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5. Ostersonntag B, Johannes 15,1-8, P. Josef Singer SJ

06.05.12 00:00
„Ich bin der wahre Weinstock.“ Wenn Jesus das Bild von Weinstock aufgreift, um damit zu verdeutlichen, wer er ist, dann verwendet er ein Symbol, das seinen jüdischen Zeitgenossen sehr vertraut war.

„Ich bin der wahre Weinstock.“ Wenn Jesus das Bild von Weinstock aufgreift, um damit zu verdeutlichen, wer er ist, dann verwendet er ein Symbol, das seinen jüdischen Zeitgenossen sehr vertraut war. Stand doch neben dem Tor zum Allerheiligsten im Jerusalemer Tempel ein großer goldener Weinstock als Symbol für das Volk Israel. Pilger, die dem Tempel etwas spenden wollten, konnten ein Blatt, eine Beere oder eine ganze goldene Traube kaufen und an diesen prunkvollen Weinstock  hängen. Mit diesen Gaben wurde der Tempelbetrieb zu einem guten Teil finanziert.

Im Bild vom Weinberg und Weinstock konnte sich das Volk Israel wiedererkennen, nicht immer freilich auf schmeichelhaft Weise. Im Buch Jesaia bedauert der Prophet, dass sein Freund, der Winzer, der für Gott steht, alle erdenkliche Arbeit und Mühe für seinen Weinberg aufgebracht hat und doch nur saure Trauben ernten konnte.

Wenn nun Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer“, dann – so kann man sich vorstellen – war das ein ungeheurer Anspruch und eine Provokation. Denn offensichtlich gibt es dann auch einen falschen, einen schlechten Weinstock, um den sich der Winzer vergeblich gemüht hat. Aber Gottes Plan und Fürsorge um den Weinstock Israel war nicht vergeblich, sondern findet in Jesus Christus seine Erfüllung.

Und dieser wahre Weinstock ist in ganz neuer Weise eins mit den Reben. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige.“ Eine ganz neue Beziehung zwischen den Menschen und Gott ist damit angebrochen, Jesus nimmt uns mit hinein in sein Verhältnis zum Vater.

Vielleicht ist uns das Bild vom Weinstock schon allzu bekannt und geläufig, als dass wir von der unglaublich neuen frohen Botschaft, die Jesus damit von Gott verkündet noch ergriffen und bewegt werden. Wir sollten uns dieses Bild neu anschauen und meditieren, als Bild für unsere Beziehung zu Jesus und zueinander.

„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige. wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ In Christus bleiben, oft und oft wiederholt das Johannesevangelium dieses Wort für unser Verhältnis zu Jesus: in ihm bleiben. Es geht nicht nur darum, dass ich um Jesus weiß, dass ich über ihn informiert bin und seine Lehre akzeptiere, sondern dass ich als Glaubender in eine betende, personale Beziehung mit ihm komme. Es geht um enge Verbundenheit, um vertrauensvolle Freundschaft.

Vielleicht klingt das manchen zu fromm, auch zu individualistisch, etwas für Menschen mit ganz besonderer religiöser Begabung, für Mystiker. Manch einer mag fragen, wo bleibt denn da das Soziale, die Gemeinde, der Bezug zur Welt?

Und es ist richtig, Christ sein kann man nur mit anderen Christen. „Ein Christ ist kein Christ.“ sagt schon in der frühen Kirche Bischof Cyprian von Karthago.

Ich finde den Vergleich mit dem Weinstock deshalb gerade so schön und treffend, weil hier das persönliche Verhältnis zu Christus mit dem Verhältnis zu den Mitchristen nicht gegeneinander steht, sondern zusammengehört. Eine Traube macht noch keinen fruchtbaren Weinstock. Dazu braucht es viele Reben. Aber fruchtbar werden die Reben aus der je eigenen Verbindung zum Weinstock.

Es handelt sich bei alledem nicht nur um ein subjektives Christusverhältnis. Denn die Beere hängt nicht allein und verloren am Rebzweig, sie ist immer hineingewachsen in eine Fülle von Beeren, in die Traube, die sich dann wie eine einzige Frucht ausnimmt.

Einen anderen Aspekt unseres christlichen Lebens kann uns der Vergleich mit dem Weinstock noch vermitteln: Glaube – persönlich und in der Gemeinde – ist ein Wachstumsprozess. Frucht bringen setzt eine Zeit des Reifens voraus. Erlauben wir einander, dass der Glaube ein Prozess ist, der bei jedem und jeder anders verlaufen kann. Oder muss immer schon alles ausgereift sein? Haben wir Geduld miteinander? Vertrauen wir auf das Wort Jesu. „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“? Gewiss sagt Jesus auch die ernsten Worte: „Jede Rebe, die keine Frucht bringt, schneidet er ab.“ Doch solange wir uns nicht selbst  von ihm trennen, sondern bleiben wollen, wird er uns reinigen, d.h. so behandeln, dass wir Frucht bringen. „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.“

Was kann das heißen? Zunächst vielleicht innerkirchlich:

  • dass wir uns gegenseitig das Bleiberecht am Weinstock einräumen,
  • dass wir uns gegenseitig achten und respektieren in aller Verschiedenheit
  • dass wir voneinander noch etwas erwarten, weil Jesus es ist, der in uns wirkt und nicht wir aus uns selbst.

So wenig die Jünger losgelöst von Jesus irgendetwas tun können, so sehr gibt Jesus ihnen die Lebenskraft, die sie brauchen, wenn sie am Weinstock bleiben.

 

Doch ein weiteres kommt dazu: Der Weinstock mit seinen Rebzweigen genügt sich nicht selbst, ist nicht für sich da, sondern um Frucht zu bringen. Einige Verse nach dem heutigen Evangelientext, sagt Jesus: „Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr zu den Menschen hinausgeht und meine Liebe weitergebt und so reiche Frucht bringt, eine Frucht, die Bestand hat.“ Nach dieser Frucht, nach Liebe, die weitergegeben wird, sehnen sich die Menschen. Herr lass uns bei dir und in dir bleiben, damit wir etwas von deiner Liebe weitergeben können. Amen!

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