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7. Ostersonntag B, Johannes 17,6a.11b-19, P. Josef Singer SJ

20.05.12 00:00
In diesen Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten liegt eine eigenartige Spannung, die im heutigen Tagesgebet ausgesprochen wird: „Wir bekennen, dass unser Erlöser bei dir in der Herrlichkeit ist...lass uns erfahren, dass er alle Tage bei uns bleibt.“

Der Herr ist beim Vater – und bleibt alle Zeit bei uns. Doch das ist keine Feststellung, sondern ob das so ist, das hängt von unserer Bitte ab, dass es so sein möge. „Lass uns erfahren, dass er bei uns bleibt.“ Das ist die Bitte um den Heiligen Geist. Er lässt uns die Gegenwart Christi erfahren.

An Christi Himmelfahrt haben wir gehört, dass Jesus nicht zu seinem Vater heimgekehrt ist, um der Welt ein für alle mal den Rücken zu kehren und sie ihrem Schicksal zu überlassen. Er streift das Menschsein nicht ab wie ein abgetragenes Kleid, sondern der leibhaftige Mensch Jesus von Nazareth hat nun teil am göttlichen Leben. Wie die Welt nun durch ihn, den menschgewordenen Gott für immer die Spuren Gottes trägt, so ist jetzt durch seine Auferstehung und Himmelfahrt der Himmel, die Wirklichkeit Gottes nicht mehr denkbar ohne den Menschen. Dieses Sein des Menschen bei Gott ist uns eröffnet durch die Himmelfahrt Christi, und daran dürfen wir teilhaben. Lass uns erfahren, dass er alle Tage bei uns bleibt. Wie können wir das erfahren?

Erinnern wir uns, wie wir es schon erfahren haben, denn unser Christ-sein beginnt ja nicht erst heute. Wir können es neu erfahren, indem wir uns auf das Wort der Schrift einlassen und den Weg der Jünger mitgehen. Schauen wir auf das Johannesevangelium dieser Sonntage vor Pfingsten, das Abschiedsgebet des Herrn. Das Verhältnis Jesu zu seinen Jüngern hat sich von einer Beziehung zwischen Schülern und Lehrer zu einer Freundschaft gewandelt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, ich habe euch Freunde genannt.“ (15,15) Freundschaft ist gepaart mit Freude. Jesus will, dass seine Freude in den Jüngern ist und vollkommen wird. „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist, und eure Freude vollkommen wird.“ (15,11) Er lädt ein, den Vater um diese Freude zu bitten. „Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.“ (16,24)

Diese Erfahrung der Freude gilt nicht nur den Jüngern damals. Das Abschiedsgebet Jesu endet mit der Bitte um die Einheit aller, die auf das Wort der Jünger hin an ihn glauben. Wir alle also dürfen an dieser Freude, teilhaben, ja diese gemeinsame Freude ist das Kennzeichen unserer Einheit. Wenn wir aus dieser Freude leben, geben wir der Welt das beste Zeugnis für den Glauben, dass der Erlöser in der Herrlichkeit des Vaters ist, zu der wir und alle Menschen berufen sind.

Freilich dürfen wir uns nicht täuschen: diese Freude von der das Evangelium spricht, ist alles andere als ein momentanes Glücksgefühl. Durch sie unterscheiden wir uns von der Welt und das kann zu Konflikten führen. So betet Jesus: „Vater,

dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle haben. Ich habe ihnen mein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil  sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ (17,13-15)

Jesus spricht von Freude in Fülle mitten in der Bedrängnis. Diese Freude, von der Jesus spricht, dauert auch dann noch an, wenn wir dafür leiden müssen.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis umgebracht wurde, schreibt mitten in seiner Bedrängnis:

„Bei Gott wohnt die Freude, und von ihm kommt sie herab und ergreift Geist, Seele und Leib, und wo diese Freude einen Menschen gefasst hat, dort greift sie um sich, dort reißt sie mit, dort sprengt sie verschlossene Türen. Es gibt eine Freude, die von Schmerz, Not und Angst des Herzens gar nichts weiß; sie hat keinen Bestand, sie kann nur für Augenblicke betäuben. Die Freude Gottes ist durch die Armut der Krippe und die Not des Kreuzes gegangen; darum ist sie unüberwindlich, unwiderleglich.

Sie leugnet nicht die Not, wo sie da ist – aber sie findet mitten in ihr, gerade in ihr, Gott. Sie bestreitet nicht den Ernst der Sünde, aber sie findet gerade so die Vergebung. Sie sieht dem Tod ins Auge, aber sie findet gerade in ihm das Leben.

Um diese Freude, die überwunden hat, geht es. Sie allein ist glaubwürdig, sie allein hilft und heilt.“

 Liebe Schwestern und Brüder, wir leben in der Spannung zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Dem Abschied des Herrn von der Welt und dem Kommen des Heiligen Geistes, die neue Gegenwart des Herrn in der Welt. In dieser Spannung spielt sich unser Christenleben ab. Der Geist, die Gegenwart Christi ist nicht ein für allemal gegeben, wir müssen sie immer wieder erbitten: „Komm heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer der Liebe.“ Das können wir nicht oft genug beten. Dann werden wir erfahren, dass der Herr alle Tage bis zum Ende der Welt bei uns bleibt und unsere Freude vollkommen macht. Amen!

Gottesdienste

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Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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