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6. Ostersonntag B, 1. Johannesbrief 4,7-10, Johannesevangelium 15,9-17, P. Josef Singer SJ

13.05.12 00:00
„Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage: Liebt einander!Das sagt Jesus nicht nur seinen Jüngern damals, das sagt er zu allen, die sich von ihm ansprechen, zur Freundschaft einladen lassen, das sagt der Auferstandene Herr heute zu uns.

Mit der Zusage der Freundschaft spricht Jesus einen tiefen Wunsch von uns allen an. Denn wir alle, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alle brauchen wir zu einem gelingenden Leben Menschen, mit denen wir und die mit uns in Freundschaft verbunden sind. Hören wir zunächst die Worte eines 19 Jährigen:

Einmal werde ich unter den vielen einen Freund finden,

der bei mir bleibt, der auf mich wartet, wenn ich fortgehe,

der noch da ist, wenn ich ihn brauche, der mir zuhört.

Er hat Vertrauen zu mir, er erwartet Gutes

und lässt sich nicht beirren durch mein Versagen.

Er gibt mir Spielraum und Freiheit zu sein, der ich bin.

Er knüpft seine Freundschaft an keine Bedingungen.

Er ist wahrhaftig und täuscht mich nicht.

Er sagt mir meine Fehler und Schwächen zur rechten Zeit, behutsam und hilfreich.

Er wir mir verzeihen.

Er hat Sorge und Angst um mich,

wenn ich verzweifelt bin und nicht den rechten Weg gehe.

Er behält die Hoffnung, auch wenn ich sie aufgebe.

Wenn ein anderer einen solchen Freund sucht,

dann will ich ihm dieser Freund sein.

Vielleicht denken Sie bei diesen Zeilen: genau das wünsche ich mir auch von einem Freund, einer Freundin. Vielleicht denken Sie aber auch an manche bittere Enttäuschung: Ein wunderschönes Idealbild, ab in der Realität unerreichbar: Das Bedrückende an diesem Text ist, dass der Schreiber niemand gefunden hat, der ihm oder dem er hätte Freund sein können. Er nahm sich das Leben, es ist sein Abschiedsbrief.

Eines spüren wir alle – sei es bei diesem tragischen Fall, sei es bei eigenen Enttäuschungen: Wir stoßen dauernd an Grenzen, wir möchten Freundschaft erweisen und von andern erfahren, erleben aber immer wieder das eigene Unvermögen - oder das Versagen des anderen. Ist Freundschaft lediglich ein unerreichbares Ideal?

Wenn wir sie aus eigener Kraft erreichen wollen – ja. Wir können aber Freundschaft als Geschenk annehmen. Das Evangelium sagt: Gott schenkt solche Freundschaft. Er hat es getan in Jesus Christus. Er hat uns diese grenzenlose Freundschaft vorgelebt. Er selbst hat verwirklicht, was er im heutigen Evangelium sagt: „Es gibt keine größere Liebe als die, wenn einer sein Leben gibt für seine Freunde.“

In Jesus Christus ist uns verbürgt, dass solche Liebe und Freundschaft, nach der wir uns sehnen, nicht nur unsere vergebliche Wunschvorstellung ist, sondern dass sie der tragende Grund unseres Menschseins ist. Denn „die Liebe ist aus Gott“ heißt es heute im ersten Johannesbrief und weiter: „nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat.“

Gottesliebe und Menschenliebe dürfen freilich nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu Gott – sozusagen die Liebe vertikal - darf keine Ausflucht werden dafür, dass wir so wenig menschliche Liebe – Liebe horizontal  - geben und erfahren. In der Fortsetzung der heutigen Lesung heißt es: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Doch wenn wir einander lieben, lebt er in uns und seine Liebe kommt durch unsere Liebe zum Ziel. Im Grunde ist das unglaublich, was Gott der menschlichen Liebe zutraut, sie macht seine Liebe vollkommen.

Gottes Liebe wird konkret und erfahrbar in menschlicher Liebe, auch wenn diese nur ein unvollkommenes Spiegelbild der göttlichen Liebe ist.

Gewiss, es ist oft ernüchternd und enttäuschend, dass sich unsere Erwartungen an Freundschaft und Liebe nicht erfüllen. Dennoch gilt, was Johannes seiner Gemeinde schreibt: „Er lebt in uns, und seine Liebe kommt durch unsere Liebe zum Ziel.“

Denn gibt es nicht auch viel Gelingen - wenn auch bruchstückhaft und fragmentarisch?

Wir begehen heut den Muttertag. Haben wir nicht Grund genug zu danken für die Liebe, die uns von Müttern erwiesen wird? Die Mutterliebe gilt schon im Alten Testament als Bild der Liebe Gottes. „Kann denn eine Frau ihr Kind vergessen, eine Mutter ihren eigenen Sohn? Und selbst wenn sie ihr Kind vergäße, ich vergesse dich nicht.“ (Jesaia 49,15)

Wenn wir menschliche Freundschaft und Liebe zu verstehen suchen als Spiegel der Liebe Gottes, dann werden selbst Mängel und Scheitern uns nicht trennen von der Liebe Gottes.

Ein 10 Jähriger sagte einmal, als ich versuchte zu erklären, dass er Gottes Kind und seiner Mutter Kind sei: „Dann hat mich der liebe Gott an die Mama nur ausgeliehen.“ Welche tiefe theologische Erkenntnis! Wie befreiend ist das für Mutter und Kind: Wir Menschen dürfen einander Gottes Liebe erweisen. Aber zugleich macht unsere Unvollkommenheit Gottes Liebe nicht zunichte.

„Der liebe Gott hat mich an meine Mama nur ausgeliehen.“ Gott leiht uns Menschen einander aus, er vertraut uns einander an, weil er will, dass wir seine Liebe in der Welt sichtbar und erfahrbar machen. Das ist unsere Berufung als Christen: Freunde und Freundinnen Jesu zu sein, die lieben wie er geliebt hat.

Amen

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Sonntag:   10 Uhr
Sonntag:   11:15 Uhr *
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