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17. Sonntag A, Erstes Buch der Könige 3,12, P. Klaus Mertes SJ

27.07.14 00:00
1 Kön 3,12: Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz
 
Es ist das „Herz“, das Wohnort der Weisheit ist, nicht der Kopf. In der griechischen Mythologie entspringt Athene, die Göttin der Weisheit, dem Kopf des Zeus. Die Weisheit der Torah entspringt dem Herzen Gottes und redet zum Herzen. Wie ist as zu verstehen?
 
„Le coeur a ses raisons que la raison ne connait pas.“  (Blaise Pascal) “Raison” kann “Verstand” und “Grund” bedeuten. „Das Herz hat seine eigenen Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ Die Pointe des Satzes besteht darin, dass er die platte Gegenüberstellung von Verstand und Gefühl, von Rationalität und Irrationalität durchbricht. Es gibt eine Rationalität, eine Logik des Herzens, die anders funktioniert als die Rationalität des Verstandes, aber deswegen nicht bloß „irrational“ ist. Sie folgt ihren eigenen Gründen. Sie ist auf ihre Weise "logisch".
 
Was Blaise Pascal formuliert, würde heute vielleicht mit dem Begriff der „emotionalen Intelligenz“ bezeichnet werden. In den ignatianischen Exerzitien spricht man in diesem Zusammenhang gerne vom richtigen „Gespür“. Im Hintergrund steht das lateinische Wort „sapere“. „Sapere aude“, der Schlachtruf der Aufklärung, übersetzt mit „habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, fasst es nicht ganz. „Sapere“ ist nicht nur eine Verstandestätigkeit, sondern auch eine sinnliche Tätigkeit: „Schmecken“. Weise (sapiens) ist, wer gelernt hat zu “schmecken“. Ignatius formuliert: „Nicht das viele Wissen sättigt die Seele, sondern das Schmecken und Verkosten der Dinge von innen her.“ Die „geistlichen Übungen“ der christlichen Tradition basieren auf der Vorstellung, dass sich diese Art von Weisheit durch Training erreichen lässt, also eine pädagogische Angelegenheit sein kann. Man kann Herzensbildung lernen.
 
Herzensbildung geschieht durch Praxis. Wichtig sind die Beziehungen, in denen ich lebe. Beziehung ist eine Herzens-Angelegenheit. Darin können mir die anderen Vorbild werden, im Guten wie im Schlechten; ein schlechtes Vorbild kann ja ebenso lebensprägend sein wie ein gutes Vorbild, entweder als nachahmenswertes Modell oder als abschreckendes Beispiel. Das gilt nicht nur für die pädagogischen Beziehungen im engeren Sinne, sondern von allen Beziehungen, die lebensbedeutsam sind.
 
Die Vorbild-Funktion funktioniert nach der „raison du coeur“. Sie folgt dem Prinzip der Absichtslosigkeit: Wer absichtsvoll Vorbild sein will, um einen Zweck zu erreichen, erreicht diesen Zweck nicht. Herzen haben einen untrüglichen Sinn für interessegeleitete Annäherungen und entziehen sich diesem Zugriff – oder spüren nachträglich den schlechten „Geschmack“, der bleibt. Hingegen prägen diejenigen Vorbilder, die nicht Vorbilder sein wollen, um etwas beim anderen zu bewirken, sondern die ihr Herz selbstvergessen an eine Aufgabe, an eine Überzeugung hängen – oder die von etwas wirklich begeistert sind. Nur wer begeistert ist, kann begeistern. Wer aber begeistert ist, um zu begeistern, begeistert nicht. Das Herz spürt es und zieht sich zurück.
 
Verstandes- und Herzensschulung sind kein Gegensatz. Es gibt ein abwertendes Sprechen über das Herz aus der Perspektive des Verstandes, so als ob das Herz bloß aus Spontaneität bestünde und durch den Verstand zur Ordnung geführt werden müsse. Aber das stimmt nicht. Das Herz macht seine Erfahrungen, die der Verstand gar nicht lenken und manipulieren soll.  Wichtig ist „nur“, dass es in allen Vollzügen Räume für die Reflexion der Erfahrungen gibt – Zeit dafür, zu „schmecken“, wie die Erfahrungen schmecken. Die Reflexion – das „Schmecken und Verkosten“ der Erfahrungen, vor allem im Gespräch mit guten Freuden – hilft, die „Gründe“ des Herzens zu erkennen und das entsprechen Urteilsvermögen zu entwickeln.
 
Der Verstand versucht, die Frage nach dem guten Leben über die Deduktion von allgemeinen Prinzipien zu beantworten. So weit, so gut. Das Herz aber kommt, um im Bild zu bleiben, nicht von oben, vom Prinzip her, sondern von unten her ins Spiel. Welcher Person sich das Herz zum Beispiel zuwendet, kann der Verstand nicht deduzieren. Das Herz bringt also ein Element in das Leben hinein, das die schöne Ordnung des Verstandes gerne auch mal durcheinanderbringt. Trotzdem ist die Sprache des Herzens, besser: der Frieden des Herzens von großer Bedeutung für die Antwort auf die Frage nach dem guten Leben und dem ethisch Richtigen. Auf Dauer und im Ganzen die Gründe des Herzens mit den Gründen des Verstandes zu unterdrücken ist zerstörerisch.
 
Salomon erhält ein weises und verständiges Herz. Auch Jesus hatte ein solches Herz. Das Gleichnis vom Schatz im Acker weist auf ein weiteres Element der "Logik des Herzens" hin: Das Herz gibt alles und nimmt alles. Man kriegt es nur ganz oder nicht. Es lebt nur ganz oder nicht.
 
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