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25. Sonntag im Jahreskreis, Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg Matthäus 20,1-16a, P. Wolfgang Bauer SJ

25. Sonntag im Jahreskreis, Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, Matthäus 20,1-16a, P. Wolfgang Bauer SJ

21.09.14 00:00
Gott verhält sich wie der Gutsherr im Evangelium: er rechnet nicht, er schenkt. Er vergütet nicht nach Tarif, sondern gibt im Übermaß. Er gibt jedem von uns, was er zum Leben braucht.

Liebe Gemeinde,

Heinrich Böll führt seine Leser in der Erzählung:"die Waage der Baleks" in das Land des Grafen Balek. Dort scheint die Welt noch in Ordnung, man lebt friedlich miteinander und man hat sich daran gewöhnt, dass es im ganzen Dorf nur eine Waage geben darf. Sie steht im gräflichen Schloß. Muss etwas gewogen werden,muss es dort sein. Das war schon immer so und wäre auch so geblieben, wenn nicht ein kleiner Junge die Waage auf ihre Genauigkeit überprüft hätte. 5 Kieselsteine muß er auf die Waage legen, damit sich bei einem Gewicht von 1/2 Kilo die Waage wieder einpendelt. Die Bewohner wurden also seit Generationen um das Gewicht von 5 Kieselsteinen betrogen.Überall hört man den Schrei:"5 Kieseln fehlen auf ein Pfund an der Gerechtigkeit.“

Es kam zu einem Aufstand, der niedergeschlagen wurde: aus war es mit Frieden und Glück.

 1.Gerechtigkeit muss sein:

Mit der Waage der Gerechtigkeit muss es stimmen, wenn wir in Frieden und zufrieden miteinander leben wollen. Auf kaum etwas reagieren wir so seismographisch, wie wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Und wenn die Ungerechtigkeit noch von oben ausgeht wie in der Geschichte des Grafen Balek, Ungerechtigkeit von Eltern und Vorgesetzten, Staat und Justiz gesellt sich zur Verletztheit noch Ohnmacht und Wut.

Gerechtigkeit gilt seit Alters als die höchste Tugend im menschlichen Miteinander und was man darunter zu verstehen hat, ist dem Inhalt nach auch gleich geblieben: suum cuique, jedem das Seine, eine Haltung, die jedem sein Recht zuerkennt (jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, so bestimmt Karl Marx die Gerechtigkeit).

Diese Gerechtigkeit ist in Bölls Erzählung gröblich verletzt, da der Graf das Maß der Zuteilung selbst bestimmt und nicht den eingebrachten Wert vergütet, geschweige denn darauf bedacht ist, was der andere bedarf.

Auch der Gutsherr im heutigen Evangelium scheint sich einer groben Ungerechtigkeit schuldig gemacht zu haben, was zwar nicht zum Aufstand, doch zu Unzufriedenheit und Widerspruch führt.

Er löhnt nicht nach eingebrachter Leistung, nach Arbeitsstunden, sondern scheinbar willkürlich gibt er jedem das Gleiche.

Zur Verteidigung des Gutsbesitzers kann man anführen, dass er den ausgemachten Lohn auch bezahlt hat, dass er auch den Späteren das gibt, was sie und ihre Familie für einen Tag zum Leben brauchen, nämlich einen Denar, dh er zahlt nach Bedürfnissen.

Doch eine gerechte Sozialgesetzgebung könnte man auf diese Weise nicht installieren, dies würde mit Recht Protest über Protest auslösen. Das Gleichnis provoziert und will offenbar provozieren.

Man begibt sich aber auf ein falsches Geleis, wenn man es als sozialpolitisches Exempel verstünde, dort nämlich ergäben sich absurde Konsequenzen. Es handelt sich eindeutig um ein Reich-Gottes-Gleichnis. Stimmig wird das Gleichnis erst als Bild für Gottes eigentümliche Gerechtigkeit.

 2.Bei Gott fallen Gnade und Gerechtigkeit in eins

Gott verhält sich wie der Gutsherr im Evangelium: er rechnet nicht, er schenkt. Er vergütet nicht nach Tarif, sondern gibt im Übermaß. Er gibt jedem von uns, was er zum Leben braucht.

Das Gleichnis wendet sich gegen den Neid und die Missgunst der Frommen, die von Gott fordern, dass es eine mechanische Entsprechung zwischen menschlicher Leistung und Lohn geben müsse. Aber Gott ist nicht festzulegen auf das Prinzip: Lohn für die Guten, Strafe für die Bösen. Er ist kein Gerichtsvollzieher sondern frei:"Steht mir nicht zu, mit dem, was mir gehört, zu tun, was ich will?"

In diesem Gleichnis zeigt sich der großzügige Gott, der nicht nur gerecht ist, sondern der ein mitfühlendes Herz und eine offene Hand hat gerade für die Zukurzgekommenen, die nichts Brauchbares leisten in den Augen der Menschen. Im Bild: Gott legt gerade dem etwas auf die Waagschale, der zu wenig Gewicht hat. Über seiner Gerechtigkeit steht die Liebe.

 3.Gerechtigkeit allein genügt nicht:

Schonin der römischen Rechtsphilosophie hat sich die Erkenntnis durchgesetzt:summum ius, summa iniuria, die höchste Form der Rechtsanwendung kann zu höchster Ungerechtigkeit führen: ein Hinweis, dass bei der menschlichen Gerechtigkeit immer welche auf der Strecke bleiben, ja, dass sie dem Menschen nie ganz gerecht werden kann.

Ein tröstlicher Gedanke für uns alle, dass jenseits menschlicher Gerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit steht, die immer Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ist.Tröstlich auch, dass Gott auf die Waage unseres Lebens-mit all unsrer Unfähigkeit und Schuld-den schweren Gewichtsstein seiner Barmherzigkeit legt.

 Ein Gleichnis ist gut, wenn es uns unaufdringlich die Konsequenzen für das eigene Denken und Handeln nahelegt. Und dieses Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist gut. Amen.

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