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33. Sonntag im Jahreskreis A, Das Gleichnis von den Talenten, Matthäus 25,14-30, P. Wolfgang Bauer SJ

16.11.14 00:00
Dankbar für all die Gaben und Talente, die wir von Gott empfangen haben, sollten wir mit ihnen wuchern zum Wohl unserer Mitmenschen. Und uns lieben wie wir sind, auch mit den uns gesteckten Grenzen unserer Möglichkeiten.

Liebe Gemeinde,

Das Thema des heutigen Gleichnisses taucht immer und überall auf, es ist ein Thema, das uns Menschen aller Zeiten gemeinsam ist: was wir mit unserem Leben anfangen können und anfangen sollen?

Und Jesus sucht ja auf verständliche Weise in den Gleichnissen unser tatsächliches Leben einzufangen und an ihnen unser Leben zu bedenken, zu überprüfen und neu auszurichten.

Lassen Sie mich aus dem Gleichnis von den Talenten zwei naheliegende Schlussfolgerungen ziehen und eine Schlussfolgerung, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, aber für ein glückliches und zufriedenes Leben unabdingbar sich darstellt.

 1. Die erste Schlussfolgerung oder Lehre aus diesem Gleichnis.

Schauen wir seinen Inhalt nochmal genauer an:

Im Gleichnis bekommt ein Diener 5, der nächste 2 und der 3. ein Talent und offensichtlich kommt es Jesus nicht darauf an, wieviel der einzelne empfängt, denn der mit den 5 und der mit den 2 Talenten und den entsprechend dazugewonnenen werden belohnt  und er gibt auch keinen Grund an für diese unterschiedliche Ausstattung..

In diesen Dienern  können wir uns selbst unschwer wiedererkennen, auch wir sind mit verschiedenen Gaben, Fähigkeiten, Vorzügen ausgestattet worden. Bei aller Verschiedenheit sind wir in einem gleich: alle haben wir unsere Gaben empfangen, sind Beschenkte und als Gläubige wissen wir, letztlich von Gott Beschenkte.

Doch auch uns wie den Dienern im Gleichnis sind die Geschenke nicht nur für unsere eigene Entfaltung und Bereicherung gegeben, sondern diese unsere Gaben verlangen danach, aktiviert, in Dienst gestellt zu werden zum Wohle unserer Mitmenschen.

Christliches Leben ist also in erster Linie Gnade und Empfangen, Beschenktsein.

Doch weil wir aus Gottes Liebe empfangen haben, sind wir auch gehalten, diese Talente einzusetzen für unsere Mitmenschen, da Gottes Gaben immer auch Aufgaben sind.

2. Die zweite Schlußfolgerung beschäftigt sich mit dem 3.Diener.

Kommt er in diesem Gleichnis nicht zu schlecht weg? Er hat ja nichts verschleudert, nichts Schlechtes getan, er hat die empfangene Gabe immerhin bewahrt und gehütet!

Er ist ängstlich, ohne Hoffnung, will die Gabe für sich behalten und dabei verliert und verspielt er sie.

Er hat ein christliches Lebensgesetz nicht beachtet, dass man vor Gott das bleibend besitzt, was man im Einsatz für andere einbringt. „Was ihr für meine Schwester und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Gaben empfangen, Talente besitzen, ohne sie wirkkräftig einzusetzen, das ist vielleicht Leben, zT bequemeres Leben, aber ein christliches Leben ist das nicht.

Dies gilt für den einzelnen gleichermaßen wie für die kirchliche Gemeinschaft und deren Gaben, die sie von Gott empfangen haben.

Dass von Gott gegebene Talente Gaben, Aufgaben sind und dass christliches Leben immer den Anspruch hat, unsere Kräfte und Fähigkeiten in den Dienst unserer Mitmenschen zu stellen, ergibt sich aus unserem Gleichnis zwingend.

Aber es ergibt sich noch eine dritte Folgerung für unser Leben: die Annahme dessen, was uns zugedacht ist: die Annahme unsrer selbst.

Denn bei der Auslegung des Gleichnisses wird meist Wert gelegt, auf die Unterschiedlichkeit der zugeteilten Talente:5,2,1, und auf die unterschiedliche Reaktion der Beschenkten, nicht aber darauf, dass diese drei Diener in ihrer Reaktion auf das anvertraute Gut auch eine Gemeinsamkeit verbindet: sie nehmen ohne Widerspruch, ohne Murren das an, was ihnen zugeteilt ist, sie nehmen es an ohne Vergleiche anzustellen mit ihren Mitdienern, ohne Neid.

Liebe Gemeinde,

und müssen wir nicht unser Leben lang, vom Kindergarten angefangen, uns damit beschäftigen, dass andere flinker, geschickter, begabter, gesünder, cleverer, energievoller, genialer sind? Haben wir es nicht  fortwährend bis ins hohe Alter mit den uns gesteckten Grenzen zu tun, die wir leidvoll erfahren??

Glücklich leben können wir nur, wenn wir nicht nur unsere Kräfte und Fähigkeiten, die uns auszeichnen akzeptieren und sie aktivieren, sondern auch, wenn wir unsere  ganz individuellen Begrenzungen annehmen, immer wieder neu. Wenn wir uns annehmen wie wir sind.

Und nur wenn es uns gelingt, uns mit unseren Grenzen anzunehmen, kann es auch gelingen, unseren Nächsten ebenfalls mit seinen Grenzen und Schwächen anzunehmen..

Aus dieser Erfahrung heraus fügt Jesus auch dem Liebesgebot noch die Wörtchen an „wie dich selbst“. Gott und den Nächsten lieben wie sich selbst.

Denn wer sich selbst nicht leiden kann, kann auch den andern nicht leiden.

Wenn wir einem besonderen miesepetrigen Menschen, einem ewigen Nörgler begegnen, sagen wir ja auch als Begründung:“der kann sich selbst nicht leiden!“

Uns annehmen wie wir sind: keine leichte Aufgabe und eine lebenslange Aufgabe dazu.

 Wir können die Deutung dieses Gleichnisses mit drei Bitten für uns fruchtbar machen:

1. Herr, lasse uns dankbar sein für all die Gaben und Talente, die wir von dir empfangen haben, denn wir wissen, du hast uns reich beschenkt.

2. Herr, lasse uns mit den geschenkten Talenten wuchern zum Wohl unserer Mitmenschen.

3. Herr, schenke uns die Bereitschaft, uns so zu lieben wie wir sind, auch mit den uns gesteckten Grenzen unserer Möglichkeiten.

Amen

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