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23. Sonntag im Jahreskreis A, P. Josef Singer
Ezechiel 33,7-9, Römer 13,8-10, Matthäus 18,15-20

07.09.14 00:00
Menschen sind füreinander verantwortlich, insbesondere Menschen, die sich Christen nennen – das ist die Botschaft der drei Lesungen des heutigen Sonntags. Eine frohe Botschaft, denn ich selbst bin nicht allein für alle und alles verantwortlich, sondern ich werde von andern, die ihre Verantwortung mir gegenüber wahrnehmen, mitgetragen.

Menschen sind füreinander verantwortlich, insbesondere Menschen, die sich Christen nennen – das ist die Botschaft der drei Lesungen des heutigen Sonntags. Eine frohe Botschaft, denn ich selbst bin nicht allein für alle und alles verantwortlich, sondern ich werde von andern, die ihre Verantwortung mir gegenüber wahrnehmen, mitgetragen.

Menschen sind für einander verantwortlich – nicht allgemein jeder für alle Menschen, das wäre unübersehbar und unverbindlich. Die Verantwortung ist konkret. In der ersten Lesung sagt der Prophet Ezechiel: Das Wort des Herrn erging an mich.“ „Du Menschensohn, ich gebe dich dem Haus Israel als Wächter.“ Der Prophet ist für das Haus Israel da, dieses Volk muss er warnen, wenn es an der Zeit ist. Ich denke, den Sinn dieser Stelle nicht zu verfälschen, wenn man das auf die Christen, die Kirche, die Gemeinde anwendet.

Warnen, was könnte das konkret für uns, für mich bedeuten? Jedenfalls nicht gleichgültig sein, nicht zu sagen: Bin ich denn der Hüter meines Bruders, meiner Schwester? Wenn er oder sie in Gefahr ist, sich schwer zu verfehlen, ja dann bin ich es. Nicht so, dass ich wegen jeder Kleinigkeit am andern herummäkle, sondern so, dass es deutlich wird, ich sorge mich echt um den Bruder, um die Schwester.

 Den gleichen Gedanken der Verantwortung greift der Römerbrief auf: „Bleibt niemand etwas schuldig.“ Ein etwas anderer Aspekt von Verantwortung wird hier hervorgehoben. Wenn in der ersten Lesung die Verantwortung im Hinblick auf das Fehlverhalten des andern im Vordergrund steht, so kommt jetzt mein mögliches Fehlverhalten in den Blick. Das ist schon dann der Fall, wenn ich unterlasse, dem Andern Gutes zu tun. Die Forderung der Gerechtigkeit lautet: Jedem das Seine, keinem etwas schuldig bleiben. Das wäre schon eine ganze Menge – aber das Gesetz Jesu ist damit noch nicht erfüllt. Erst die Liebe ist die Erfüllung des neuen Gesetzes der Bergpredigt.

Ist das nicht eher eine Überforderung als eine frohe Botschaft? Nein, wenn man bedenkt, dass der Bruder, die Schwester ja auch mir so begegnen, dass auch für sie „nichts schuldig bleiben“ heißt: lieben – und zwar mich lieben.

Das Evangelium nimmt den Gedanken der 1. Lesung wieder auf. Wir Christen tragen Verantwortung füreinander: das Tun, das Fehlverhalten des andern darf uns nicht gleichgültig sein. Das gilt im persönlichen Bereich, das gilt für die Gemeinde als Gemeinschaft der Gläubigen. Der Abschnitt des heutigen Evangeliums spiegelt die Gemeindeordnung des Matthäusevangeliums wider. Auch im Leben der Jüngergemeinde gibt es Konflikte. Nicht dass es Konflikte gibt, ist das Problem, sondern wir man mit Konflikten umgeht – daran zeigt sich die Ausstrahlung des Evangeliums.

Matthäus kommt es darauf an, einen Menschen nicht bloßzustellen. Es gibt Situationen, in denen sich jemand verfehlt und die Gemeinde durch sein Verhalten belastet. Auch wenn es viele spüren, der Betreffende jedoch nicht, so soll er doch zuerst im Verborgenen angesprochen werden. Zuerst ist es das Einzelgespräch, dann das Gespräch mit einem oder einem weiteren Mitglied. Erst dann soll das Problem vor die ganze Gemeinde gebracht werden.

 Schnell spüren wir, wann und wie jemand sich verfehlt hat, aber schwer fällt es, den Betreffenden anzusprechen. Leicht ist es, über die Schwäche eines Menschen zu reden zu tuscheln, schwer fällt es, mit ihm darüber zu reden. Nur das, was im Angesicht des Betroffenen mit ruhigem Gewissen gesagt werden kann, das zählt. Und zuerst kommt es darauf an, so zu sprechen, dass nicht die Sensationsgier und die Neugier gestillt werden, sondern die Sorge um den anderen Menschen im Vordergrund steht.

Die Frage ist, gibt es diese Sorge füreinander auch heute noch in unseren Gemeinden, in unserer Gemeinde – und wie üben wir sie diskret aus? Eine Sache ist es, allgemein zu theoretisieren, wann denn nun der Fall gegeben sei, dass jemand ausgeschlossen, exkommuniziert wird – eine andere Sache ist es, Verantwortung füreinander konkret wahrzunehmen.

 Der Evangelist Matthäus bringt den ersten Christen sozusagen die erste Gemeindeordnung durch den Mund Jesu nahe. Es ist ein stufenweises Abmahnen: Zurechtweisung unter vier Augen, Hinzuziehung von Zeugen, schließlich wenn alles nichts fruchtet, Öffentlichkeit und Entscheidung der Gemeindeleitung auf Ausschluss.

Aber der Ausschluss ist nicht das Letzte. Am Ende steht das Gebet und die Bitte, die den schuldig gewordenen Menschen dem Wirken Gottes anvertraut.

Es klingt hart, wenn der Betreffende für die Gemeinde nach dem gescheiterten Verfahren wie ein „Heide oder ein Zöllner“ sein soll. Aber hat sich Jesus nicht gerade den Zöllnern zugewandt und ihnen Vergebung zugesprochen?

Das Evangelium malt nicht schwarz-weiß: Hier die Guten, die Elitechristen, die sich vorbildlich verhalten – dort die Schlechten, die sich ins Abseits stellen, die ja selbst schuld sind, wenn sie ausgeschlossen werden. Das Evangelium selbst stellt diese lupenreine Einteilung in Frage.

Nicht von ungefähr geht dem heutigen Evangelienabschnitt das Gleichnis vom verlorenen Schaf voraus, das es als Erstes zu suchen gilt, und unser Text geht nahtlos weiter mit der Frage des  Petrus, wie oft er dem sündigen Bruder vergeben müsse, und die Antwort Jesu ist: Siebenundsiebzigmal, also immer. So wird diese Gemeindeordnung mit dem Ausschluss als ultima ratio hineingestellt in die gesamte Botschaft Jesu, die lautet: Nicht Opfer oder Strafe will ich, sondern Barmherzigkeit.

Amen

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