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15. Sonntag A, Jesaia 55,10-11, Matthäus 13,1-9, P. Josef.Singer

13.07.14 00:00

 15. Sonntag A, Jesaia 55,10-11, Matthäus 13,1-9

„Wie Regen und Schnee vom Himmel fällt und die Erde tränkt und zum Keimen und Sprossen bringt“, so beginnt die erste Lesung. „Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, sie seufzt und liegt in Wehen…“ sagt Paulus im Römerbrief. Und das Evangelium: „Ein Sämann ging aufs Feld um zu säen.“ Lesungen und Evangelium des heutigen Sonntags scheinen wie für diese beginnende Ferienzeit geschrieben. Sie laden uns ein, die Natur zu betrachten und daraus etwas zu lernen. So hat es auch Jesus getan. Für ihn wurde die Beobachtung der Natur zum Gleichnis für das Reich Gottes. Er kannte die Heilige Schrift. Die Jesaiastelle zeigt in anschaulichen Bildern, welche Wirkmacht und Effizienz dem göttlichen Handeln an uns Menschen zu eigen ist. Gott wirkt dabei nicht durch mechanischen Druck, nicht durch Zwang oder Gewalt, sondern allein durch sein Wort. Gerade so, durch die sanfte Macht des Wortes setzt er Wachstumsprozesse in Gang, deren Sprengkraft alle künstlichen Schranken, die der Mensch aufrichtet, überwindet. Wer hätte nicht schon staunend betrachtet, wie ein Baum, der als zartes Pflänzchen begonnen hat, Asphalt aufreißt, Mauern umstürzt, Fesseln sprengt? Ebenso wirkt das göttliche Wort: in sanfter, geräuschloser Unbändigkeit.

Mit diesem Vergleich im Hinterkopf wird dann auch die Dramatik des Evangeliums deutlich, das uns sagt: Gottes Wort kann auch scheitern. Gottes Wort wird als Saat in die Welt gesät, aber auch diese Saat kann verloren gehen, kann zertreten und unter Dornen erstickt werden. Gott stößt in seiner Welt auf Verständnislosigkeit, Abweisung und Hass. Auch sein Wort findet taube Ohren und taube Herzen. Er kommt nicht in die Welt, um seine Schau göttlicher Macht und Herrlichkeit zu zelebrieren, er kommt in erstaunlicher Machtlosigkeit. Johannes hat diese überraschende Ohnmacht Gottes dem Menschen gegenüber in die Worte gefasst: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (1,11).

Dass Gottes Wort scheitern kann, daran nehmen wir Anstoß und fragen: Müsste nicht Gottes Wort fruchtbarer, seine Macht bezwingender, sein Licht leuchtender und überwältigender sein in dieser Welt? Müssten nicht die Zeichen, unter denen er uns nahe ist – wir nennen sie Sakramente – mehr verwandelnde Kraft besitzen?

Eine Antwort könnte heißen: Gott ist ein Gott der Freiheit: Seine Art ist nicht die Erpressung, sondern das freie Angebot: er zwingt nicht, sondern er bietet an und ruft zu freien Entscheidung. Gott will keine Sklaven, sondern Partner, die auf sein Wort eingehen. Er will nicht Knechte, sondern Freunde.

Dass Gottes Wort scheitern kann, ist aber auch ein Trost für uns. Für die Eltern, die oft verzweifelt klagen: „All mein Reden und Bitten und Beten ist umsonst. „Den Erzieherinnen und Seelsorgern, die enttäuscht fragen: „Ist mein pädagogisches Bemühen nicht ein ständiges Säen auf den Weg und auf steinigen Boden und unter Dornen?“

Wir haben kein Recht, uns verbittert zurückzuziehen. Wir werden nicht nach dem Erfolg gefragt, sondern nach der Beharrlichkeit unserer Aussaat und nach unserer Geduld. Ein Sämann ging aufs Feld, um zu sähen, mehr ist von uns nicht gefordert. Der Herr hat uns nicht den Erfolgsmanager als Vorbild gegeben, sondern den Sämann: der weiß, dass ein gut Teil seiner Arbeit umsonst ist, er weiß um Unkraut und Dornen, um Dürre und Nässe, und trotzdem sät er jedes Jahr unverdrossen in der festen Hoffnung auf die Ernte.

Gottes Wort und Gottes Reich kommt nur in Mühsal und Geduld voran. Alles Sieghafte und Triumphale wird aufgespart bis zum Tag der Ernte. Dass wir dies auch als Kirche wieder neu begreifen, dass wir als Kirche Christi unsere erste Aufgabe nicht im Erfolg und Triumph, sondern in der großen Geduld und Redlichkeit des Dienens erkennen, ist die eindringliche Botschaft von Papst Franziskus.

Gottes Wort kann scheitern, das mag uns überraschen, kann aber auch Trost sein. Doch die größte Überraschung ist dies: trotz aller Misserfolge , trotz aller Abweisung erreicht das Wort letztlich doch sein Ziel: „Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“ –  oder mit den Worten Jesu: „Ein Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht: hundertfach, sechzigfach, dreißigfach.“

Wer bedenkt, welchen Schwierigkeiten die Saat Gottes in dieser Welt ausgesetzt ist: die festgetretenen Wege, die Steine und die Dornen und darüber hinaus der offene Kampf gegen Gottes gute Saat mit allen Mitteln der Macht, der wird diese Frucht nicht als selbstverständlich empfinden, sondern als das wahrhaft erstaunliche und überraschende Wunder des Gottes, der sich trotz aller Widerstände in Geduld durchzusetzen vermag. Am Ende steht die Ernte. Und dies Wunder ist umso größer, je größer die Widerstände waren, die sich dieser Ernte entgegenstellen. Niemand kann den Sieg Gottes verhindern. Wir haben nur die erregende Möglichkeit, ihn zu beschleunigen. Das geschieht, wenn wir uns als guter Boden erweisen, der das Wort Gottes bereitwillig und dankbar annimmt. „ Wer Ohren hat, der höre“ und schaue mit dem Blick Jesu, was die Natur uns in diesen Tagen der Muße und Erholung zu sagen hat.

Amen

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