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11.09.2007 - BZ: Akustik im Dom

Nur für Spitzeninterpreten geeignet: die Akustik im Blasiusdom

11.09.07 00:00
Ein Blick auf das St. Blasier Gotteshaus aus musikalischer Sicht / Lohnendes Abenteuer für Musiker und Zuhörer / An keiner Stelle des Raumes klingt es gleich

ST. BLASIEN. Die Internationalen Domkonzerte verlängern in diesem Jahr den Kultursommer in St. Blasien. Was für ein Sommer, was für Konzerte! Und was für eine Akustik, die der St. Blasier Dom zu bieten hat! Unter Musikern und Machern wurde die Domakustik immer wieder heiß diskutiert. Während der Renovierung der Orgel wurde exakt unter dem Zenit der Kuppel musiziert. Nach der Lehre der Akustik der ideale Ort.

Ein Blick auf das St. Blasier Gotteshaus aus musikalischer Sicht / Lohnendes Abenteuer für Musiker und Zuhörer / An keiner Stelle des Raumes klingt es gleich

ST. BLASIEN. Die Internationalen Domkonzerte verlängern in diesem Jahr den Kultursommer in St. Blasien. Was für ein Sommer, was für Konzerte! Und was für eine Akustik, die der St. Blasier Dom zu bieten hat! Unter Musikern und Machern wurde die Domakustik immer wieder heiß diskutiert. Während der Renovierung der Orgel wurde exakt unter dem Zenit der Kuppel musiziert. Nach der Lehre der Akustik der ideale Ort.


Und dennoch: Optisch hat der Dom eine Kuppel, bautechnisch ist sie jedoch nicht so, wie sie der Akustiklehre entspricht. Auch Domfestspiel-Regisseur Wolfgang Endres stöhnte während der Proben zum Requiem: "Kann man das nicht ändern?" Die Dom-Akustik birgt ihre Tücken und ihre Schätze. Den Nachhall hört "laufen" , wer auf der Balustrade steht. Je näher man zur Mitte des Kuppelzenits rückt, desto stärker werden die nachhängenden Rückwürfe der Klänge. Damit entstehen Dissonanzen, die vom Komponisten so nicht gedacht waren, aber dem entsprechen, was unsere Zeitgenössischen sich in mühevoller Denkarbeit an Besonderheiten wünschen.

Die Domkuppel macht sogar die Gregorianik zur zeitgenössischen Musik. "Musiker sollten sich an akustische Räume anpassen lernen" , forderte Ariane Matthäus in einem Interview. Ihr Konzert mit Klavierbegleitung von der Dommitte aus löste große Kontroversen aus. Während Beatrix Beden von einer Zumutung für die Musikerin schrieb, waren andere begeistert von der Disziplin, mit der sie spielte, was in den Noten stand, und hörte, was fantastisch, aber ungewohnt klang.

Musizierende hören sich im Dom nicht. Oder versetzt. Werner Gröschel, Solo-Bassist in Mozarts Requiem, gestand, die Posaune mit einigen Sekunden Verzögerung gehört zu haben. Wolfgang Endres behauptete, die Sängerinnen und Sänger würden mit jeder Aufführung besser. Aber wieso eigentlich, sie hatten doch über ein Jahr geprobt, auch im Dom?

Bei der Aufführung saß das Orchester vor ihnen und bildete eine tönende Wand, vom Dom noch spiegelverzerrt zurückgegeben. Dem Dirigenten Michael Neymeyer konnte es nicht anders gehen. Die ersten Zuhörerreihen beschwerten sich über ein zu lautes Orchester. Wer in den Sitzen entlang der Säulen saß oder auf den ersten Sitzen entlang des Mittelganges war begeistert. Von hier kamen die Standing ovations ab der öffentlichen Generalprobe. Von Aufführung zu Aufführung mehr, weil die Musizierenden sich ins Geschehen fügten und musizierten, was sie konnten und wussten, nicht was sie hörten.

Beim letzten Konzert gab es durchweg begeisterten Applaus. Nicht weil alle das Gleiche gehört hatten, aber bei allen waren die Klänge rein angekommen. Akustik bricht, aber sie verändert den Klang nicht. Was unsauber ist, bleibt es auch. Der Dom braucht Spitzeninterpreten, die die Gegebenheiten genau kennen oder weil sie genügend Zeit haben, sie kennen zu lernen. Dabei ist ein Spitzeninterpret nicht zwangsläufig ein Berufsmusiker, sondern einer, der sich diszipliniert und leidenschaftlich an das hält, was auf dem Papier steht und mit Dynamik zu spielen versteht. Die Frauenkirche in Dresden stellt ähnliche Ansprüche. Weil die Zuschauer hier auch in Rängen rund um die Kuppel, über den Musikern, sitzen, kann jeder einzelne Zuhörer einen neuen Klang bewirken. Ein Konzert im Dom ist ein lohnendes Abenteuer für alle Beteiligten. Solange die Musizierenden Könner sind, gibt die Akustik keinen Grund zu Klagen. Sie lehrt uns: Raus aus der Gewohnheit, lasst euch generell ein, vergesst die CD-Erinnerung. So modern ist der Blasiusdom.

Margrit Matyscak
Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!