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Dreifaltigkeitssonntag 2012 im Dom, Römerbrief 8,14-17,
Matthäusevangelium 28,16-20, Josef Singer SJ

03.06.12 00:00
Der Glaube an einen einzigen Gott, der Eingottglaube zeichnet ja alle drei sogenannten Monotheistischen Religionen aus: Judentum, Christentum und Islam. Aber allein die Christen bekennen sich zum einen Gott in drei Personen.

Heute am Dreifaltigkeitssonntag möchte ich auf eine bemerkenswerte Darstellung dieses Festgeheimnisses aufmerksam machen. Sie gehört zu den wenig bekannten und beinahe verborgenen Kunstwerken im Dom. Und doch findet sie sich in doppelter Ausführung an zwei markanten Stellen: Im Mönchschor im Bogen über der Orgel und spiegelbildlich im Bogen zwischen Mönchschor und Rotunde. Die drei Stuckmedaillons zeigen von unten nach oben: das Symbol für Gott den Schöpfer und Herrn, den Jahwenamen, das sog. Tetragramm im Dreieck eingeschrieben. In der Mitte den Heiligen Geist in Gestalt der Taube und zuoberst, den Sohn in Gestalt des Lammes auf dem Buch des Lebens. Mir kommt es vor als ob der Erbauer des Domes damit noch einmal sagen wollte, wozu das ganze Bauwerk aufgeführt wurde: zur Ehre des drei-einen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In diesem Namen beginnen wir den Gottesdienst, so beenden wir unsere Gebete, in diesem Namen sprechen wir den Segen. Durch diesen Gottesnamen unterscheidet sich das Christentum von allen anderen Religionen. (Es ist sein Alleinstellungs-merkmal, wie man heute gern sagt.) Der Glaube an einen einzigen Gott, der Eingottglaube zeichnet ja alle drei sogenannten Monotheistischen Religionen aus: Judentum, Christentum und Islam. Aber allein die Christen bekennen sich zum einen Gott in drei Personen.

Ist das so wichtig? Glauben wir nicht alle an denselben Gott, muss da das Unterscheidende eigens betont werden. Und der Missionsauftrag im heutigen Evangelium, alle Menschen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Stört das nicht den Religionsfrieden?

Aber wir können nicht anders als so von Gott zu reden, wie er uns in Jesus Christus entgegengekommen ist. Dass Gott uns entgegenkommt, uns hineinnimmt in sein innerstes Geheimnis ist das Neue, das Beseligende am christlichen Glauben. Und diese frohe Botschaft darf man doch keinem Menschen vorenthalten. Davon muss der Christ reden, nicht um die andern zu provozieren, möglicherweise noch mit Gewalt zu bekehren, wie das ja leider Gottes im Laufe der Kirchengeschichte geschehen. ist. Vielmehr müssen wir davon reden und von dieser beglückenden Botschaft Zeugnis geben, dass nämlich der ewige, einzige, erhabene Gott sich der Menschen angenommen hat, und uns in seine Gemeinschaft aufnimmt. Das tut er, weil er selbst in sich Beziehung und Gemeinschaft ist. So kann der Apostel Paulus den Griechen, die auf dem Areopag in Athen „einem unbekannten Gott“ einen Altar geweiht hatten, sagen: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“.

Wie kommen die Christen zu solchen Aussagen über Gott, der doch der ganz Andere, der Jenseitige, der Unnahbare, das Geheimnis schlechthin ist? Wir können das nur wagen, weil Gott selbst sich geoffenbart hat und uns entgegenkommt.

 Auf drei Weisen kommt Gott uns nach den Zeugnissen der Heiligen Schrift entgegen: Zuerst als Schöpfer des Universums. Auf den ersten Seiten der Bibel wird die Schöpferkraft Gottes besungen, der aus dem Nichts alles erschafft. Freilich darf man den Schöpfungsbericht nicht als wissenschaftlichen Bericht lesen, sonst wird man ihm nicht gerecht. Er ist eher ein Lied, ein Hymnus auf Gottes schöpferisches Handeln, das von den Menschen weitergeführt werden darf, denn er hat uns zu Teilhabern seiner göttlichen Kraft gemacht.

 Der zweite Weg Gottes zu den Menschen erweist sich in Jesus von Nazareth. Das Entgegenkommen Gottes geht so weit, dass er in seiner Gestalt in allem uns gleich wurde. Damit offenbart sich ein ferner, ein gewaltiger Gott als nahe und menschenfreundlich. Keine andere Religion hat es gewagt, die Güte und das Erbarmen Gottes bis auf unsere Ebene herabzubringen.

Der dritte Weg ist ein innerer Grund. In unserem Innersten beglaubigt der Geist Gottes, woher wir kommen und wohin wir gehen. In der Lesung aus dem Römerbrief schreibt Paulus: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ Und der heilige Augustinus sagt. „Gott ist uns innerlicher, als wir uns selbst.“ Gott ist persönlicher und intimer in uns als wir selbst es sind. Er kennt unser Herz und kann uns aufmerksam machen auf unsere tiefsten Bedürfnisse und Sehnsüchte, kann uns leiten.

Diese drei Wege sind ein Versuch, sich dem anzunähern, was mit den drei göttlichen Personen gemeint ist. Der Vater – Gott über uns und um uns. Der Sohn – Gott mit uns. Der Heilige Geist – Gott in uns. Wenn wir von „Personen“ in Gott sprechen, liegt darin freilich die Gefahr eines Missverständnisses. Für uns heute bedeutet Person – ein vollständiger Mensch mit seinen Eigenarten und Eigenschaften, mit seinen positiven und negativen Seiten. Drei Personen wären nach diesem Verständnis, drei voneinander getrennte Wesen. Der Vorwurf seitens des Islam lautet ja dann auch, die Christen beten drei Götter an. Wir aber bekennen, Jesus Christus ist eines Wesens mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Unsere Sprache kommt an die Grenze, wenn wir das Geheimnis Gottes in Worte fassen wollen.

Dennoch: Die Dreifaltigkeit ist nicht nur eine spitzfindige theologische Spekulation. Es geht um unser Verhältnis, unsere Beziehung zu Gott. Dieses Glaubensgeheimnis will uns sagen, dass Gott schon in sich Gemeinschaft ist, dass Gott ein Beziehungsgeschehen ist, ein Austausch der Liebe, und dass wir Menschen in diesen innergöttlichen Liebesaustausch hinein genommen sind.

Der Heilige Geist, der am Pfingstfest auf die Jünger herabkam und der auch uns in Taufe und Firmung zuteil wurde, ist nicht nur Gabe Gottes an uns, sondern Gott selbst. Es ist der gleiche Geist, der den Vater und den Sohn miteinander verbindet. Der dreieinige Gott ist in sich schon Gemeinschaft, aber er hat diese Gemeinschaft gesprengt und uns in sie hineingezogen. So feiern wir am Dreifaltigkeitssonntag das Geheimnis unserer Gemeinschaft mit Gott.

„Wir glauben ja alle an denselben Gott.“ Hört man oft, wenn es um das Zusammenleben der Religionen geht. Das ist wohl wahr. Wie schön aber ist es, diesen einen Gott aller Menschen nicht nur anzubeten und zu verehren und ihm zu gehorchen, sondern in innigster Gemeinschaft mit ihm zu leben und zu lieben. Dazu hat uns Jesus berufen und dafür dürfen und müssen wir allen Menschen in Wort und Tat Zeugnis geben.

AMEN!

Gottesdienste

im Dom:
Samstag:  19 Uhr
Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
*zusätzlich während der Schulzeit
siehe: Mitteilungsblatt

im Albtal:
Sonntag:      8:45 Uhr

in Menzenschwand:
Samstag:   19:15 Uhr
Sonntag:    09:30 Uhr

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