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03.08.2011 - BZ

Ein Klangbad von ungeahnter Intensität

03.08.11 00:00
Ein Klangbad von ungeahnter Intensität
Grandiose Mehrchörigkeit vereinte der Coro Polifonico di Gianenale aus Schio bei Vicenca unter der Leitung von Dirigent und Organist Pio Tisato im Dom zu St.Blasien. Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner
Der italienische Chor Polifonico di Giavenale vereinte bei seinem Domkonzert bis zu 16 Stimmen.


        

ST. BLASIEN.

Geradezu seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt worden zu sein schien der Dom beim Konzert des Coro
Polifonico di Giavenale aus Schio bei Vicenza unter der Leitung von Dirigent und
Organist Pierdino Tisato. Mit der Mehrchörigkeit, die dieses Ensemble mit
atemberaubender Faszination zelebrierte, eröffnete sich den Zuhörern unter der
großen Kuppel ein akustisches Klangbad von ungeahnter Intensität.

Begonnen hatte der Chor auf der Orgelempore mit vier A-cappella-Werken des 16.
Jahrhunderts. "O magnum mysterium" von Tomas Luis da Victoria offenbarte die
sensible, dynamisch fein abgestimmte Tongebung dieses Chores, der beim
"Alleluja" mit zupackender Verve zu agieren vermochte. Bei Palestrinas "Super
flumina" glänzten die strahlenden Soprane, die Interpretation von Andrea
Gabrielis "Filiae Jerusalem" überzeugte wie bereits die seiner Vorgänger mit
liebevoller Phrasengestaltung, klanglich ausgewogenen Stimmgruppen und
ausgezeichneter Textverständlichkeit. Hans Leo Hasslers "Verbum caro factum est"
atmete gleichsam, so dass die gesamte Komposition in sanften Wellen an den
Zuhörern vorüberzugleiten schien.
Nach zwei Kompositionen von Morten Lauridsen spielte Pierdino Tisato die Sonate
in f-moll op. 65,1 von Felix Mendelssohn. Im ersten Satz stellte der Organist
nach wuchtigem Beginn kräftige dynamische Kontraste gegeneinander, die er in
einen choralartig besänftigten Schluss münden ließ. Zurückgenommen, liedhaft,
mit klarer Melodielinie, erklang das Adagio. Das Andante lebte aus dem Gegensatz
melodischer und akkordischer Passagen, die organisch das Vorangegangene
fortspannen. Der vierte Satz schlug mit mächtig wogenden Arpeggien und
Sequenzierungen den Bogen zurück zum ersten und steigerte mit fulminantem
Schluss die Wirkung ins Bombastische.

Mit Morten Lauridsen, dessen Kompositionen an sanft verhallende Glockenklänge
erinnerten, hatte der Chor einen Programmteil eröffnet, der zeitgenössischen
Komponisten gewidmet war. Nach der Orgelsonate sang das Ensemble – nun unten im
Kirchenrund, ein "Ave Maria" von Javier Busto, das in der Behandlung der
Melismatik an die Schulung durch den gregorianischen Choral gemahnte. "Lux
Aurumque" von Eric Whitacre, eine mehrfache Wiederholung der Anrufung des
Lichtes, legte mit ungewöhnlichen Intervallsprüngen die Betonung auf die
strahlenden Höhen, wobei die Männerstimmen mit tiefen Haltetönen ein prägnantes
Fundament schufen. Mit Giovanni Bonatos "Stetit angelus" und Marco Manzardos
"L’acqua dalle fonti" schlug der Chor die Brücke zurück zur Mehrchörigkeit des
16. Jahrhunderts, indem sich die Chormitglieder im Raum verteilten. Bei Bonatos
Komposition gesellte sich zu den Singstimmen der die Textausdeutung
unterstützende engelgleiche Klang in Schwingung versetzter Gläser, während
Manzardos Umsetzung des Wassers mit murmelnden Tonwiederholungen, eingestreuten
Zischlauten und einer Art Sprechgesang arbeitete. Bei Tomas Luis da Victorias
"Agnus Dei" für zwei Chöre öffnete sich den Zuhörern ein gigantischer Klangraum,
wobei der Dirigent, in der Mitte des Doms stehend, den glanzvollen Eckpunkt
jenes Dreiecks darstellte, der den voluminösen Klang des achtstimmigen Satzes
förmlich anzuziehen schien. Noch intensiver wurde dieses großartige räumliche
Klangerlebnis beim zwölfstimmigen "Sanctus" von Andrea Gabrieli für drei Chöre,
während man beim 16-stimmigen "Gloria" für vier Chöre desselben Komponisten den
Eindruck hatte, als müsse man selbst genau den gleichen Platz einnehmen wie der
Dirigent, um die nun aus allen vier Himmelsrichtungen zusammenströmende Musik
wirklich ganz erfassen zu können.

Die faszinierten Zuhörer applaudierten minutenlang stehend, woraufhin der Chor
ein weiteres, frohlockendes "Ave Maria" von Busto anstimmte, das die Zuhörer mit
einem wohlig-weichen "Amen" entließ.

Autor: Karin Steinebrunner

 


 

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im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

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Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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