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2. Adventssonntag Lesejahr B, Markus 1,1-8, P. Wolfgang Bauer SJ

07.12.14 00:00

 Liebe Gemeinde,

Vor 70 Jahren, 1944, hat P.Alfred Delp, der auch im Kolleg St.Blasien gewirkt hatim Gestapogefängnis Berlin-Tegel den Advent 1944 erlebt. Am 2.2.45 wurde er von den Nazis in Berlin-Plötzensee erhängt. Mit gefesselten Händen hat er auf Kassiber notiert, welche Gedanken ihn in diesen Tagen und Stunden zum Thema Advent bewegt haben.

Er schreibt: Advent ist einmal eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst

Das erschütterte Erwachen, wozu der Mensch fähig ist, gehört zu den Gedanken des Advent.

Ja, Advent wird nicht verstehen, wer nicht vorher zu Tode erschrocken ist über sich und wozu der Mensch fähig ist.

Wozu der Mensch fähig ist: er hat es erlebt. Aber er schreibt auch. Ja, die Schrecken dieser Zeit wären nicht auszuhalten, wenn nicht dieses andere Wissen uns immer wieder ermunterte und aufrichtete, das Wissen von den Verheißungen, die mitten im Schrecken gesprochen werden und gelten."

So ist der Advent für uns eine Zeit, in der wir uns erschüttern lassen, aufbrechen, um bereit zu werden umzukehren, damit wir uns wieder tiefer und gläubiger uns aufmuntern lassen von der Verheißung des kommenden Herrn, der vollendet, was in unserem Leben fehler- und bruchstückhaft geblieben ist, der das Leid, das über unserem Leben lastet, wegnimmt und unsere Sehnsucht zu erfüllen weiß.

Kyrie…

 Predigt:

 Liebe Schwestern und Brüder,

Zwei andere Zeugen des Advent stehen heute im Mittelpunkt der Lesungen: die Propheten Jesaia und Johannes der Täufer

Eines haben sie alle gemeinsam: Isaias, Johannes, P.Delp, sie erbeben vor den menschlichen Untiefen und sie geben dem Menschen von Gott her Hoffnung,

Jesaia war ein Mann, der mitten in seinem Volk stand, der mit seinen Landsleuten in der babylonischen Gefangenschaft lebte. In dieser Situation war es für ihn besonders schwer, Hoffnung auf den Gott Israels zu verkündigen. Er musste dem Volk beibringen, in all Eurer Drangsal, traut Eurem Gott etwas zu, der Frondienst wird ein Ende nehmen. Er beschreibt Gott als den Hirten seines Volkes, denn er trägt die Lämmer, die Schwachen, er kümmert sich und zieht den Karren aus dem geschichtlichen Dreck.

Und wen sprach Jesaia an? Leute, die eben diesem Gott nichts mehr zutrauten, weil er es ja zugelassen hatte, dass sein Volk in die Hände mächtiger Feinde fiel. Die einen hielten es mit anderen Göttern, die sich als stärker als Jahwe erwiesen hatten, wieder andere ließen sich in ihrer Wehmut treiben oder erwiesen sich als Kollaborateure und Opportunisten.

In dieser Stunde geht der Ruf des Propheten an die, welche rückwärts schauen und trauern um das Verlorene, die nicht fähig sind, etwas Neues von Ihrem Gott zu erwarten.

Die Frage an uns: Trauen wir heute, hier und jetzt, ein jeder mit seinem Lastpaket auf den Schultern und die Völker der Erde mit ihrer Last unserem Gott etwas zu: eine adventliche Frage, auch an uns gestellt durch den heutigen Lesungstext.

 Jahrhunderte später ein Prophet in gleicher Intention, in einer aussichtslosen Lage Trost und Freude zu verkünden und gleichzeitig zur Umkehr aufzurufen. Johannes, der Bote, Vorläufer des ersehnten Messias. Er redete in einer Zeit, die zu den schwärzesten Stunden der Geschichte Israels zählte: besetzt von den Römern, beherrscht vom religiösen Establishment.

Politisch, religiös auf dem Tiefpunkt, alle Verheißungen waren in weite Ferne gerückt. Da kommt der Mann aus der Wüste und Wüste hat es immer mit dem Wesentlichen zu tun, da gibt’s keine Abwechslung, da wird man sensibel für das Wesentliche. Und in der Wüste wird man wachsam dafür, wo Hoffnung, Oase sich auftut. Offensichtlich muss der adventliche Mensch, der etwas von seinem Gott erwartet, in die Wüste, bei Isaias, bei Johannes ist es so: vielleicht kann nur aus der Erschütterung, der Wüste etwas Neues erwachsen.

 Und dieser Johannes in der Wüste gibt seinem Volk zu verstehen: keine Resignation, kein Aussteigen, keine Verhärtung,: eurer Lage entgeht ihr nur, wenn ihr gemeinsam euch auf euch selbst besinnt und dem Herrn etwas zutraut. Kehrt  um, dann werden sich die Verheißungen an Euch erfüllen.

Sein Hoffnungszeichen, das er verkündete, war Jesus, der verheißene Messias.

 2000 Jahre sind seither ins Land gegangen: Enttäuschung, Mutlosigkeit, aber auch die Sehnsucht der Menschen sind gleichermaßen stark geblieben.

Wir brauchen heute nötiger denn je die Propheten, die uns den Spiegel vor Augen halten, die uns von unseren falschen Gedanken und Wegen wegzubringen versuchen, aber auch von den Verheißungen sprechen, die uns gemeinsam herausfordern.

 P.Delp schreibt." wohl einer Zeit, die ehrlich von sich meinen darf, sie sei keine Wüste. Wehe aber einer Zeit, in der die Stimmen der Rufenden in der Wüste verstummt sind, überschrieen vom Tageslärm oder verboten oder untergegangen im Fortschrittstaumel oder gehemmt oder leiser geworden aus Furcht oder Feigheit. Die Verwüstung wird alsbald so schrecklich und allseitig geschehen, daß den Menschen das geschriebene Wort Wüste von selbst wieder einfällt.

Diese drei Gestalten des Advent: Isaia, Johannes, P.Delp, sollten uns insofern und insoweit unter die Haut gehen, dass wir zu entziffern lernen, es neu lernen, die Zeichen unserer Zeit zu verstehen, dass wir hellhörig bleiben für die Mahner, für die Propheten, die sprechen in unsere Zeit, dass wir die Erschütterungen wahrnehmen, die uns ankündigen, so gibt es für uns keine Zukunft, dass wir bereit sind, gemeinsam umzudenken, unser Handeln zu ändern aber auch dass wir dabei nicht verzweifeln müssen, weil Gott uns die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Leben, Frieden, Gerechtigkeit, Liebe verheißen hat in dem der da kommen wird: in Jesus Christus, dem Heiland und Erretter. Wir müssen die Welt nicht erlösen, er führt unser bruchstückhaftes Tun zur Vollendung.

 Amen

Gottesdienste

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Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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