Nachrichten

Sie sind hier: Startseite

Nachrichten

Dreifaltigkeitssontag 2014, Josef Singer

15.06.14 00:00
Die Liturgie hilft uns, diesem unsagbaren Geheimnis, das wir Gott nennen, näher zu kommen. Nicht durch Grübeln und Philosophieren, sondern indem wir einfach zu Gott Beziehung aufnehmen. Liturgie ist die Feier unserer Beziehung mit Gott. Wir können zu Gott in Beziehung treten, weil er selbst in sich Beziehung, ja Gemeinschaft ist.

Dreifaltigkeitssontag 2014

Am vergangenen Sonntag haben wir Pfingsten gefeiert, als Abschluss der österlichen Zeit. Heute, einen Sonntag später begeht die Kirche das Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit, des Glaubens an den einen Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist.  Es ist ein theologisches Fest, das uns vor Fragen stellt, die im Letzten nicht zu beantworten sind. Das innerste Wesensgeheimnis Gottes erklären oder gar vollends erfassen zu können, dazu ist weder die menschliche Sprache noch der menschliche Verstand in der Lage. Wir können uns diesem Grund des christlichen Glaubens, nur vorsichtig fragend annähern: wie die göttliche Offenbarung des Vaters in seinem Sohne Jesus Christus im Heiligen Geist als das Werk des wesenseinen Gottes zu verstehen ist.

Seit den Anfängen der christlichen Kirche haben sich viele Theologen darum bemüht, die Dreifaltigkeit daraufhin zu untersuchen – und viele von ihnen sind dabei an ihre Grenzen gestoßen. Die ersten Konzilien der Kirche haben lange gerungen, bis sie für das Glaubensbekenntnis die richtigen Worte fanden, die uns heute oft allzu leicht über die Lippen gehen. Ein Paradox: so selbstverständlich das mit dem dreieinen Gott im Glaubensbekenntnis gesprochen wird, so „unfassbar“ bleibt es doch zugleich.

In dieser Spannung feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag, und das ist gut so. Die Liturgie, besonders die Messfeier hilft uns, diesem unsagbaren Geheimnis, das wir Gott nennen, näher zu kommen. Nicht durch Grübeln und Philosophieren, sondern indem wir einfach zu Gott Beziehung aufnehmen. Zu ihm sprechen, ihn loben, ihm danken, ihn bitten.  Liturgie ist die Feier unserer Beziehung mit Gott. Wir können zu Gott in Beziehung treten, weil er selbst in sich Beziehung, ja Gemeinschaft ist. 

Gott ist nicht ein einsames jenseitiges Wesen, sondern eine dynamische Beziehung. Diese innergöttliche Lebensdynamik wird in der christlichen Offenbarung deutlich in der Beziehung von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Diese Dreieinigkeit ist in gewisser Weise ein Durch-einander-sein. Einer ist erst durch den andern und wäre ohne ihn nicht. Wie es der Kirchenlehrer Augustinus zum Ausdruck bringt: „Jeder in jedem, jeder in allem, alle in jedem, alle in allem, alle in einem.“

Weil aber der dreieinige Gott in sich Beziehung ist, will er dieses Verhältnis auch mit seinem Geschöpf, dem Menschen, haben. Gott streckt  - bildlich gesprochen - seine Arme  nach uns aus und erwartet, dass wir auf ihn zugehen. Er spricht den Menschen an, und erwartet, von ihm Antwort zu bekommen. So heißt eigentlich „an Gott glauben“, mit ihm in Beziehung treten, mit ihm sprechen, d.h. beten. Wirklich an Gott glaubt, wer betet. Karl Rahner, ein großer Theologe des letzten Jahrhundert hat das kurz und knapp gesagt: „Beten ist der Ernstfall des Glaubens“.

Beten kann auf verschiedene Weise geschehen; in dem der Mensch Gottes Größe, seine Schöpfung preist, indem er dem Lebensspender dankt, ihn anbetet, vor ihm vor seiner Herrlichkeit und Größe auf die Knie geht. In der heutigen Lesung aus dem Buch Exodus bekommen wir davon eine Ahnung, wenn es heißt: „Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden.“

Doch Lob und Anbetung ist nicht die einzige Antwort des Menschen. Es kann genauso gut und ehrlich Klage und  Zweifel, ja Trauer und Anklage als Gebetsantwort geben. Das Buch vom Dulder Hiob, der gegen Gott rebelliert, und viele Psalmverse sind dafür beredter Ausdruck. Lob und Anbetung, Trauer und Klage münden häufig in das Bittgebet, das an die Barmherzigkeit Gottes appelliert, seine Verheißungen wahr zu machen und den Menschen zu seinem Glück zu verhelfen.

Gotteslob und Klagelieder, Dank und Bitte und noch viele andere Facetten kann die Antwort des Menschen auf Gottes Ansprache haben. Und dieses Verhalten zum Jenseitigen, zum Absoluten kommt ja in den Religionen in vielfältiger Weise zum Ausdruck.

Das Schöne und Einzigartige an unserem Glauben ist, dass wir in dieses Beziehungsgeschehen des dreieinen Gottes hinein genommen sind. Und weil die Beziehung zwischen Vater, Sohn und Geist eine Liebesbeziehung ist, kann unsere Antwort nicht weniger als Liebe sein. Wie es das jüdisch-christliche Hauptgebot sagt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben m it deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte und mit all deiner Kraft." (Markus 12,30) "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heilgen Geist, der uns gegeben ist." schreibt Paulus im Römerbrief.

`Glaube an den dreieinen Gott`ist nicht nur eine Aussage über Gott, sondern auch über den Menschen. Auf meine Antwort kommt es an. Diese Antwort kann mir keine noch so großartige Trinitätslehre geben, sondern nur mein persönliches Sprechen mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist - oder auch mein Schweigen und Verstummen vor diesem unsagbaren Geheimnis. Da gibt es nicht die richtige oder falsche Antwort wie auf eine Ketechismusfrage, sondern allein meine ganz persönliche Kontaktaufnahme und Kontaktpflege in Lob und Dank, Klage, Zweifel und Bitte. So sind wir durch dieses Fest eingeladen ztu ergründen, betens zu erfahren, was es für mich heißt, an Vater, Sohn und Heiligen Geist zu glauben.

Eine Frage möchte ich dazu mitgeben: Wie unterscheidet sich im Gebet das "Du", mit dem ich ja Gott ansprechen darf. Ist das nicht anders, ob ich zu Jesus Christus, dem Sohn, Du sage? - Wieder anders zum Schöpfergott, dem Vater? - und wieder anders zum Heiligen Geist?

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                         

 


                                                                                                                                                                                                                                                                                   

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!