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Domchorjubiläum 25. Mai 2014. P. Josef Singer

25.05.14 00:00
So ist Musik und Gesang des Chores ein unschätzbarer Dienst für die Gemeinde; in der Musik wird manch einer mitgetragen, der oder die sich mit dem Glauben nicht so leicht tut; aber trotzdem zur Liturgie und zum Gottesdienst kommt.

Domchorjubiläum 25. Mai 2014

„Verkündet es jauchzend, damit man es hört!

Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde!

Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja“ (Jesaia 48,20)

Liebe Schwestern und Brüder in Christus

Es gibt kaum ein schöneres, treffenderes Motto zum heutigen zwanzigjährigen Jubiläum des Domchores als diesen Eingangsvers des heutigen 6. Ostersonntags aus dem Buch des Profeten Jesaia.

1. „Verkündet es  jauchzend.“ Kann man singend verkündigen? Bei Verkündigung denken wir doch zuerst an Wortverkündigung, Lesung, Evangelium, Predigt, Schriftauslegung, Studium, Bildungsarbeit. Aber es gibt – Gott sei Dank- noch andere Weisen, die frohe Botschaft den Menschen nahe zu bringen: Dazu gehören auch die Musik, der Gesang, das Jubeln und Jauchzen.

2. Verkündet es jauchzend – „damit man es hört“ fährt der Vers fort. In der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte heißt es: „Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat.“ Wenn ich Menschen zum Zuhören bringen will, muss ich selber zuerst gehört und zugehört haben. Erst wenn ich das Gehörte, die Frohe Botschaft, angenommen und in mich aufgenommen habe, wenn ich mich damit identifiziere, kann ich andere zum Hören bringen; d. h. das Gehörte so weitersagen und wiedergeben, dass man gerne zuhört, sich davon betreffen, berühren lässt. Eben aus vollem Herzen: jauchzend. Wie das alte deutsche Sprichwort, das auch in der Bibel zu finden ist, sagt: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Worte, Botschaften, die in unserem Herzen wohnen, wollen auch raus. Wollen aus vollem Herzen gesprochen werden –  mit unserem Mund – lehrend, mahnend und jubelnd.

Gewiss, auch zaghaftes, tastendes Verkündigen und Singen des Glaubens hat seine Zeit und seinen Ort. Ist in entsprechenden Situationen angebracht, etwa bei Krankheit Not und Tod. Doch zur Bandbreite der Verkündigung und des Gebetes gehört unbedingt das Halleluja. „Wer singt, betet doppelt“, dieses Wort, dem Heiligen Augustinus zugeschrieben, gilt sowohl für Klage und Schmerz als auch von Freude und Jubel.

3. Weiter heißt es im Eingangsvers: „Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde.“ Das Gehörte, die Botschaft soll laut verkündet werden, bis an die Enden der Erde; d. h. alle Menschen und Völker ansprechend. Im Credo singen wir nachher: Credo unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam. Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Mit katholisch ist hier die den ganzen Erdkreis umfassende Kirche gemeint, nicht speziell die römisch katholische.

Das muss man immer wieder mal sagen; heißt es doch weiter im Credo „Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.“ Die christliche Taufe ebenso wie das Singen zur Verherrlichung Gottes ist eine ökumenische Angelegenheit. Was sich ja auch in unserem Chor spiegelt.

4. Schließlich wird gesagt, was jauchzend bis ans Ende der Erde verkündet werden soll: „Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit.“ Unser Gott ist ein Gott der Befreiung: Die religiöse Urerfahrung der Israeliten war die Befreiung aus Ägypten. Dieses Glaubensbekenntnis zieht sich durch die ganze Bibel bis hinein ins Neue Testament: Die Botschaft von der Auferweckung Jesu ist die Botschaft von der Befreiung vom Tod. Die Taufe wird mit dem Durchzug durch das Rote Meer verglichen, sie führt uns heraus aus der Sklaverei der Sünde und des Todes.

Dieses befreiende Handeln Gottes in der Geschichte des Volkes Israel und am wandernden Gottesvolk, der Kirche, gilt es jauchzend zu verkünden. Und heute dürfen wir dankbar sein, dass sich Frauen und Männer finden, Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker, die das in unserer Gemeinden und besonders im Dom tun. Dankbar dafür, dass das jemand tut, auch wenn mir oder Dir vielleicht gerade nicht zum Jubeln zumute ist. Vielleicht gibt es so etwas wie eine Arbeitsteilung in der Kirche, oder besser gesagt: Stellvertretung, dass einer oder eine etwas für andere übernimmt, stellvertretend bis dann der Bruder oder die Schwester zu gegebener Zeit für mich einsteht mit ihrem Charisma…

„Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit“ Damit ist ja nicht nur der Inhalt der Verkündigung gemeint, sondern das Singen, Jubeln und Jauchzen selbst ist ein Akt der Befreiung, macht frei, bringt Freude. Der Herr befreit sein Volk – er tut es auch hier und heute im Gottesdienst, wenn wir zu seiner größeren Ehre singen und musizieren und das heilige Spiel der Liturgie feiern.

So ist Musik und Gesang des Chores ein unschätzbarer Dienst für die Gemeinde; in der Musik wird manch einer mitgetragen, der oder die sich mit dem Glauben nicht so leicht tut; aber trotzdem zur Liturgie und zum Gottesdienst kommt. Von Martin Walser gibt es das bedenkenswerte Wort: „Ich bin an den Sonntag gebunden, wie an eine Melodie, ich habe keine andere gefunden. Ich glaube nicht, aber ich knie.“

 Schließen möchte ich mit dem Wort aus der 2. Lesung, dem 1. Petrusbrief: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.“ Wir sind gefragt, über unseren Glauben zu reden, ja im weitesten Sinne zu verkündigen. Doch das muss nicht in der Form der Verteidigung, Rechtfertigung, der Missionierung oder Apologetik geschehen, sondern: „antwortet bescheiden und ehrfürchtig“. Eine Möglichkeit, den Menschen, die nach der Hoffnung fragen, die uns erfüllt, zu antworten und den Glauben zu bezeugen ist Musik und Gesang – und es ist nicht die schlechteste.

Amen

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

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in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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