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Die Adventsfrage: Wer ist Jesus für mich?

3. Advent B, Jesia 6,1-2a.10-11, Johannes 1,6-8.19-28 P. Josef Singer

14.12.14 00:00
Wer bist Du? So wie Johannes gefragt wird und wie er dann Jesus fragen lässt, sollen und wollen auch wir in diesen Adventstagen neu fragen. Wer bist du, dessen Ankunft wir an Weihnachten erwarten? Wer bist du für mich? Wer bist Du für die Welt? Und was ändert Dein Kommen in meinem Leben und in den Menschen?

Die Adventsfrage: Wer ist Jesus für mich?

Wer bist Du? – so lässt die oberste jüdische Behörde Johannes den Täufer befragen. Wer bist Du? Eine neugierige, aber auch eine misstrauische Frage. Es lag etwas in der Luft. Gefahr war im Verzuge. Einerseits erwartete das Volk den Messias, den Retter und Erlöser, andrerseits war klar, die Besatzungsmacht der Römer schlägt drein, wenn sich jemand als politischer Befreier ausgibt. Deswegen will die Religionsbehörde kein Aufsehen. Deswegen die eindringliche Frage: Wer bist Du? Und auch als der Täufer verneint, dass er sich für den Messias oder einen Propheten halte, bohren sie weiter: „Wer bist du, was sagst du über dich selbst?“ „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaia gesagt hat.“

Was hat der Prophet Jesaia gesagt? Wir hörten es eben in der Lesung: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen die frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“

Von wem sagt das der Prophet? Nicht vom Täufer, sondern von einem Anderen, Größeren, auf den Johannes verweist. „Ich taufe nur mit Wasser, aber mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Er kommt nach mir, und ich bin nicht wert, die Riemen seiner Sandalen zu lösen.“

Jesus selbst hat die Bibelstelle aus der heutigen Lesung in der Synagoge von Nazareth auf sich bezogen, wie wir im 4. Kapitel des Lukasevangeliums lesen können: Eines Tages kam Jesus wieder in seine Heimatstadt Nazareth. Am Sabbat ging er wie gewohnt in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Heiligen Schrift vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaia. Er schlug sie auf und stieß genau auf die Stelle, wo es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir...“ (usw. die Worte, die wir in der Lesung gehört haben.) Dann heißt es weiter: Jesus schloss das Buch, gab es dem Synagogendiener zurück und setzte sich. Alle warteten gespannt darauf, was er dazu sagen würde. Er begann: „Heute hat sich vor euren Augen diese Voraussage des Propheten erfüllt.“ Seine Worte hinterließen tiefen Eindruck bei der ganzen Gemeinde. Aber sie wunderten sich auch, so etwas aus seinem Mund zu hören und sagten zueinander: „Wie ist das möglich? Er ist doch nur der Sohn des Zimmermanns!“

Jesus ist der erwartete Messias, nicht wie ihn die Menschen seiner Heimatstadt erwarten, nicht wie ihn die jüdischen Behörden befürchteten, einer der Unruhe und Aufruhr bringt, sondern der die frohe Botschaft von der Liebe Gottes verkündet, den Gefangenen Freiheit und den Blinden das Augenlicht bringt.

Die Frage „Wer bist Du?“ zieht sich ja wie ein roter Faden durch das neue Testament, ja die ganze Bibel dreht sich um diese Frage. Sie wird an Johannes gestellt, aber sie zielt letztlich auf Jesus Christus.

Denn Johannes gibt die Frage weiter: Als der Täufer später im Gefängnis sitzt, weil er dem König Herodes seinen Ehebruch vorgehalten hat, schickt er seine Jünger zu Jesus mit der Frage: „Bist Du der Retter, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten“ (Mt 11,2–3) Wer bist du? Und Jesus antwortet wieder mit der Jesaia-Stelle: „Geht zu Johannes zurück und erzählt ihm, was ihr miterlebt habt: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden geheilt, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die rettende Botschaft verkündet. Sagt ihm außerdem: Glücklich ist jeder, der nicht an mir irre wird.“

Wer bist Du? So wie Johannes gefragt wird und wie er dann Jesus fragen lässt, sollen und wollen auch wir in diesen Adventstagen neu fragen. Wer bist du, dessen Ankunft wir an Weihnachten erwarten? Wer bist du für mich? Wer bist Du für die Welt? Und was ändert Dein Kommen in meinem Leben und in den Menschen?

Von den Menschen in der Synagoge von Nazareth heißt es, sie warteten gespannt, was er dazu sagen würde. Gespannt warten, das ist Advent. Was rechtes adventliches Warten heißt, können wir von Johannes dem Täufer lernen.

Erstens er macht sich nichts vor, er maßt sich nicht an, mehr zu sein als er ist, Ich bin nicht der Messias und nicht der Profet. Wie leicht hätte er die Menschen, die ihm nachgelaufen sind, beeinflussen und für seine Zwecke missbrauchen können. Nein er bleibt sich treu, bleibt ehrlich und realistisch.

Die adventliche Frage an uns könnte lauten: Warum will ich im Mittelpunkt stehen? warum will ich Einfluss nehmen und Menschen an mich binden? Muss sich immer alles um mich drehen? 

Zweitens: Johannes legt Zeugnis ab, er versteht sich als Wegbereiter für den Messias, den Christus.

Wie sieht mein Zeugnis für Jesus aus? Merken die Mitmenschen an meinem Reden und Tun, dass ich Christ bin. Rede ich über meinen Glauben? – mit allen Unsicherheiten vielleicht und Zweifeln. Aber doch so, dass mein guter Wille, meine Sehnsucht nach Gott deutlich wird, wenigstens dass mir die Frage nach Gott und seinem in diese Welt gesandten Messias nicht gleichgültig ist.

Und ein drittes: Johannes der Täufer legt nicht die Hände in den Schoß und wartet ab, sondern er wird aktiv, ruft zur Umkehr, führt selbst ein überzeugendes Leben.

Es sind noch 14 Tage bis Weihnachten. Lassen wir es nicht einfach so auf uns zukommen, sondern setzen wir das eine oder andere Zeichen, dass es uns ernst ist mit der Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung. Vielleicht wäre da und dort ein Wort der Versöhnung oder des Dankes fällig, vielleicht kann ich bewusst einer Stimmung gegensteuern, dass die beginnende Winterszeit, die Kälte sich nicht auch aufs Herz und Gemüt legt.

Machen wir uns das Leitwort dieses Sonntags Gaudete zu eigen indem wir es uns täglich sagen: „Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit.“ So können wir vorbeugen und verhindern, dass mangelnde Aufmerksamkeit füreinander, Ermüdung und Überdruss uns die Weihnachtsfreude verderben.

Bedenken wir, was der Grund dieser Freude ist: Der Herr ist nahe! Wer bist Du? Diese Frage sollte sich wie ein roter Faden auch durch unser Leben ziehen. Sie hält unsere Sehnsucht wach auf das Fest der Geburt Christi und auf seine endgültige Wiederkunft, wenn wir von Angesicht zu Angesicht sehen, wer er ist.

Amen

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