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4. Sonntag in der Osterzeit B, Joh 10,11-18, P. Josef Singer

29.04.12 00:00
Das Gleichnis vom guten Hirten ist uns von Kindheit an bekannt und vertraut. An vielen Stellen der Bibel im Alten und Neuen Testament kommt der Vergleich mit dem Hirten und den Schafen vor. Allerdings hören ihn manche nicht allzu gerne. Wer möchte schon mit einem Schaf verglichen werden?

Wer möchte sich bedingungslos einfügen und unterordnen, sich führen und von anderen vorschreiben lassen, was man zu tun und zu lassen hat. Wir Menschen und auch wir Christen von heute wollen möglichst frei und unabhängig sein, uns selbst verwirklichen, selber bestimmen oder wenigsten mitbestimmen, was geschehen soll. Gegen alles was „von denen da oben“ kommt, sind wir misstrauisch. Nicht der Wille eines Hirten, sondern die eigene Meinung und das eigene Urteil sollen für uns maßgebend sein.

Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf als ich einmal noch in meiner Zeit als Pfarrer in Hof mitten aus den Predigtvorbereitungen herausgerufen wurde zu einem Sterbenden. Dort las ich diesen Evangelientext am Sterbebett – und es war wie eine Offenbarung. Es hätte keine schöneres, besseres, tröstenderes Wort geben können als dieses! für den Sterbenden, für die Angehörigen, für mich selbst. Und ich dachte bei der Heimfahrt: Hoffentlich wirst du beim Sterben auch einmal diese Worte von jemand gesagt bekommen! dann ist es gut.

Denn es gibt einen, der auch in dieser Situation, wo alle menschliche Nähe und Beistand zu Ende sind, noch da ist; einer der selbst in der radikalen Einsamkeit des Todes bei dir ist.

Nach diesem Erlebnis am Sterbebett erschloss sich mit dann auch der Text des Evangeliums und der Lesung in neuer, tieferer Weise. Und mir wurde bewusst, wie verschieden eine Botschaft ankommen kann, je nachdem in welcher Lebenssituation sie gehört und gesagt wird. Wie entscheidend es ist zu hören, was das Evangelium als Wort Gottes mir jetzt sagen will. Sich persönlich davon betreffen zu lassen, dann kann es zur frohen, von Angst befreienden Botschaft werden – und nicht schon vorher unsere Spekulationen, Erklärungen und Bedenken als Hindernis aufbauen.

Drei Gedanken sind mir in diesem Evangelium wichtig:

  • Ich bin der gute Hirt
  • Ich gebe mein Leben für die Schafe
  • Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.

 

Wenn Jesus von sich sagt: Ich bin der gute Hirt. Dann fällt auf, dass Jesus hier nicht sagt: ich bin ein guter Hirt. sondern er nimmt für sich in Anspruch: Der gute Hirt schlechthin zu sein. Das Bild des guten Hirten wurde in Israel ja im ganzen Orient oft gebraucht, um das Verhältnis des Königs zu seinem Volk zu beschreiben. Gute Hirten waren die Herrscher, denen die Fürsorge, das Wohl des Volkes im Vordergrund stand.

Machtmissbrauch oder schlichtweg Versagen der politischen und religiösen Hirten des Volkes beklagen schon die Propheten, besonders Ezechiel, der erwartet, dass Jahwe selbst die Macht übernimmt. Der fromme Beter wendet sich deshalb auch lieber an Gott als seinen Hirten, wie in dem bekannten Psalm 23. „Der Herr ist mein Hirte.“

Wenn Jesus von sich sagt: Ich bin der gute Hirt, dann ist das im Johannesevangelium eine Selbstoffenbarung. Er ist nicht einer, der halt auch zu den guten Hirten gehört, sondern er ist der neue Maßstab, das Vorbild für die Verwirklichung des Hirtenamtes. Und das hat seinen Grund in der Weise, wie er sein Hirtenamt ausübt:

Das ist das zweite:

„Ich gebe mein Leben für die Schafe.“ Wer sich so bedingungslos für die andern einsetzt. Wer so zu den ihm Anvertrauten steht, auch dann wenn er keinen Vorteil mehr davon hat. Wem es wirklich um die Mitmenschen geht und nicht um den eigenen Nutzen: allein der ist ein guter Hirt. Etwas zeitlos Gültiges etwas Archetypisches liegt in diesem Bild des Hirten.

Und das Evangelium sagt uns: dieser gute Hirt ist nicht nur ein Wunschbild, eine unerfüllbare Sehnsucht des Menschen, sondern in Jesus Christus ist dieser einzigartige Gute Hirt Wirklichkeit geworden. Jesus ist der gute Hirt, der sein Leben hingibt für die Schafe, damit sie das Leben haben.

Er ist nicht wie der Mietling, dem an den Schafen nichts liegt und im Ernstfall flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Dem Wolf als das Bild für das, was uns innerlich zerreißt und uns untereinander entzweit, ist nur die sich hingebende Liebe gewachsen. die aber gründet im gegenseitigen Kennen von Hirt und Schafen.

 

Das ist der dritte Gedanke: Jesus sagt: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Jesus kennen, ist das A und O für unser Verhältnis zum guten Hirten. Seine Stimme hören aus dem vielfältigen Geblöke, das uns tagtäglich umgibt, unterscheiden lernen, was wichtig ist. Daraus entsteht nicht Abhängigkeit und Unterordnung, sondern Freundschaft und Vertrauen! „Jesus kennen“, das ist mehr als eine Frage der Information oder des Studiums der Theologie. Jesus kennen lernen, heißt mit ihm lebendigen Kontakt halten, beten. Ihn jetzt in der Eucharistiefeier als den gegenwärtigen Auferstandenen feiern. Ihm im Alltag in den Schwestern und Brüdern begegnen.

Ihn kennen lernen, damit kommen wir nie an ein Ende, das ist eine lebendige Beziehung. Die ihren Grund in der Beziehung Jesu zu seinem Vater hat: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne.“ Wenn wir uns dem guten Hirten anvertrauen, sind wer in diese Beziehung hineingenommen im Leben und im Sterben.

Amen

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