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Predigt zum Ostersonntag. P. Josef Singer SJ

08.04.12 00:00
„Was Christen (noch) glauben“ - unter dieser Überschrift kann man jetzt an Ostern gelegentlich Umfrageergebnisse zu Glaubensfragen lesen. 60 % stimmen z.B. dem Satz zu „Mit dem Tod ist alles aus.“ - steigende Tendenz mit zunehmendem Alter. Was mich bei der Überschrift stört, ist das "noch" in Klammer.

Es ist geht nicht darum, was Christen glauben. Hätte man ja auch formulieren können, sondern was sie noch glauben. Das will sagen, es wird immer weniger, was Christen glauben, an was glauben sie überhaupt noch. Doch da liegt eben das Missverständnis, wir glauben nicht etwas und davon mehr oder weniger, sondern wir glauben an jemand. Und an jemand oder jemandem glauben kann man nur ganz oder gar nicht. Wir glauben an unseren Herrn Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, der den Jüngern erschien und unter uns gegenwärtig ist. Das ist nur als Gesamtpaket zu haben – wenn ich das so salopp ausdrücken darf, da gibt es nichts mehr oder weniger zu glauben, mit der Auferstehung Jesu steht und fällt der christliche Glaube.

Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt, wenn er an die Gemeinde von Korinth, wo eine Gruppe in der Gemeinde den Glauben an die Auferstehung leugnete, schreibt:

„Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann hat unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube wäre wertlos. Mit Recht könnte man uns dann vorwerfen, wir Apostel hätten Lügen über Gott verbreitet. Denn wir behaupten doch: Gott hat Christus auferweckt. Das kann ja gar nicht stimmen, wenn mit dem Tod alles aus ist.“ (1Kor 15,14)

Mit diesen Worten stellt Paulus ganz drastisch heraus, welcher Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu für die christliche Botschaft hat: Er ist ihr Fundament. Wenn man das wegnimmt, dann war Jesus ein großartiger Mensch von hoher moralischer Qualität, an dessen Lehre und Beispiel sich Menschen orientieren können. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Wir bleiben auf uns selbst gestellt, alleingelassen. Unser Urteil ist die letzte Instanz.

Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird Er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt, dann ist er auch beim Tod Jesu am Werk.

Insofern ist für unsere Suche nach der Gestalt Jesu die  Auferstehung der entscheidende Punkt.

Und ich möchte Papst Benedikt im 2. Band seines neuen Jesusbuches zitieren: Ob Jesus nur war oder ob er auch ist – das hängt an der Auferstehung. Im Ja oder Nein dazu geht es nicht um ein einzelnes Ereignis neben anderen, sondern um die Gestalt Jesu als solche.“ Und der Papst fährt fort: „Was ist da geschehen? Das war für die Zeugen, die dem Auferstandenen begegnet waren, nicht einfach zu sagen. Sie waren mit einem Ereignis konfrontiert, was es in der Welt vorher nicht gab. Sie waren von dem Geschehen überwältigt und mussten Zeugnis davon geben, hatten aber keine rechten Worte dafür.  Der Evangelist Markus erzählt, dass die Jünger beim Abstieg vom Berg der Verklärung mit dem Wort Jesu beschäftigt waren, „der Menschensohn werde von den Toten auferstehen“. Und sie fragten einander, was das sei: „von den Toten auferstehen“? In der Tat, was ist das eigentlich? Die Jünger wussten es nicht und mussten es erst aus der Begegnung mit dem Auferstandenen erlernen. Sie müssen gleichsam Worte und Vergleiche und Bilder suchen für diese ganz neue, ganz andere Erfahrung. Vielleicht wird von daher auch verständlich, warum die Ostererzählungen so unterschiedlich sind, wie wenig sie mit unserer Logik zu einem historischen Ganzen zusammengefügt werden können.

Wir sind jedenfalls mit den Jüngern und dem Papst in bester Gesellschaft, wenn wir uns eingestehen, dass wir viele Fragen an die Osterevangelien haben.

Jesus ist ja nicht in ein normales Menschenleben dieser Welt zurückgekehrt,  wie Lazarus und die anderen von Jesus auferweckten Toten, die dann doch eines natürlichen Todes starben. Er ist in ein anderes neues Leben hinausgetreten – in die Weite Gottes, und von da aus zeigt er sich den Seinen. Die Ostererzählungen beschreiben nicht einen äußeren Vorgang, sondern ein inneres, aber wirkliches Erleben der Beteiligten.

Und wir werden die Auferstehungsbotschaft nur dann verstehen, sie wird uns nur dann treffen und betreffen, wenn wir uns auf das jeweilige Osterevangelium einlassen; z.B. mit Hilfe des heutigen Evangeliums versuchen, wie Maria von Magdala dem Auferstandenen zu begegnen.

(Nebenbei: Oft sagen wir Jesus ist auferstanden und den Aposteln erschienen, als erstes erschien er einer Frau. Deswegen wird Maria Magdalena bei den Kirchenvätern auch Apostola Apostolorum genannt: die Apostelin der Apostel, denn nur sie konnte den Aposteln sagen: „Ich habe den Herrn gesehen.“)

Doch schauen wir näher zu:

Das leere Grab verstärkt bei Maria von Magdala erst einmal nur ihre Angst, Verwirrung und Trauer. Selbst die Engel können sie nicht aus diesen Gefühlen herausreißen. Allein Jesus selbst kann ihr helfen. Erst die zärtliche Ansprache Jesu, der Maria bei ihrem Namen nennt, beendet ihre Trauer. Maria erkennt ihn, als er sie mit ihrem Namen anspricht. Sie wendet sich ihm zu und nennt ihn Rabbuni, Meister. In diesem kurzen, ergreifenden Zwiegespräch können auch wir uns wiederfinden. Im Glauben können wir Jesus begegnen, wenn wir uns von ihm beim Namen gerufen wissen.

Die Reaktion des Glaubenden ist das, was Maria tut. Wir wenden uns Jesus zu und bekennen ihn als unseren Meister.

Es ist eine kurze Begegnung zwischen Maria von Magdala und dem Auferstandenen. In seiner Auferstehung hat Jesus den Tod durchbrochen, er ist da, er kommt zu uns, aber er ist in ganz neuer Weise gegenwärtig. Maria kann ihn nicht und soll ihn auch nicht festhalten.

Auch darin können wir uns wiederfinden. Wir dürfen Jesus begegnen. wir können ihn nicht festhalten, aber wir können von ihm ergriffen werden.

Wenn wir uns Ihm mit Hilfe der Osterevangelien so nähern, wie heute Maria von Magdala oder im Evangelium vom Ostermontag die Emmausjünger, dann können wir neu erfahren, dass der Auferstandene auch heute bei uns ist.

Das ist es, was Christen glauben, noch glauben und schon vor 2000 Jahren geglaubt haben, seit er auferstanden ist und bei uns bleibt – heute und jeden Tag bis zum Ende der Welt.     Amen

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