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Predigt zum Pfingstfest, P. Wolfgang Bauer SJ

09.06.14 00:00
Was ist es, was uns Menschen vereinen kann und es ermöglicht, dass wir uns verstehen und was ist es, was uns auseinanderreißt und verständnislos nebeneinander herleben lässt?

Predigt Pfingstmontag  Dom zu St.Blasien 2014

 Liebe Schwestern und Brüder,

am 1.Pfingsttag in Jerusalem hat es eine große Überraschung gegeben: Menschen, die aus verschiedenen Ländern der Erde dorthin zusammengeströmt waren und Mühe hatten, sich einander verständlich zu machen, bzw.die sich gar nicht verstanden, begriffen die eine Sprache der Apostel so, als wenn es ihre Muttersprache wäre. Eine ungewöhnliche Erscheinung: die Verkünder der Großtaten Gottes, der frohen Botschaft von Jesus Christus und seiner Auferstehung werden von allen verstanden. Und dieses Verstehen blieb offensichtlich nicht an der Oberfläche, sondern geht so in die Tiefe, dass auf die Predigt der Apostel hin 3000 Menschen an diesem Tag gläubig werden und sich taufen lassen. Ein für uns ungeheueres Ereignis, das wir mit unserer Erfahrung nicht erklären können.

 Dieses in der Apostelgeschichte beschriebene pfingstliche Ereignis hat ein erschütterndes Gegenbild im Turmbau zu Babel. Damals, so erzählt die Heilige Schrift im Buch Genesis, wollten die Menschen Gott absetzen und sich zu autonomen Herren der Welt erklären. Der Turm, der bis in den Himmel reichen sollte, war Ausdruck ihrer Rebellion gegen den Schöpfer und ihre Rolle als Geschöpf, das sich ja vor dem Schöpfer zu verantworten hatte: ihn haben sie aus der Mitte herausgedrängt und sich selbst ins Zentrum gesetzt. Und die Folge dieses ungeheuren aussichtslosen Unterfangens? Die Menschen verstanden sich nicht mehr.

Die Voraussetzungen für ein friedliches Einvernehmen waren gestört.

 Vergleichen wir diese beiden ungleichen Ereignisse, so müssen wir zum Schluss kommen:

In Babel war Einheit, die in Zerrissenheit endete.

In Jerusalem war Verschiedenheit, die an Pfingsten in die Einheit führte.

Schärfer lässt sich der Gegensatz von Babel und Pfingsten nicht verdeutlichen.

 Und so bleibt die Frage: was ist es, was uns Menschen vereinen kann und es ermöglicht, dass wir uns verstehen und was ist es, was uns auseinanderreißt und verständnislos nebeneinander herleben lässt?

 Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber antwortet auf die Frage, wie Gemeinschaft unter den Menschen entstehen kann:

„Nicht dadurch, dass man sie herstellt, vielmehr entsteht Gemeinschaft dadurch, wenn alle um eine Mitte geschart sind, die sie nicht herstellen müssen, sondern die sich ihnen schenkt“.

Diese Antwort gibt Martin Buber aus der jüdischen Geschichte, die mannigfach erfahren hat, dass es Gemeinschaft nur gab und Gemeinschaft im Volk nur von Dauer war, wenn sie sich um Jahwe als Mitte geschart haben und immer dann wenn sie in selbstherrlicher Arroganz selbst zur Mitte gemacht haben, es Unheil, Krieg, Zertrennung gab. Ein Ausdruck dieser Erfahrung ist ja der Bericht vom Turmbau zu Babel.

 Und an Pfingsten schenkte sich der Geist Gottes als Mitte des neuen Gottesvolkes. Die verängstigten Jünger hatten erfahren: der Herr ist uns nahe, er lebt unter uns, er eröffnet uns als Gemeinschaft eine neue Zukunft.

Und der Heilige Geist, die Pfingstgabe, lässt die Menschen, die die Apostel hören zu einer neuen Gemeinschaft zusammenwachsen, sie finden aus verschiedenen Kulturen und Sprachen zusammen, weil sie durch den einen Geist geeint werden.

 Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir Pfingsten als Geburtstunde der Kirche feiern, dann müssen wir uns immer wieder klar werden, dass wir als Kirche um eine Mitte geschart sind, die wir nicht selber machen, sondern die uns geschenkt ist, wie Buber sagt und uns bewusst bleiben, dass immer dann wenn wir uns, unsere Lieblingsgedanken, unsere Lieblingsgewohnheiten, unsere Unbeweglichkeit in die Mitte setzen, die Verwirrung beginnt, wir ein Stück am Turm von Babel bauen. Dann verstehen sich in der Kirche plötzlich nicht mehr konservative und progressive, charismatische Gruppen mit Gruppen, denen diese Art der Frömmigkeit fremd ist, da verstehen die Kirchenoberen das Volk nicht mehr und das Volk die Kirchenoberen nicht.

 Das Pfingstgeschenk an die Kirche, der Geist der Einheit ist auch der Auftrag an die Kirche, an jeden von uns, denn alle, aber auch alle, so verschieden wir sein mögen, gehen von der gleichen Mitte aus, dem Geist Gottes, dem Fundament unserer Kirche und gehen auf die gleiche Mitte zu, auf Gott, der alles in allem ist. Amen..

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

Öffnungszeiten des Doms

Winterzeit: 
8:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Sommerzeit:
8:30 Uhr bis 18:30 Uhr 

Während Gottesdiensten oder Veranstaltungen ist eine Besichtigung nicht möglich!