Nachrichten

Sie sind hier: Startseite

Nachrichten

Karfreitag 2012 - P. K. Mertes SJ

06.04.12 00:00
Joh 11,51: Es ist besser, dass einer stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht

1

Das Johannesevangelium berichtet über der Todesbeschluss im Hohen Rat. Der Hohepriester Kajaphas steht auf, analysiert die Situation um den Tempelberg, die römische Besatzung, die Unruhe durch messianische Aufrührer, und zieht angesichts der sich abzeichnenden Eskalation die Konsequenz: “Es ist besser, dass einer stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht.” Das ist gut gerechnet. So rechnet ein kluger Politiker, der zwischen real existierenden Übeln abwägt, um schließlich das geringere Übel zu wählen. Macht und Ohnmacht des rechnenden Menschen. Er denkt die Opferlogik; sie ist zwingend.

Der Spruch des Kajaphas könnte das letzte Wort über den davon Betroffenen gewesen sein, wenn der Evangelist nicht Jahre später hinzugefügt hätte: “Das sagte er nicht aus sich selbst, sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, sagte er es aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das ganze Volk sterben werde.” (Joh 11,52) Irgendetwas scheint inzwischen passiert zu sein: Der Spruch entpuppt sich nachträglich als prophetisch. Gott dreht dem Hohepriester sozusagen das Wort im Mund herum. Kajaphas ist sich dessen nicht bewusst, dass er ein prophetisches Wort ausspricht – ein wahres Wort, ein letztes Wort, ein Wort Gottes. Das Wort Gottes im Mund des Kajaphas wird sich im Rückblick bewahrheiten, und zwar in einem anderen Sinne, als der Sprecher es intendierte. Damit zeigt sich Gottes Macht über Kajaphas. Er macht sich den Todesbeschluss zunutze, um bei gleichbleibendem Wortlaut seinen Sinn ins genaue Gegenteil zu verkehren. So wird Kajaphas von Gott verhöhnt; Gott macht ihn zur Puppe, die nach seiner Melodie tanzt: “Du meinst, dein Schluss sei zwingend – doch er ist es nicht. Du meinst, mächtig zu sein – aber du bist es nicht. Ich entziehe mich Deinen zwingenden Schlüssen und unterwerfe Dich meinem Kalkül. Ich nutze Deine vermeintliche Macht, um daran meine Macht zu zeigen. Du hältst Dich für deinen eigenen Herrn? Nein, Du bist es nicht, und je mehr du es denkst, um so mehr unterwerfe ich Dich. Und wenn Du das eines Tages merken wirst, dann wirst Du das himmlische Gelächter über Dich gleich mithören, das schon jetzt über Dich lacht.”

2

Zwischen dem Todesspruch des Kajaphas und der Erkenntnis seines geheimen Sinne liegen der Tod, sein „es istz vollbracht“, sein Aushauchjen des Geistes, die Krönung mit Dornen, seine Erhöhung, die für Johannes eigentlich Ostern mit dem Karfreitag zusammenfallen lässt: Gott bleibt nicht nur in der Weise, wie er in Jesus mit stirbt, Herr über den Tod. Er benutzt seinen Tod benutzt, um “das ganze Volk” zu retten.

Hier wird etwas deutlich von Gott: Gott rettet nicht nur aus den negativen Erfahrungen - er benutzt sie, um daraus etwas Positives zu machen. Er bedient sich der Sünde, um Heil zu schaffen. Er instrumentalisiert den Tod für seine Interessen. Er macht sich buchstäblich alles untertan – er durchkreuzt die Pläne der Menschen und arrangiert sie neu nach seinen eigenen Plänen.

Wie das geht, kann man an der Geschichte Jesu ablesen: Jesus wurde von Kajaphas geopfert, doch Gott macht dieses Opfer zu seinem Opfer; sein Tod wird Vollzug endgültiger, nicht mehr zurückzunehmender Hingabe. Die Gewalt gegen Jesus wird gegen ihren Willen zur Zeugin der Wahrheit – je mehr sie schreit “weg, weg mit ihm”, um so mehr stellt sie ihn in den Mittelpunkt; auf den Berg; auf den Thron; aus der Schmach Jesu wird seine Ehre. Die Angst Jesu wird zum Ort des totalen Vertrauens Jesu. Aus den Dornen wird eine Krone. Aus dem Hohn Anbetung. Aus den Wunden wird eine Quelle des Lebens, ein Zeichen der Identität. Aus dem Verrat seiner Jünger wird Vergebung, aus der Sünde die größere Nähe zum vergebenden Gottes. Aus dem Wasser des Todes wird ein Lebenstrank. Aus den Elementen unserer Not bastelt Gott ein wohnliches Haus. Aus den Leibern unserer Geschichte baut er einen Tempel.

3

Was ergibt sich daraus? Gott rettet nicht nur aus Not und Tod – er herrscht über Not und Tod, indem er sie für seine Interessen benutzt. Nichts geht verloren, alles wird verwandelt. So triumphiert Gott schon auf Golgota. Daraus ergibt sich eine Hoffnung. Es geht um mehr als darum, möglichst wenig Negatives im Leben zu erfahren. Wir wissen zwar nicht, wie, aber Gott wird auch bei uns alles, nicht nur einiges zum Guten wenden, mehr, als wir es jemals ausdenken können. Es macht deswegen Sinn, keine einzige Erfahrung aus unserem Leben wegzuschieben, insbesondere auch nicht die schweren Erfahrungen mit Trauer, Angst, Gewalt, Sünde und Tod. Vielmehr können wir mit Hoffnung eintreten in die schweren Stunden des Lebens, und uns darin in der Nachfolge des Gekreuzigten ganz Gott überlassen. Wir müssen das Schwere nicht leicht machen. Es ist erlaubt, Angst zu haben, schwach zu sein, zu zweifeln, Gott als den Verlassenden und Abwesenden zu erleben, Sinnlosigkeit Sinnlosigkeit zu nennen und Sünde als Sünde zu erkennen, statt sie vor sich selbst oder vor anderen zu verharmlosen. Es ist erlaubt, “negativ” zu sein, depressiv und untröstlich. Aus alledem macht Gott etwas. Wir erleben es schon jetzt, wenn wir in bestimmten Augenblicken unseres Leben in der Rückschau entdecken, dass Dinge sich in unserem Leben fügen, deren Zusammenhang wir nie intendiert haben und auch nicht erkennen konnten. Und dann sehen wir auch schon Gott am Werk. Leben mit Gott beginnt also schon vor dem Tod – im Tod wird dann auch der Tod zum Mittel in Gottes Hand, mit dem er Heil wirkt. Alles wird gut. Wir gehen den ganzen Weg des Lebens bis zum Ende, bis wir sagen können: „Es ist vollbracht.“ Gott wird es dann nehmen und zum Guten verwandeln.

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!