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20. Sonntag im Jahreskreis A,Matthäus 15,21-28, P. Wolfgang Bauer SJ

17.08.14 00:00
Will der Evangelist Mattäus seiner Gemeinde nicht sagen: ihr habt Gott nicht für euch gepachtet, nein, seine Liebe geht über die Grenzen der christlichen Gemeinde hinaus, sie kommt allen Menschen guten Willens, die auf Gott vertrauen, zugute. Und vielleicht will er sogar sagen: manchmal könnt ihr von den Heiden noch etwas lernen.

Liebe Gemeinde,

  jedes Mal, wenn ich dieses Evangelium hör, befällt mich ein gewisses Unbehagen. Ich kann es ja verstehen, daß diese kanaanäische Frau mit ihrem Geschrei und ihrer Aufdringlichkeit den Jüngern auf die Nerven geht. Aber von Jesus hätte ich eine geduldigere, verständnisvollere Reaktion erwartet. Wie er mit dieser Frau umspringt ist nicht gerade die feine Art. Diese Frau will doch nichts anderes, als daß ihre Tochter wieder gesund wird. Abweisend sagt er ihr:" Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt, dh doch: mit dir hab ich nichts zu schaffen. Paßt das zu seiner Predigt von Nächstenliebe und Mitleid?

Die Frau läßt sich nicht abweisen, sie demütigt sich, wirft sich ihm zu Füßen und ruft: "Herr, hilf mir!" Die Antwort Jesu muß für die Frau niederschmetternd gewesen sein: es ist nicht Recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hündlein vorzuwerfen, dh heißt doch, Du als Heidin hast kein Recht auf meine Hilfe.Für dich bin ich nicht zuständig.

 Versetzen wir uns in diese Frau: die Abweisung, dazu noch von einem Propheten, auf den sie die ganze und einzige Hoffnung gesetzt hat, muß wie ein Keulenschlag wirken. Ich kann mir vorstellen, daß da mancher von uns zornig aufgesprungen wäre und Jesus ins Gesicht geschrieen hätte: " Ich will die Hilfe von Deinem Gott nicht mehr, deine Rede vom barmherzigen Gott ist reines Geschwafel. Und sollte es einen barmherzigen Gott geben, bist du auf jeden Fall nicht sein Sohn."

Vielleicht brächte auch mancher die Kraft zu einem Zornesausbruch gar nicht mehr auf, sondern würde sich in seine Ecke verkriechen und alle Hoffnung auf Rettunmg begraben. Die Erfah­rung: mein Gott ist für dich nicht da, du hast kein Recht auf ihn, kann einen Menschen töten. Da bleibt ja keine Hoffnung mehr und was ist ein Leben ohne Hoffnung?

 Die Frau reagiert anders, sie sagt: "Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die von den Tischen ihrer Herren fallen." Sie will damit sagen: ich weiß, daß ich nicht zu den Auserwählten gehöre, keine Jüdin bin und kein Recht auf die Hilfe des Gottes Israels habe. Aber ich weiß, daß Gottes Liebe und Erbarmen so groß ist, daß auch für die noch etwas abfällt, die in euren Augen gottlos sind, weil sie nicht zum Volk Gottes gehören. Sie kann sich nicht vorstellen, daß Gottes Liebe so klein ist, daß er sie von unserer Geburtsurkunde und Religionszugehörigkeit abhängig macht. Nein, Gottes Güte ist nicht in solche Grenzen einzuzwängen.

 Jesus spürt, daß diese Frau, eine Heidin, ein grenzenloses Vertrauen zu ihm und seinem Vater hat. Erschüttert sagt er: "Frau, Dein Glaube ist groß." (Erinnern wir uns an das Evangelium vom Seesturm, wo Petrus nicht dieses Vertrauen aufbrachte und er seinen Fels, den Petrus, als Kleingläubigen tadeln mußte). Keinem seiner Jünger, keinem Gesetzeslehrer hat Jesus je so ein Zeugnis ausgestellt.

Und diese Frau bekommt in ihrem grenzenlosen, unerschütterlichen Vertrauen, das was sie sucht. Gott bekennt sich zu ihr... Sie wollte nur einen kleinen Brocken von der Liebe Gottes abbekommen und bekommt doch viel mehr. Sie erfährt, daß sie und ihre Tochter das Leben neu erhalten.

Will der Evangelist Mattäus seiner Gemeinde nicht sagen: ihr habt Gott nicht für euch gepachtet, nein, seine Liebe geht über die Grenzen der christlichen Gemeinde hinaus, sie kommt allen Menschen guten Willens, die auf Gott vertrauen, zugute. Und vielleicht will er sogar sagen: manchmal könnt ihr von den Heiden noch etwas lernen.

Doch diese Begebenheit hat für uns auch etwas Beunruhigendes in sich: Sie fragt nämlich auch nach meinem Glauben!

Ist er auch so groß oder wenigstens halb so groß wie das Vertrauen dieser Heidin?

Und die Frage wird noch drängender, wenn ich mir die Situation nochmals vor Augen führe: ist mein Glauben noch so groß, wenn ich gezwungen bin, in die Knie zu gehen, zu erfahren, daß nicht mein Wille geschieht, sondern Gott gegen meinen Willen an mir handelt trotz aller Bitten und Gebete? Bin ich dann noch bereit zu sagen: "Gott ich weiß, daß ich gar keinen Anspruch auf die Erfüllung meiner Bitten und Wünsche habe, auf deine Güte. Ich weiß, daß ich von dir nichts fordern kann. Aber ich vertraue dennoch, daß du mir so viel gibst, daß ich nicht zugrunde gehe. Ja, ist unser Glaube so groß?

Und diese Begebenzheit hat auch etwas Tröstliches an sich:

Sie sagt, wie bei Petrus im Seesturm, vertraue mir, glaube mir, ich laß dich nicht zugrunde gehen.

Beten wir um dieses Vertrauen, daß der Herr uns nie fallen läßt. Amen

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