Blick; es ist nicht die Fortsetzung des ersten Bildes, es ist ein neues Szenario. Und nun gewinnt das fehlende Hochzeitsgewand einen tieferen Sinn. Paulus führt uns im Römerbrief auf die Spur zum rechten Verständnis: Zieht als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an. (Römer 13.14) Nun haben auch die Zweitberufenen keine Entschuldigung mehr, dass sie sich so schnell nicht hätten umziehen können. Sie und wir alle haben das hochzeitliche Gewand angezogen. Der Priester legt dem Täufling das Taufkleid an mit den Worten: Dieses weiße Kleid soll dir ein Zeichen sein, dass du in der Taufe neu geschaffen worden bist und – wie die Schrift sagt – Christus  angezogen hast. Bewahre diese Würde für das Ewige Leben.

Es ist die Frage, ob wir uns auf das Hochzeitsmahl mit dem Herrn freuen, ob wir durch unser Leben diesem Gewand Ehre machen? Oder ob wir auch wie die Erstberufe fadenscheinige Entschuldigungen finden, um der Begegnung mit dem Herrn fernzubleiben. Denn es macht keinen Unterschied, ob wir als erste oder als zweite berufen sind. Wichtig ist allein, ob wir ein Leben führen, das sich des Hochzeitsgewandes würdig erweist.

Denn es kommt nicht darauf an, ob einer beschnitten oder unbeschnitten ist, sondern darauf, das er eine neue Schöpfung ist. (6,15) Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. (3,27-28) So Paulus im Galaterbrief. Immer wieder gebraucht der Apostel dieses Bild vom Anziehen eines Gewandes, das Ausdruck des Innern, der Gesinnung des Menschen ist. Kein hochzeitliches Gewand tragen, heißt dann eben, dass wir nicht als neue Menschen leben, sondern das Gewand abstreifen und der alte Mensch wieder zum Vorschein kommt, der nicht in die Hochzeitsgesellschaft passt. Darum müssen wir uns immer wieder um das hochzeitliche Gewand mühen. Was das - jenseits des Bildes - konkret heißt, sagt Paulus im Brief an die Kolosser: Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr. Vor allem aber liebt einander. (Kol 3,12-17) Letztlich ist die Liebe das hochzeitliche Gewand, das Gott gefällt, mit dem bekleidet das Hochzeitsfest gelingt.

Ein „schrecklich Evangelium“? Das Evangelium will uns einen heilsamen Schrecken einjagen, ja. Es ist eine massive Warnung, die Einladung zum Festmahl und das hochzeitliche Gewand zu verscherzen. Doch die frohe Botschaft ist, dass Gott - trotz allem - seine Einladung nicht zurücknimmt. Amen

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