Nachrichten

Sie sind hier: Startseite

Nachrichten

25. Sonntag im Jahreskreis, Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, Mt 20, 1-16. P.Klaus Mertes SJ

21.09.14 00:00
Das Evangelium vom Herrn des Weinbergs und seinen Arbeitern ist eine harte Nuss für jede Gerechtigkeitsdiskussion. Die Arbeiter erhalten für unterschiedliche Arbeit denselben Lohn.
Mt 20, 1-16: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
 
Das Evangelium vom Herrn des Weinbergs und seinen Arbeitern ist eine harte Nuss für jede Gerechtigkeitsdiskussion. Die Arbeiter erhalten für unterschiedliche Arbeit denselben Lohn.
 
Schauen wir näher hin: Es kommt zunächst drauf an, aus welcher Perspektive man den Text liest – aus der Perspektive der Vollzeitarbeiter oder aus der Perspektive der „Kurzarbeiter“. Für Tagelöhner ist es eine Katastrophe, wenn sie einen Tag Verdienstausfall hinnehmen müssen; oft hungert dann die Familie. Wenn der Herr des Weinbergs den Kurzarbeitern also ebenfalls den vollen Tageslohn auszahlt (sie haben nicht etwa ausgeschlafen und sind deswegen zu spät gekommen, sondern sie haben den ganzen an Tag unterschiedlichen Orten gewartet, aber niemand hat sie angeheuert – vgl. V7), bezahlt er sie nach Bedürfnis, nicht nach Leistung. Der Herr hat ein Herz für die Lage von Tagelöhnern, die keine Arbeit für den ganzen Tag erhalten haben.
 
Im Gespräch mit den Vollzeitarbeitern weist der Herr auf die unternehmerische Vertragsfreiheit hin: „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ (V15). Der erste Arbeitsvertrag mit den Vollzeitarbeitern war frei vereinbart und von beiden Seiten als gerecht akzeptiert war – er entsprach sozusagen dem tariflich üblichen Mindestlohn der damaligen Zeit: Ein Denar. Damit kann man die Familie für einen Tag ernähren. Auf diesen Lohn hatten sie Anspruch. Er war „gerecht“.  Am Ende des Tages wird der Lohn ausgezahlt. Der Herr hält sich an den Vertrag.
 
Der Unterschied zwischen den Vollzeit- und den Kurzarbeitern besteht – neben der unterschiedlichen Arbeitszeit – also auch darin, dass die Vollzeitarbeiter einen Anspruch auf den „Mindestlohn“ von einem Denar hatten, die Kurzarbeiter aber nicht, weil sie ja kürzer arbeiten würden. Der Herr gibt den Letzteren also mehr als sie beanspruchen können. Diese Freiheit hat er. Er handelt dadurch nicht ungerecht. Er ist in seiner Freiheit, mehr zu zahlen, nicht beeinträchtigt durch das Argument der Vollarbeiter.
 
Gewiss zeigt sich darin besonders die Großzügigkeit des Herrn. Es lassen sich allerdings durchaus auch ökonomische Gründe für seine Großzügigkeit nennen. Ein Weinberg muss normalerweise an einem Tag abgeerntet werden, denn Trauben kann man nicht lange lagern, sie müssen gleich verarbeitet werden. Wenn also der Weinberg unbedingt an diesem Tag abgeerntet werden muss, dann erklärt es sich, dass der Gutsbesitzer mehrfach zum Marktplatz geht, um zusätzliche Arbeiter anzuheuern (V3, V5, V6). Ein halbwegs erfahrener Gutsbesitzer weiß eigentlich, wie viele Arbeiter er für einen Weinberg braucht, und muss seine Schätzung nicht alle drei Stunden korrigieren. Wenn er also mehrfach Arbeiter holen geht, dann war das Angebot an Arbeitskräften auf dem Markt jeweils zu gering – und wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, steigt der Preis. Da gegen Abend die Zeit drängt, wird der Nutzwert der zuletzt angeheuerten Arbeitskraft steigen – und damit ihr Marktlohn. Die zuletzt angeheuerten Arbeiter sind vermutlich ihrerseits auch nicht bereit, für einen Bruchteil des Tageslohns noch den langen Weg zum Weinberg und zurück zu machen. Das legt ebenfalls einen etwas höheren Lohn nahe. Der Herr handelt also auch keineswegs irrational. Das Gleichnis kann nicht dafür herhalten, ihn – nach menschlichem Ermessen – für verrückt zu erklären. Der Vers aus der Jesaja-Lesung („Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege“ – Jes 55,8) muss im Umkehrschluss nicht zwingend bedeuten, dass die Gedanken Gottes für die Menschen vollkommen dunkel und unzugänglich sind.
 
Das Problem der Vollarbeiter ist also vorgeschoben: Sie haben keinen Anspruch auf einen progressiven Nachschlag, wenn andere aus einer anderen Situation heraus denselben Lohn erhalten wie sie, obwohl sie kürzere Zeit gearbeitet haben. Der Protest ist kindisch, infantil, so wie sich Kinder gelegentlich bei ihren Eltern über „Ungerechtigkeit“ beschweren, aber dabei eigentlich nur ihre Eigeninteressen im Blick haben. Ebenso geht es den Vollzeitarbeitern nicht um Gerechtigkeit, sondern um mehr Geld. Das kann man verstehen, aber daraus folgt noch nicht, dass die Vollzeitarbeiter einen Anspruch auf mehr Geld haben, weil der Herr anderen Personen mehr Geld gegeben hat, als diese beanspruchen konnten. Im Gegenteil, wenn man in der Logik des progressiven Nachschlags rechnet wie die Vollzeitarbeiter, dann ist Großzügigkeit nicht mehr möglich. Denn nach jedem Akt der Großzügigkeit würden im Namen der „Gerechtigkeit“ die Ansprüche aller anderen, die nicht in den Genuss der Großzügigkeit kamen,  in die Höhe schnellen. Großzügigkeit entzieht sich dem Aufrechnen und dem Anspruchsdenken. Durch Aufrechnen und Anspruchsdenken kann Großzügigkeit blockiert werden. Der Herr lässt sich aber nicht blockieren.
Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!