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Fest der Heiligen Familie

Darstellung des Herrn, Lukas 2,22-40, P. Josef Singer

28.12.14 00:00
Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht ja eigentlich nicht die Hl.Familie, sondern diese beiden Menschen, die in ihrem Herzen jung geblieben sind, obwohl sie nach Jahren schon sehr alt sind. Simeon und Hanna haben sich trotz aller Entbehrungen und Enttäuschungen in ihrem Leben die Hoffnung auf das Kommen des Messias nicht nehmen lassen. Die Welt braucht solche Menschen. Sie sind ein Segen für jede Familie, in welcher Form auch immer, ein Segen für jede Gemeinschaft, die solchen Menschen, wie Simeon und Hanna Raum zum Leben gibt.

Fest der Heiligen Familie

„Herr, unser Gott in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.“ So beten wir heute im Tagesgebet. Leider erfahren wir von den Evangelisten nur wenig über den Alltag der sogenannten Hl.Familie, von Maria, Josef und Jesus. Erzählt wird die Geburt in der Krippe, die Flucht nach Ägypten, sowie der Hinweis auf eine Familie, die vom Handwerk lebte und die jüdische Tradition sehr ernst nimmt. All das deutet darauf hin: Gott hat in Jesus den schwierigen Alltag armer Familien auf sich genommen. Er ist nicht in einem Palast mit Dienstpersonal zur Welt gekommen. Vielleicht ist das ein trostreicher Gedanke für Familien heute: Gott zeigt sich schon in seiner Menschwerdung mit denen solidarisch, die es nicht immer leicht haben.

Und deswegen darf die Hl.Familie als "leuchtendes Vorbild" für alle Familien auch heute gelten, für alle, die es nicht immer leicht haben. Seit der Zeit der Hl. Familie haben sich Bilder von Elternhaus und Familie gewandelt, ebenso seit der Einführung dieses Festes zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Als Idealbild galt damals die bürgerliche, handwerkliche und bäuerliche Familie. Viele Familien lebten damals eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Die Industrialisierung und die Arbeitsbedingungen des Frühkapitalismus zerstörten dieses Familienbild. Inzwischen kennen wir allein erziehende Mütter und Väter auch Single-Haushalte. Nicht wenige leben heute in einer sog. Patchwork-Familie, weil frühere Beziehungen zerbrochen sind und neue Formen des Zusammenlebens gesellschaftlich akzeptiert werden. Daneben gibt es immer mehr Familien, die Kindern aus schwierigen Familien-verhältnissen vorübergehend ein Zuhause bieten. Sie zeigen, dass Familien- glück nicht allein definiert ist durch Kinder vom eigenen Fleisch und Blut.

Auch im religiösen Leben hat sich bis heute so manches verändert. Von der Familie aus Nazareth heißt es: “Maria und Josef befolgten alles, was das Gesetz des Herrn vorschreibt.“ Die Generation unserer Großeltern ist noch regelmäßig zur Kirche gegangen und hat versucht, nach den Vorgaben ihrer Kirche zu leben. Die Generation der Eltern nimmt es damit schon nicht mehr so genau. Im kirchlichen Unterricht nehmen wir heute immer öfter wahr, dass auch in Deutschland schon viele Kinder als religiöse Analphabeten aufwachsen. Aus ihren Familien erfahren sie nur noch Bruchstücke von dem, was die Kirche lehrt, was zum Beispiel Weihnachten und Ostern bedeuten.

Und was verbindet uns heute bei allem Für und Wider zur Familie mit der Hl.Familie? Was kann die Familie von Nazareth heute für unsere Familien bedeuten? Die Hl. Familie ist ja nicht heilig, weil es ein Ein-Kind-Familie war oder weil die Vaterschaft Josefs sehr fraglich ist, sondern weil dieses Kind Gottes Sohn ist und in eine Familie hinein geboren wurde und damit alle Familien geheiligt hat.

Nach dem besonderen Erlebnis im Tempel zu Jerusalem, wo das Kind dem Herrn geweiht wurde,  kehrten Maria, Josef und Jesus in ihren galiläischen Alltag zurück. Ähnlich wie wir vom Hochfest der Weihnacht herkommen und immer mehr in unseren manchmal gar nicht festlichen Alltag zurückkehren werden. Im Alltäglichen ging es auch bei Maria und Josef, ganz menschlich zu. Aber, die Hl.Familie vertraute stets auf Gott, auch in den schwierigsten Situationen. Sie lebte mit und nach dem Gesetz des Herrn. Und die spürten, dass Gott sie trägt in guten wie in bösen Zeiten.

So wuchs das Kind „heran und wurde kräftig, Gott erfüllte es mit Weisheit und sein Gnade ruhte auf ihm“ (hören wir heute im Lukasevangelium.) Auch wir gehören zu Großfamilie der Kinder Gottes und können uns bei Gott zu Hause fühlen. Wo wir Gott unser Vertrauen schenken, wie Maria, Josef und Jesus, können auch wir Gottes Segen erleben – in welcher Form von Familie die Menschen von heute auch leben. Gott wird auch uns immer wieder im Glauben stärken und neuen Lebensmut und neue Kraft für die nächsten Schritte geben.

Ein letzter Gedanke noch zum Evangelium der Darstellung des Herrn. Es sagt uns, zur Familie gehören auch die alten Menschen. Gewiss hat die Familie aus Nazareth keine verwandtschaftlichen Beziehung zu Simeon und Hanna. Ich meine aber, in einem weiteren Sinn gehören solche Menschen auch heute zur Familie – mögen sie noch zu Hause in der Familie leben oder in einem Senioren- oder Pflegeheim.

Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums steht ja eigentlich nicht die Hl.Familie, sondern diese beiden Menschen, die in ihrem Herzen jung geblieben sind, obwohl sie nach Jahren schon sehr alt sind. Simeon und Hanna haben sich trotz aller Entbehrungen und Enttäuschungen in ihrem Leben die Hoffnung auf das Kommen des Messias nicht nehmen lassen. Auch im hohen Alter sehnen sie sich noch nach dem Gott Israels und vertrauen darauf, dass er seine Verheißungen erfüllen wird. Aufgrund dieser Sehnsucht können Simeon und Hanna im neugeborenen Jesus den Messias erkennen. Die Welt braucht solche Menschen. Sie braucht Menschen, die sich nicht der Hoffnungslosigkeit dieser Welt anpassen. Sie braucht Menschen voller Sehnsucht auf das Kommen Gottes. Sie sind ein Segen für jede Familie, in welcher Form auch immer, ein Segen für jede Gemeinschaft, die solchen Menschen, wie Simeon und Hanna Raum zum Leben gibt.

Amen

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